Sprachkontakt im Deutschen? *gähn*

1. Februar 2011

Dieser Artikel ist ins neue Sprachlog umgezogen und ab sofort hier zu finden!


Graf Zahl bei XKCD

9. Juli 2010

Der aktuelle XKCD mit Graf Zahl:

"Eins! Ah ah ah ... Zwei! Ah ah ah ... ... viele! Ah ah ah ... – Primitive Kulturen entwickeln Sesamstraße."

Es gibt tatsächlich Sprachen, in denen es nur sehr wenige Zahlwörter gibt, die sowas wie 1, 2 und ‘viele’ (alles ab 3) bedeuten. Ich würde das allerdings nicht “primitiv”, sondern extrem spannend nennen. WALS, der World Atlas of Language Structures, listet 20 Sprachen mit solchen eingeschränkten (“restricted”) Zahlensystemen auf: Den Rest des Beitrags lesen »


uMzantsi Afrika: Sprachen in Südafrika

11. Juni 2010

Ja, ne, Kristin versucht krampfhaft, der WM linguistische Aspekte abzugewinnen. Weniger von der Fußballseite (zu der es natürlich auch – teilweise weniger globale – Untersuchungen gibt) als vom Austragungsort her: Welche Sprachen werden in Südafrika eigentlich gesprochen?

Oh Gott, viel zu viele für einen Schplockbeitrag! (Ethnologue zählt 31.) Ich beschränke mich mal auf die elf offiziellen:

Afrikaans, Ndebele (auf der Karte isiNdebele), Nord-Sotho (Sesotho sa Leboa), Süd-Sotho (Sesotho), Swati (siSwati), Tsonga (Xitsonga), Tswana (Setswana), Venda (Tshivenda), Xhosa (isiXhosa), Zulu (isiZulu) und Englisch.

Alle außer Afrikaans & Englisch gehören zu den sogenannten Bantusprachen (von denen ich Xhosa schon einmal wegen seiner Klicklaute erwähnt habe!).

Offizielle Sprachen Südafrikas in ihren dominanten Regionen - Quelle: Wikipedia (Htonl),

Wahrscheinlich ist den meisten von euch gleich aufgefallen, dass die Bantusprachen zwei sehr ähnliche Bezeichnungen haben – je eine davon besitzt einen Zusatz am Anfang: isiNdebele, Sesotho sa Leboa, Sesotho, siSwati, Xitsonga, Setswana, Tshivenda, isiXhosa, isiZulu.

Das ist kein Zufall, sondern liegt in einer gemeinsamen grammatischen Besonderheit begründet. Den Rest des Beitrags lesen »


Bibliothek, Könyvtár, पुस्तकालय

28. August 2009

Im Eingangsbereich der Bereichsbibliothek Philosophicum in Mainz hat man versucht, thematische Gestaltungselemente einzubringen. Das Ergebnis strahlt nicht gerade vor Originalität, aber es sieht ganz gut aus und gibt Schplockstoff her:

Bereichsbibliothek

2009-08-BB

Jedes Mal, wenn ich vorbeikomme, frage ich mich, wie viele verschiedene Sprachen da wirklich drauf sind. Ganz offensichtlich wiederholen sich die Wörter ja nach einer Weile. Jetzt hab ich’s endlich mal fotografiert und zuhause in Ruhe nachgezählt: Ich sehe 37. Viele sind natürlich langweilig, weil sie einfach nur Variationen des griechischen Wortes sind, aber dazwischen steckt immer noch genug Interessantes. Gerade die Sprachen mit den “fremden” Schriftsystemen werden übrigens zu einem großen Teil nicht im Philosophicum gelehrt, sondern anderswo auf dem Campus (wenn überhaupt). Ich schätze mal, man hat sie hauptsächlich aus optischen Gründen ausgewählt.

Im Folgenden eine Liste aller verschiedenen Wörter, die ich gefunden habe. Vielleicht habt Ihr ja Lust, beim Identifizieren mitzuhelfen?

Den Rest des Beitrags lesen »


Inklusive aller Personen – ein bißchen Terminologie

16. August 2009

Wahrscheinlich weiß jeder von Euch, dass man bei der Konjugation eines Verbs die “Personen” berücksichtigen muss. Da gibt es eine 1. Person Singular (ich), eine 2. (du), eine 3. (er/sie/es), und dann gibt’s die alle auch noch einmal im Plural (1. wir, 2. ihr, 3. sie). Woran liegt es aber, dass es zweimal bis drei geht? Warum sagt man nicht einfach 1., 2., 3., 4., 5. und 6. Person, und gut ist?

Das Prinzip ist sehr einfach, aber in meinem Leben vor der Uni war’s mir nicht wirklich klar – vielleicht ist es also auch für jemanden von Euch noch erhellend.

Das Konzept der “Person” benutzen wir, um das Verhältnis von Sprecherin und “Besprochenem” zu beschreiben. Sie kommt im Satz als Personalpronomen (ich, du, sie) oder Nominalgruppe (der müde Mann) vor. Und im Deutschen richten sich die Verben nach der Person des Subjekts, daher sind die Personen auch für die Konjugation relevant.

Wenn man sie sich gut anschaut, haben die beiden 1. Personen (Singular und Plural) etwas gemeinsam, genauso die 2. und die 3.

