Mit Umweg vom Vogel zur Frucht: Die Kiwi

Eben habe ich das Wort Kiwi im etymologischen Wörterbuch nachgeschlagen, um herauszufinden, wann es ins Deutsche entlehnt wurde. Das Resultat ist unspektakulär – 20. Jahrhundert. Die Geschichte des Wortes ist dafür aber umso interessanter:

Kiwi kommt aus dem Maori, einer polynesischen Sprache, die von den Ureinwohnern Neuseelands gesprochen wurde und wird.

Am Anfang war kiwi einzig und allein ein flugunfähiger Vogel, der in Neuseeland beheimatet ist. Wahrscheinlich ahmt das Wort den Ruf des Tieres nach und ist somit lautmalerisch.

Der Kiwi wurde in Neuseeland ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend als Symbol für alles Mögliche verwendet, schließlich sogar auf Banknoten. (Einen schönen Überblick findet Ihr hier.) Der Vogel tauchte auch auf allerlei militärischen Insignia auf, zum Beispiel hier links. (Mein militärischer Wortschatz ist minimal, Wikipedia bezeichnet es als regimental sign.)

Auf diesem Weg entwickelte sich Kiwi dann auch zur Menschenbezeichnung: Die Soldaten, die das Vogelsymbol mit sich herumschleppten, wurden seit dem Ersten Weltkrieg als Kiwis bezeichnet. Später wurde der Begriff dann auf alle Neuseeländer ausgedehnt.

Die Frucht, anfangs in Neuseeland Chinese gooseberry ‘Chinesische Stachelbeere’ genannt, stammt zwar nicht aus Neuseeland, sondern aus Asien, wurde dort aber eifrig angebaut und ab ca. 1950 auch in großen Mengen exportiert. Bald benutzte man die Bezeichnung kiwi fruit dafür, die schließlich zum heutigen kiwi verkürzt wurde. Das kiwi darin bezieht sich wahrscheinlich eher auf das Symbol für das Land als auf die Menschen direkt.

Das Wort kann damit heute den Vogel, die Neuseeländer oder die Frucht bezeichnen. Die ersten beiden Möglichkeiten werden aber im Deutschen kaum genutzt – sie spielen eine eher untergeordnete Rolle in unserem Alltag ;)Kiwi mit Kiwi aus Kiwi

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6 Antworten zu Mit Umweg vom Vogel zur Frucht: Die Kiwi

  1. Mirko sagt:

    Mit Essen spielt man nicht. :p

  2. Monika sagt:

    Jaja, immer wieder interessant.

    Als Hobbybotanikerin hatte ich schon davon gehört und möchte noch anmerken, dass ich hörte, dass die Übertragung auch daran lag, dass die Kiwis so puschelige braune Kerlchen sind, die in etwa wie eine pelzige Kiwifrucht aussehen… und du hast das optisch auch wunderbarstens gezeigt. (ein langer Satz, ich weiß)

    Gefällt mir gut, dein Kiwikiwi!! Die menschlichen Kiwis sehen allerdings etwas anders aus ;)) … aber deiner ist knuffig.

    Liebe Grüße aus dem Norden,

    Monika

  3. André sagt:

    Interessant!
    Auf Chinesisch heißt die Kiwi übrigens noch äh… “anderster”, nämlich 猕猴桃 (míhóutáo), was mein Wörterbuch übersetzt mit: “Chinesische Stachelbeere; Chinesische Strahlengriffel; Kiwifrucht (Actinidia chinensis)”, dabei heißt 猕猴 (míhóu) eigentlich “Rhesusaffe (Macaca mulatta)” und 桃 (táo) “Pfirsich, pfirsichähnlicher Gegenstand”. Der Rhesusaffenpfirsich also.

    Was das 猕 (mí) in 猕猴 (míhóu) bedeutet, weiß ich leider nicht, aber 猴 (hóu) heißt einfach Affe. Aber ich schweife ab.

    Viele Grüße aus Leipzig,
    - André

    • Kristin sagt:

      Hm, interessant – irgendeine Idee, was der Affe mit der Frucht zu tun hat? Vielleicht weiß ja die chinesische Wikipedia was drüber?
      Viele Grüße nach Leipzig (kommst Du nach Bochum?),
      Kristin.

  4. André sagt:

    Zur Kiwi: Nein, keine Ahnung. Aber beide sind braun und haben Fell. ;)

    Zu Bochum: Japp, bin dabei! =)

    Liebe Grüße,
    - André

  5. Anna sagt:

    die chinesische Stachelbeere kam nach Europa und Amerika durch Neuseeland unter den Namen Kiwi. In Neuseeland werden die Einwohner auch Kiwis genannt.

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