Frauen ruhig beim Vornamen nennen?

26. September 2012

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[Schplock trifft Lehre] Rheinfränkisch

10. April 2012

Ich jammere ja nun schon seit einiger Zeit darüber, dass ich kaum mehr Zeit fürs Schplock habe. Das liegt vor allem daran, dass ich so viel unterrichte. Schon letztes Semester habe ich aber immer wieder überlegt, ob einzelne Seminarthemen nicht auch schplockfähig wären, und dieses Sommersemester will ich die Verbloggung von Unterrichtsinhalten nun ernsthaft angehen.

Versuchsobjekt wird mein Seminar zum Rheinfränkischen. Das geht nächste Woche los, und dann will ich jede Woche einen kurzen Artikel über das Phänomen schreiben, das wir besprochen haben. Schlau wie ich bin, kündige ich euch das jetzt an, damit ich keinen Rückzieher mehr machen kann. Los geht es dann übernächste Woche, denn das, was ich nächste Woche machen will, erledige ich größtenteils in diesem Post schon.

Das Seminar gebe ich nicht, weil ich unglaublich viel über den rheinfränkischen Dialektraum weiß, sondern weil ich gerne unglaublich viel darüber wissen würde. Wird also auch für mich spannend. Ich denke, ich habe jetzt einen ganz guten Überblick für den Anfang. Was ich auch habe, ist eine viel zu lange Liste mit möglichen Themen, deshalb werde ich die Studierenden darüber abstimmen lassen, was sie besonders interessiert. Heute will ich euch diese Liste ganz kurz vorstellen. Weitere Ideen sind natürlich herzlich willkommen!

Rheinfränkisch; CC-BY-SA 3.0 Hans Erren (Wikipedia)

Zunächst einmal aber: Wo befinden wir uns eigentlich? Das Rheinfränkische ist ein Dialektgebiet des Westmitteldeutschen, Mainz liegt drin, allerdings ist man sich sonst nicht ganz einig, was alles dazugehört. Die klassische Einteilung (Beispiele bei der Wikipedia, im dtv-Atlas Deutsche Sprache) setzt einen breiten Streifen von Saarbrücken bis Kassel an, die Unterteilung von Wiesinger nimmt hingegen das Hessische (d.h. das dunkellila Gebiet auf der Karte rechts) weitgehend aus. Was wir uns im Seminar dann letztlich anschauen werden, hängt von den einzelnen Phänomenen ab.

Die Einteilung der westmitteldeutschen Dialekte erfolgt meistens anhand des Durchführungsgrads der 2. Lautverschiebung. Unter der Überschrift Rheinischer Fächer findet ihr hier etwas dazu. Im Rheinfränkischen sagt man also, abweichend von der hochdeutschen (und süddeutschen) Lautung, Abl ‘Apfel’ und Pund ‘Pfund’, aber übereinstimmend damit das, Dorf und machen (statt der nördlicheren Varianten dat, Dorp, maken). Das ist ein Thema, das definitiv im Seminar drankommen wird. Ebenfalls schon sicher ist die Koronalisierung (ch wird zu sch), ein generell mitteldeutsches Phänomen, das ich im Schplock mal am Beispiel von Kirsche ‘Kirche’ besprochen habe und seither innig liebe. Hier gibt es auch ein paar Beispielkarten aus dem Atlas der deutschen Alltagssprache.

Die weiteren möglichen Themen liste ich euch jetzt auf, immer mit einem Beispielsatz, einer kurzen Erklärung und eventuell Links. Die Beispielsätze stammen, sofern nicht anders angegeben, aus “Kuddelmuddel ums Kupperdibbe”, dem Mainzerischen Asterixband: Den Rest des Beitrags lesen »


[Anglizismus des Jahres] Greift -gate um sich?

25. Januar 2012

Unter den Vorschlägen für den Anglizismus des Jahres 2011 gab es auch ein Wortteil von nicht so recht bestimmbarem Charakter, nämlich -gate. Das will ich mir heute genauer anschauen – parallel zu suz, die zeitgleich mit mir ihre Beobachtungen zum Thema postet.

Vorgeschlagen wurde es von Patrick Schulz, der letztes Jahr den Gewinner leaken nominiert hat, und zwar mit der folgenden Begründung:

Ich schlage dieses Jahr das Skandalisierungssufffix -gate zum AdJ vor. Es wird dazu benutzt, die semantische Denotation seines Kopfes (Also die Bedeutung dessen, an das es sich ranhängt) zu einem Skandal von nationaler Tragweite zu erklären oder auch zu verklären. Diese mitunter ironisierende Nebenbedeutung hebt es m.E. von bestehenden Äquivalenten ab.

