Blogspektrogramm (16)

17. August 2012

Mit leichter Verspätung, aber noch pünktlich zum Wochenende, das man ja bekanntermaßen lesend vorm Rechner verbringen sollte, kommt heute das Blogspektrogramm Nr. 16 mit den besten sprachwissenschaftlichen Blogeinträgen aus dem Juli (und einem revolutionären Vorschlag zur Sprachreform am Ende). Den Rest des Beitrags lesen »


Blogspektrogramm (12)

21. April 2012

Jaaa, schon wieder ein Blogspektrogramm im Schplock! Und zwar die Nummer 12. Ein ganzes Jahr voller Spektrogramme liegt jetzt also hinter uns, im Mai 2011 hat alles bei Anatol Stefanowitsch angefangen.

Derselbe schickt für den März seine Analyse Den Rest des Beitrags lesen »


[Buchtipp] Heike Wiese: Kiezdeutsch. Ein neuer Dialekt entsteht

27. März 2012

Heute will ich euch  Heike Wieses »Kiezdeutsch. Ein neuer Dialekt entsteht« empfehlen. Viele von euch werden in den letzten Wochen in den Medien etwas zum Thema aufgeschnappt haben – im Rahmen der Buchpublikation wurde Frau Wiese oft interviewt und rezensiert. Sie forscht und schreibt  nämlich über ein Thema, bei dem die Emotionen hochkochen und manchen beim Geifern der Schaum aus dem Mund schlägt: Über eine sprachliche Varietät, die sie Kiezdeutsch nennt.

Kiezdeutsch ist eine Jugendsprache, die sich in multiethnischen Wohnvierteln besonders in Berlin, also z.B. Kreuzberg und Neukölln, herausgebildet hat. Von anderen Jugendsprachen unterscheidet sie sich dadurch, dass sehr viele der SprecherInnen zwei- oder mehrsprachig aufwachsen – aber nicht alle: Den Rest des Beitrags lesen »


[Anglizismus des Jahres] Emanzipiert sich das Tablet?

30. Januar 2012

Heute also das Tablet. Ein flacher, tastaturloser Computer von umstrittenem Nutzen und auf jeden Fall ein Wort, das mir für eine Analyse auf den ersten Blick ähnlich unattraktiv erschien wie die letztjährige App: Vor meinem inneren Auge türmten sich Berge von trockener Technikberichterstattung und Werbegefasel, ganz vorne mit dabei die Firma Apple. Aber, coole Sache: So schlimm war’s gar nicht bzw. man konnte sehr schnell drüberscannen. Und meine Recherche liefert sogar richtig schöne Ergebnisse, schaut mal:

(Suche in Nürnberger Nachrichten, Mannheimer Morgen, Hamburger Morgenpost, Braunschweiger Zeitung, per Cosmas II web; absolute Zahlen)

Das war eine Korpusrecherche in den vier Zeitungen, die ich auch für -gate genutzt habe.1 Den Rest des Beitrags lesen »


[Anglizismus des Jahres] Greift -gate um sich?

25. Januar 2012

Unter den Vorschlägen für den Anglizismus des Jahres 2011 gab es auch ein Wortteil von nicht so recht bestimmbarem Charakter, nämlich -gate. Das will ich mir heute genauer anschauen – parallel zu suz, die zeitgleich mit mir ihre Beobachtungen zum Thema postet.

Vorgeschlagen wurde es von Patrick Schulz, der letztes Jahr den Gewinner leaken nominiert hat, und zwar mit der folgenden Begründung:

Ich schlage dieses Jahr das Skandalisierungssufffix -gate zum AdJ vor. Es wird dazu benutzt, die semantische Denotation seines Kopfes (Also die Bedeutung dessen, an das es sich ranhängt) zu einem Skandal von nationaler Tragweite zu erklären oder auch zu verklären. Diese mitunter ironisierende Nebenbedeutung hebt es m.E. von bestehenden Äquivalenten ab.

Ganz aktuelle Beispiele sind u.a. padgate, Guttengate oder Jenagate.

Es geht dabei weniger darum, irgendwelche kurzlebigen Wörter, die auf -gate enden, für den AdJ2011 vorzuschlagen, sondern dieses gebundene und sie verbindende Morphem, welches an beliebige Kopflexeme angehängt werden darf um eine sozial- und/oder medienkritische Botschaft zu vermitteln. Es ist dabei im höchsten Maße produktiv, wie die eben erwähnten Beispiele zeigen. Noch dazu geht es mit einigen interessanten phonologischen Prozessen einher, so heist es etwa Guttengate, nicht aber *Guttenberggate o.ä..

Ich will in diesem Beitrag überprüfen, ob -gate wirklich so häufig neue Wortbildungen eingeht und falls ja, wozu sie dienen. Patrick vermutet ja einen ironischen Unterton, was ich nicht ganz von der Hand weisen will. Ob der aber nur durch den Äußerungskontext entsteht, oder wirklich schon dem Element anhaftet, bleibt zu klären. Den Rest des Beitrags lesen »


Was macht eigentlich … leaken?