2009-08-16-Personen

Singular

Das sind die drei Personen im Singular.

  • 1. Person: Die Sprecherin meint sich selbst – Ich schreibe grade einen Blogeintrag.
  • 2. Person: Die Sprecherin meint den Hörer – Du könntest mir auch mal helfen!
  • 3. Person: Die Sprecherin meint jemand anders, der nicht am Gespräch beteiligt ist – Er geht mir ja sowas von auf die Nerven!

Im Plural ist es ähnlich – bei der 1. Person ist immer die Sprecherin dabei, bei der 2. immer der Hörer, und bei der 3. irgendwelche anderen Leute, die nicht am Gespräch beteiligt sind:

1. Person Plural

Die Sprecherin meint sich selbst und diejenigen, die zu ihrer Gruppe gehören – Wir gehen nachher noch was trinken.

Allerdings ist das Deutsche da nicht ganz so präzise wie manch andere Sprache. Es bleibt nämlich offen, was das genau für Leute sind, die zur Wir-Gruppe gehören. Da gibt es zwei Möglichkeiten:

a) Ich spreche für mich und mindestens eine weitere Person, meine aber meinen Gesprächspartner nicht mit. Das ist die “exklusive” Bedeutung. Das grüne Männchen darf nicht mit in die Kneipe kommen:

1. Person Plural (exklusiv)

1. Person Plural (exklusiv)

b) Mein Gesprächspartner ist auch Teil meiner Gruppe, er ist in das Wir eingeschlossen. Das ist die “inklusive” Bedeutung. Das grüne Männchen kommt auch mit in die Kneipe:

1. Person Plural (inklusiv)

1. Person Plural (inklusiv)

Diese Unterscheidung muss man im Deutschen durch den Kontext treffen, was nicht immer gelingt. Andere Sprachen haben verschiedene Pronomen für ein exklusives und ein inklusives Wir. Hier die entsprechenden Wörter in Motu, einer ozeanischen Sprache Papua Neuguineas:

  • 1. Person Singular: lau ‘ich’
  • 1. Person Plural inklusiv: ita ‘ich und du (und evtl. Dritte)’
  • 1. Person Plural exklusiv: ai ‘ich und Dritte (ätschbätsch, du nicht!)

2. Person Plural

Die Sprecherin meint den Hörer und die Leute, die zu seiner Gruppe gehören. Das kann auch wieder auf zwei Arten geschehen, allerdings ist der Unterschied nicht so gravierend:

a) Die Sprecherin spricht nur eine Person aus der Gruppe an (z.B. weil die anderen nicht anwesend sind, oder eine andere Sprache sprechen, oder weil sie unhöflich ist …), es gibt also nur einen Hörer.

b) Die Sprecherin spricht alle Personen aus der Gruppe gleichzeitig an, es gibt also mehrere Hörer.

2. Person Plural

2. Person Plural

3. Person Plural

Bei der dritten Person Plural sind Leute gemeint, die nicht am Gespräch beteiligt sind. Im Gegensatz zum Singular jetzt eben mindestens zwei.

3. Person Plural

3. Person Plural

Hier müssen aber nicht unbedingt Menschen (oder Tiere) gemeint sein, die Gemeinten reden ja eh nicht mit. Es kann also auch um Dinge oder abstrakte Konzepte gehen.

2009-08-16-sie-dinge

3. Person Plural

Die 1. Person umfasst also immer die Sprecherin, die 2. immer den Hörer und die 3. unbeteiligte Personen oder Dinge. Im Singular immer nur eine Entität, im Plural mindestens zwei. (Und natürlich ist die Mindestzahl für den Plural in Sprachen, die den Dual haben, drei.)


[Filmtipp] The Linguists

27. April 2009

Ich habe ja schon mal ein Interview mit David Harrison verlinkt, der bedrohte Sprachen erforscht. Über ihn und seinen Kollegen Gregory Anderson (der furchtbar viel lacht) gibt es einen Dokumentarfilm namens The Linguists. Es geht darin vor allem darum, wie die beiden die Sprecher der aussterbenden Sprachen finden und mit ihnen interagieren – in Sibirien, Bolivien, Indien und den USA. Das Language Log hat darauf hingewiesen, dass man den Film jetzt (“nur für kurze Zeit”) online gucken kann, was ich natürlich gleich getan habe. Dagegen ist meine geplante Feldforschung mit den Alemannen sehr unexotisch …

2009-04-27-thelinguists

Zum Anschauen einfach auf das Bild klicken oder, falls es nicht klappt, den Film auf babelgum.com heraussuchen. Bei mir lief er nur im Internet Explorer.


Wejnachten bei der Sprachfamilie

23. Dezember 2008

André, einer der treuen Leizpiger StuTS-Besucher, hat uns in Münster mit einem wunderbaren Sketch unterhalten, den Ihr, wenn Ihr ihn schon nicht hören könnt, einfach lesen müsst:

André: Griechisch noch ein Stück Kuchen?
Lennart: Von dem Mandarin-Kuchen hier?
André: Nee, dänisch, lieber die Sakha-Torte.
Lennart: So… bitteschön. Reicht das, oder darf’s noch ewenkisch mehr sein?
André: Nee nee, das ist ginukh.
Johannes: Aber ich will auch noch was. Estnisch alles auf!

-> und hier geht es dann weiter!


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 32 Followern an