Ganz aktuelle Beispiele sind u.a. padgate, Guttengate oder Jenagate.

Es geht dabei weniger darum, irgendwelche kurzlebigen Wörter, die auf -gate enden, für den AdJ2011 vorzuschlagen, sondern dieses gebundene und sie verbindende Morphem, welches an beliebige Kopflexeme angehängt werden darf um eine sozial- und/oder medienkritische Botschaft zu vermitteln. Es ist dabei im höchsten Maße produktiv, wie die eben erwähnten Beispiele zeigen. Noch dazu geht es mit einigen interessanten phonologischen Prozessen einher, so heist es etwa Guttengate, nicht aber *Guttenberggate o.ä..

Ich will in diesem Beitrag überprüfen, ob -gate wirklich so häufig neue Wortbildungen eingeht und falls ja, wozu sie dienen. Patrick vermutet ja einen ironischen Unterton, was ich nicht ganz von der Hand weisen will. Ob der aber nur durch den Äußerungskontext entsteht, oder wirklich schon dem Element anhaftet, bleibt zu klären. Den Rest des Beitrags lesen »


Jido Fister Filly

5. Juli 2011

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Ichi, ni, san …

22. März 2011

Eben habe ich in einem Zeit-Artikel gelesen:

Die zwei Atomanlagen in Fukushima-1 (Daiini) und -2 (Daiichi) wurden nach Angaben des Betreibers Tepco am Tag des Erdbebens vor gut einer Woche von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen.

Bei den Benennungen in Klammern, Daiini und Daiichi, liegt ein bißchen was im Argen. Zunächst mal hat das erste ein i zu viel abbekommen (richtig: Daini). Und dann sind die beiden Wörter vertauscht. Das kann man mit geringfügigen Japanischkenntnissen erschließen: Es reicht, bis zwei zählen zu können. In Daini steckt ni ‘zwei’, in Daiichi steckt ichi ‘eins’.

Und das dai? Den Rest des Beitrags lesen »


[Lesetipp] Mobile Gesellschaft? Ach was!

18. Februar 2011

Nachdem meine Beiträge zur Familiennamengeografie recht interessiert aufgenommen wurden, finden vielleicht einige von euch auch diesen Artikel aus der FAZ lesenswert (gedruckt erschienen letzten Sonntag in der FAS). Es geht um das Projekt Deutscher Familiennamenatlas, das ich schon erwähnt habe, mit vielen bunten Karten (die in der Druckausgabe größer sind als im Atlas selbst!) und einigen spannenden Details im Text.


Sprachkontakt im Deutschen? *gähn*

1. Februar 2011

So, der Anglizismus des Jahres 2010 ist gekürt und heute geleakt worden. Das möchte ich zum Anlass nehmen, ein bißchen über Sprachkontakt nachzudenken und zu zeigen, welche Formen und Intensitätsgrade es dabei geben kann. Um es schon mal vorwegzunehmen: Das Deutsche kann beim Kontakt eigentlich einpacken. Wirklich viel haben wir nicht zu bieten.

Kulturkontakt bringt Sprachkontakt

Sprachkontakt ist eine natürliche Begleiterscheinung von Kulturkontakt und je intensiver dieser Kulturkontakt, desto intensiver können sich auch die beteiligten Sprachen beeinflussen. Diese Kontaktsituation ist meist irgendwie asymmetrisch, das heißt eine der Sprachen hat mehr Prestige, wird von mehr Menschen gesprochen, wird von den Menschen mit den gefährlicheren Waffen gesprochen o.ä. – da gibt es einen ganzen Haufen mehr oder weniger voneinander abhängiger Faktoren. Und damit auch eine Warnung vorweg: Sprachkontakt ist weitaus komplexer, als ich ihn hier darstelle, es gibt eine Vielzahl von Kontaktszenarien mit den wildesten Resultaten.

Änderungswillig: Wort- und Namenschatz

Es lässt sich grob sagen, dass eine Sprache Teilbereiche hat, die aufnahmebereiter für Neuerungen sind und welche, die sich stärker sträuben. Einer dieser sehr aufnahmebereiten Teile ist der Wortschatz (das “Lexikon”). Hat eine anderssprachige Kultur ein nützliches Ding, das man selbst nicht besitzt, dann will man nicht nur das Ding haben, nein, man will es auch benennen können. Dazu gibt es einige Strategien, die sich in lexikalische und semantische Entlehnungen teilen lassen. Den Rest des Beitrags lesen »


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