19. Dezember 2011

Die Nominierungsphase für den Anglizismus des Jahres 2011 läuft (noch bis zum 31.12.!) – eine schöne Gelegenheit, mal besinnlich zu werden und nachzuschauen, wie es dem Gewinner von letztem Jahr ergangen ist: leaken. Es gab damals zwei recht ausführliche Analysen von suz und mir, denen aber für 2010 die Daten fehlten: Das Wort trat ja erst im Herbst so richtig ans Licht der breiten Öffentlichkeit, und das DeReKo (eine enorm große Sammlung von Zeitungstexten, zugänglich via Cosmas II) umfasste damals nur die erste Jahreshälfte. Mittlerweile sind die Daten da und ich hab mal reingeschaut, allerdings mit ernüchterndem Ergebnis: Das Verb leaken tritt 2010 grade mal zweimal auf, inklusive einer scherzhaften Verwendung:

  • Ulmen schlüpft in die Rolle seiner Kunstfigur Uwe Wöllner und erklärt aktuelle Begriffe wie „Leaking“ („Wenn ich niese, zum Beispiel, leake ich meine Erkältung“). (Mannheimer Morgen, 13.12.2010, S. 28)
  • Wiki leakt weiter. Die «Rundschau» reist nach Island zu Mitstreitern von Julian Assange. (St. Galler Tagblatt, 15.12.2010, S. 12)

Im Jahr 2011 (erste Jahreshälfte) dann bisher drei Treffer, einer scherzhaft:

  • Leaken, das heisst etwas vor der Veröffentlichung verbreiten, sei «grundsätzlich ein anarchistischer Akt». (St. Galler Tagblatt, 28.01.2011, S. 9)
  • Merke: „Ein kleiner Wiki leakt in jedem von uns!“ (Nürnberger Nachrichten, 03.03.2011, S. 8)
  • Wohin der Weg eines transparenteren Staates führen könnte, zeigte eine Äußerung des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar: „Wenn Möglichkeiten zur Freigabe von Daten erleichtert werden, mindert das den Druck, Daten zu leaken.“ (Rhein-Zeitung, 18.04.2011, S. 32)

Für die Vorjahre sieht das immerhin noch schlechter aus, wie ich in meinem letztjährigen Artikel schon erwähnt habe (2005 gibt es drei Verwendungen für Computerspiele/Musik, die aus der Wikipedia stammen, das war’s), aber Tendenzen kann man daraus nun wirklich keine ableiten.

In meiner Datennot habe ich auf GoogleNews zurückgegriffen. Das ist aus mehreren Gründen keine besonders gute Idee, darunter z.B.:

  •  Man hat keine Ahnung, wieviele Textwörter insgesamt durchsucht werden. Da das von Jahr zu Jahr variieren kann, könnte die relative Vorkommenshäufigkeit eine ganz andere sein, als die absolute nahelegt. Wenn man davon ausgeht, dass die Textzahl jedes Jahr steigt, dann ist auch der Anstieg von leaken nicht mehr so ungewöhnlich.
  • Die Datierung ist unzuverlässig. Der Treffer, den ich für 2002 hatte, bezieht sich z.B. anachronistischerweise auf Wikileaks und stammt dann auch in Wirklichkeit von 2010. Wer weiß, wie viel da sonst noch im Argen liegt.

Nichtsdestotrotz habe ich die Suche unternommen, und zwar mit der Suchanfrage

“leaken” OR “leake” OR “leakst” OR “leakt” OR “leakte” OR “leaktest” OR “leaktet” OR “leakten” OR “geleakt” OR “geleakte” OR “geleakten” OR “geleakter” OR “geleaktes” OR “geleaktem”

Die sollte so ziemlich alle erwartbaren verbalen und adjektivischen Vorkommen abdecken. Für die letzten zehn Jahre findet man dann die folgenden Ergebnisse in absoluten Zahlen (von mir bereinigt):


Einen Anstieg kann man daraus, wie bereits bemerkt, nicht ableiten, aber man kann sich das Verhältnis der verschiedenen Anwendungsbereiche zueinander anschauen. Die Einteilung ist recht grob, weil ich bei Filmen, Musik und Technik nicht sauber aussortiert habe, wann es sich um ein geleaktes Produkt handelte und wann um Informationen dazu (sind auch teilweise im roten Balken gelandet, aber nicht so furchtbar systematisch) – wenn jemand Zeit hat … Momentan sieht es so aus, als sei prozentual nur die Film-Musik-Technik-Bedeutung etwas gestiegen (2010 56%, 2011 65%) und die Übertragung auf die Informationsbedeutung ließe noch auf sich warten (falls sie jemals so richtig kommt; 2010 25%, 2011 24%). Vielleicht tut sich aber, wie gesagt, etwas im Überschneidungsbereich “Informationen zu Filmen, Musik, Technik”.

Ich fürchte, wir müssen in einem Jahr wieder nachschauen, wie es dem Leaken so geht.


Witwe vs. Witwerin

13. September 2011

Im Sprachlog geht es zur Zeit um die Form Witwerin (statt Witwe) und ihre möglichen Ursachen. (Kurzversion: Es handelt sich um eine Analogiebildung zu all den anderen abgeleiteten Formen auf -in, die an Personenbezeichnungen auf -er angehängt werden.)

In den Kommentaren kam die Frage auf, ob Witwe und Witwerin einmal gleichberechtigt nebeneinander existierten:

Waren damals die Witwerin ein glecihberechtigtes Synonym zur Witwe? Oder war Witwe immer das Grundwort und die Witwerin war immer eine zweifelhafte Nebenform. Wann und warum setzte sich die Witwe durch?

Nun haben wir leider keine perfekten historischen Korpora, aber ich glaube, dass das, was es so gibt, auch ein ganz gutes Bild vermittelt.1 Ich habe mal bei GoogleBooks alle deutschsprachigen Bücher nach Jahrhunderten getrennt durchsucht, beginnend mit dem 16. Jahrhundert. (Vorher sah es ja bekanntlich mau aus mit dem Buchdruck.)

Kaum einer mag die Witwerin

Die Ergebnisse zeigen recht deutlich, dass Witwerin immer nur eine (mit gutem Willen) Nebenform war: Den Rest des Beitrags lesen »


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