Schplockflaute trotz Linguistikleben

Eigentlich sollte man denken, dass ich momentan vor Schplock-Ideen geradezu übersprudle – immerhin bereite ich gerade elf verschiedene und extrem spannende Prüfungsthemen vor1. Aber nix da, jeder Versuch, darüber zu schreiben, artet in zähe, enzyklopädisch-belehrende Abhandlungen aus.

Dann war Chomsky in Mainz, da könnte man ja auch was drüber schreiben – oh, aber er war so uninspirierend und hat all das gesagt, was man so kennt und was einen nach den faulen Tomaten greifen lässt. (“The Minimalistic program is just an effort to show what’s true is true”, “You don’t have to learn the syntax and semantics [of foreign languages] because it’s there already”, “The entire study of language for 2500 years is kind of off track”) Und dann klumpten sich massenweise Leute hinterher auch noch um ihn herum zusammen und ließen sich Autogramme geben. Peinlich.

Was ist noch passiert in meinem Linguistikleben? Ich war bei einer Projektvorstellung in der Mainzer Akademie der Wissenschaften für das geplante Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands, was superspannend war. Das Wörterbuch soll alle Familiennamen Deutschlands erfassen und etymologisieren (inklusive denen fremdsprachiger Herkunft). Und online verfügbar sein. Und für Laien verständlich formuliert. Ooooh! Also ganz fest die Daumen drücken, dass es bewilligt wird.

Diese Woche war ich für drei Tage bei einem tollen Workshop zu Wort- und Silbensprachen in Freiburg. Übrigens interessant, wie die badische Identität in Freiburg immer und überall betont wird – da wird man auf einem Plakat an der Uni Willkumme geheißen, auf der Speisekarte gibt’s Brägele (Brägili) und Schäufele (Schiifili), und Versicherungsunternehmen und Banken bemühen sich um Werbesprüche, die irgendwo badisch beinhalten.

Da der Workshop ein sehr spezielles Thema hatte, lässt er sich kaum für’s Schplock ausschlachten. (Einen Lesetipp zum Thema hatte ich hier ja schon.) Einen großartigen Schweizerdeutschen Satz aus dem Vortrag von Beat Siebenhaar will ich euch aber auf keinen Fall vorenthalten: blitstststsu:g Übersetzungsversuche willkommen!

So, das nächste Mal hoffentlich etwas kohärenter. Bis dahin ein Verweis auf meine letztjährige Osterreihe.

Fußnote:
1
Sie sind wirklich extrem spannend! Und zwar: Balkansprachbund, Lokaldeixis, Relativsatz typologisch, Belebtheitshierarchie, deutsche Wortbildung (synchron und diachron), Spracherwerbstheorien, deutsche Orthografie, topologische Felder, deutsche Verbalflexion (diachron), deutsche Sprachgeschichte. Na?? Neidisch?

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5 Antworten zu Schplockflaute trotz Linguistikleben

  1. Oj. Da haben/hatten wir ja einige Themen gemeinsam! :)

    • Kristin sagt:

      Das könnte zu einem guten Teil daran liegen, dass wir einige Studienfächer gemeinsam haben/hatten, oder? :)
      Gruß von unterm Aufsatzberg!

  2. Jan sagt:

    Tjaja, beim Chomsky war ich auch. Und da gibst du eine ziemlich gute Zusammenfassung. Was fehlt: die heimliche Freude im Publikum, als er sich jedes Mal beim Malen seiner Syntaxbäume verheddert hat.

    • Kristin sagt:

      Ohja, das stimmt, da spürte man so eine unterschwellige Heiterkeit im Saal heraus. Hat sich doch gelohnt, dass sie extra Kreide geholt haben.

  3. suz sagt:

    Erinnert mich irgendwie an religiöse Grundtendenzen der Unbelehrbaren :)

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