[Anglizismus des Jahres] Emanzipiert sich das Tablet?

30. Januar 2012

Heute also das Tablet. Ein flacher, tastaturloser Computer von umstrittenem Nutzen und auf jeden Fall ein Wort, das mir für eine Analyse auf den ersten Blick ähnlich unattraktiv erschien wie die letztjährige App: Vor meinem inneren Auge türmten sich Berge von trockener Technikberichterstattung und Werbegefasel, ganz vorne mit dabei die Firma Apple. Aber, coole Sache: So schlimm war’s gar nicht bzw. man konnte sehr schnell drüberscannen. Und meine Recherche liefert sogar richtig schöne Ergebnisse, schaut mal:

(Suche in Nürnberger Nachrichten, Mannheimer Morgen, Hamburger Morgenpost, Braunschweiger Zeitung, per Cosmas II web; absolute Zahlen)

Das war eine Korpusrecherche in den vier Zeitungen, die ich auch für -gate genutzt habe.1 Den Rest des Beitrags lesen »


[Anglizismus des Jahres] Greift -gate um sich?

25. Januar 2012

Unter den Vorschlägen für den Anglizismus des Jahres 2011 gab es auch ein Wortteil von nicht so recht bestimmbarem Charakter, nämlich -gate. Das will ich mir heute genauer anschauen – parallel zu suz, die zeitgleich mit mir ihre Beobachtungen zum Thema postet.

Vorgeschlagen wurde es von Patrick Schulz, der letztes Jahr den Gewinner leaken nominiert hat, und zwar mit der folgenden Begründung:

Ich schlage dieses Jahr das Skandalisierungssufffix -gate zum AdJ vor. Es wird dazu benutzt, die semantische Denotation seines Kopfes (Also die Bedeutung dessen, an das es sich ranhängt) zu einem Skandal von nationaler Tragweite zu erklären oder auch zu verklären. Diese mitunter ironisierende Nebenbedeutung hebt es m.E. von bestehenden Äquivalenten ab.

Ganz aktuelle Beispiele sind u.a. padgate, Guttengate oder Jenagate.

Es geht dabei weniger darum, irgendwelche kurzlebigen Wörter, die auf -gate enden, für den AdJ2011 vorzuschlagen, sondern dieses gebundene und sie verbindende Morphem, welches an beliebige Kopflexeme angehängt werden darf um eine sozial- und/oder medienkritische Botschaft zu vermitteln. Es ist dabei im höchsten Maße produktiv, wie die eben erwähnten Beispiele zeigen. Noch dazu geht es mit einigen interessanten phonologischen Prozessen einher, so heist es etwa Guttengate, nicht aber *Guttenberggate o.ä..

Ich will in diesem Beitrag überprüfen, ob -gate wirklich so häufig neue Wortbildungen eingeht und falls ja, wozu sie dienen. Patrick vermutet ja einen ironischen Unterton, was ich nicht ganz von der Hand weisen will. Ob der aber nur durch den Äußerungskontext entsteht, oder wirklich schon dem Element anhaftet, bleibt zu klären. Den Rest des Beitrags lesen »


Anglizismus des Jahres: Soll man adden adden?

22. Januar 2012

adden ist ein schwieriger Kandidat für den Anglizismus des Jahres 2011. Wie von vielen Seiten schnell bemerkt wurde, ist das Wort in gewissen Kreisen schon seit langem recht verbreitet – so zum Beispiel für das Hinzufügen von Kontakten bei ICQ (danke für den Hinweis, Katrin! Kennt und nutzt das noch wer? Und wann und wie ist das eigentlich aus meinem Leben verschwunden?).

Das Wort wurde auch letztes Jahr schon nominiert (hier), hat es dann aber nicht in die engere Auswahl geschafft. Allerdings hat meiner Erinnerung nach niemand eine gründliche Analyse dazu geschrieben und wer weiß, vielleicht hat sich seit damals ja auch einiges getan. Die diesjährige Nominierung ist hier zu finden.

Zunächst einmal muss

eine Begriffserklärung

her. Den Rest des Beitrags lesen »


Blogspektrogramm Nr. 8+9

17. Januar 2012

Hey, es gibt mal wieder Blogspektrogramme! Die Nummer 8 habe ich im Dezember ganz vergessen – sie ist bei suz erschienen und bietet Lesematerial aus dem November. Die aktuelle Nummer 9 mit Dezembertexten ist im Texttheater zu finden. Und die Nummer 10 gibt es dann Mitte Februar hier bei mir.

Viel Spaß beim Lesen!

Bisherige Ausgaben:

 


Zur Erlustigung was über frühneuhochdeutsche Grammatikschreibung

6. Januar 2012

(Hinweis: Die orangen Passagen wurden nachträglich geändert/hinzugefügt.)

Hach, wie schön es sich über Sprache schwärmen lässt … hier aus Der Hóchdeutsche Schlüszel zur Schreibrichtigkeit oder Rechtschreibung (Samuel Butschky, Leipzig 1648), weitgehend wortwörtlich von Herrn Schottelius geklaut:

Sehr wohl vergleicht Herr
Schottel / unsere Hóchdeutsche
Haupt= und Heldenspráche / einem
ansehlichen/fruchtbringendenBau=
me / welcher seine saftreiche Wur=
tzeln/ tief in den Erdbóden / und da=
rinn weit ausgestrekt / also / daß er
die Feuchtigkeit / und das Mark der
Erden / vermittels seiner äderlein/
an sich zeucht ; seineWurtzeln/durch
ein fruchtreiches saftiges Naß /
zeucht ‘zieht’
durchhärtet/tauerhafft macht / und
sich selbst in die Natur einpfropffet:
Denn die Wurtzeln / und saftige
Stamwörter / unserer Spráche /
haben den Kern/und das Mark/aus
der Vernunft gesogen / und sich auf
die Hauptgründe der Natur ge=
stammet: ihren Stamm aber lassen
sie hóch empor ragen ; ihre Zweige/
tauerhafft ‘dauerhaft’
und Reiserlein / in unaussäglicher
Menge/ in steter Gewißheit / wun=
dersamer mannigfaltigkeit / und an=
sehlicher Pracht heraus wachsen /
also/daß die Erlustigung an diesem
Wunderstükke / könne stets völlig/
Reiserlein ‘Ästchen’
und die Genüßung dero süssesten
Früchte / unendlich seyn.
Genüßung ‘Genuss’

Viel Blabla? Die ganze Baummetapher klingt zwar sehr abgedreht, aber wenn man genau hinliest und nachschaut, wovon im Text drumherum die Rede ist, wird klar, dass Wurzeln, Stamm, Äste und Reiser den Komplexitätsgrad von Wörtern bezeichnen. Den Rest des Beitrags lesen »


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