Werbehefter für Motogrossrennen

Neues aus Schuttertal … nachdem wir alles über am Pascal seine Mutter wissen, geht es heute um Frau Schwab und das, was sie so macht:

Nämlich Werbehefter.

Im Hochdeutschen gibt es zwar das Wort der Hefter (Plural: die Hefter), das eine Mappe zum Einheften bezeichnet (oder gelegentlich einen Tacker). Wahrscheinlich wurde es aus dem Verbstamm von heften und der Endung –er gebildet, so wie Bohrer aus bohren+er, Stecker aus stecken+er, und so weiter.

Dieses Wort ist hier aber nicht gemeint, es geht vielmehr um Prospekte, also Werbehefte. Der Plural auf –er bei diesem Wort ist eine dialektale Eigenheit: KindKinder, LiedLieder, GliedGlieder, … im Hochdeutschen gibt es eine ganze Gruppe von Wörtern mit Plural auf –er.

In Dialekten gibt es zwar meist dieselben (oder sehr ähnliche) Arten der Pluralbildung, aber es müssen nicht unbedingt dieselben Wörter in diese Gruppen gehören. Im Schuttertal gehört HeftHefter ganz regulär zur Gruppe mit –er-Plural, während es im Hochdeutschen zur Gruppe mit –e-Plural gehört (wie Beete, Stifte, Wege, …). Auch mit dabei: StickSticker ‘Stücke’.1

Gut möglich, dass die Verwendung von Hefter als Plural von Heft noch zusätzlich durch das vorhandene hochdeutsche Wort Hefter gestärkt wird, das ja auch eine sehr ähnliche Bedeutung hat.

[23.4.09: Zu diesem Beitrag gibt es eine Ergänzung.]

Fußnote:
1Auch im elsässischen Wörterbuch findet sich hier der –er-Plural: Stück.

Advertisements

4 Antworten zu Werbehefter für Motogrossrennen

  1. VEB wortfeile sagt:

    liebe kristin,

    ich finde deine herleitung des fehlers für die verwendung von werbehefte(r) schon relativ einleuchtend, vermute aber, dass pascal noch jünger als zehn jahre alt ist, richtig? mir scheint deine letzte erklärung deswegen sehr einleuchtend. meine nichte hat in diesem alter auch noch sehr schöne wortkreationen geschaffen: essladen statt restaurant. das kann sie unmöglich aus dem sprachgebrauch von erwachsenen übernommen haben. ich denke, dass in diesem alter die feinheiten der sprache erst entdeckt und entwickelt werden. und die größe von werbeheften entspricht auch eher der von heftern (naja…).

    und wie ist es mit dem herrlichen rechtschreibfehler motogrossrennen? wird das lautklangliche ‚k‘ – bzw. hier ja eigentlich ‚c‘ – dort eher wie ‚g‘ gesprochen? oder macht ‚knuspriges rennen‘ (kross) einfach weniger sinn? kindliche logik?

    gute grüße von
    VEB Wortfeile

    • Kristin sagt:

      Liebe Wortfeile,

      natürlich kann es auch einfach ein gedankliche Gleichsetzung von Heft und Hefter sein, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das durch Dialekttransferenz erfolgt ist, halte ich für ziemlich hoch. Vielleicht unterscheidet das Kind tatsächlich nicht und sagt auch im Singular zu beidem Hefter oder Heft. Ich will das nicht ausschließen.
      Ich habe auch versucht herauszufinden, woher Heft eigentlich kommt. Kluges etymologisches Wörterbuch führt die Bildung ins 16. Jahrhundert zurück und sagt, sie sei aus heften entstanden (so wie Kauf aus kaufen), Grimms Deutsches Wörterbuch setzt einen Bedeutungswandel von ahd. hefti an, das etwas bezeichnet, das man hält oder greift (wie das Heft eines Schwertes).
      Auf jeden Fall ist weit und breit kein –er-Plural in Sicht, der -e-Plural scheint die „normale“ Entwicklung zu sein.
      Zu welchem Zeitpunkt der Dialekt also den –er-Plural angenommen hat, ist unklar. Vielleicht ist es eine relativ neue Erscheinung, vielleicht ist sie auch schon uralt. Ich werde bei Gelegenheit mal einen Blick in ein badisches Wörterbuch werfen, mal sehen ob das etwas hergibt.

      Okay, zu anderen Dingen: Ich denke das geschriebene „g“ entspricht tatsächlich der lokalen Aussprache (eher sogar noch modogross). Mein Sprachgefühl hat mich da allerdings grade verlassen (zu viel hochdeutscher Einfluss).

      Auf jeden Fall vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Kristin.

  2. Lietuvis sagt:

    Im (Hoch-)Deutschen wird die Unterscheidung stimmhaft/stimmlos am Wortlaut ja primär durch den Gegensatz nicht aspiriert/aspiriert ausgedrückt.

    Genau kann ich das landschaftlich nicht einordnen, aber viele Leute aus etwas südlicheren Gefilden aspirieren aber auch nicht bei anlautendem Okklusiv + Liquid (also kr, pr, pl etc.), so dass ich als norddeutscher Hörer den Unterschied nicht raushören kann und sich auf „kräftig“ oder „plus“ für mich wie „gräftig“ und „blus“ anhört.

    Und wenn man noch weiter nach Süden geht, fällt die Aspiration ganz, da bekommt an dann solche netten Verschreibungen wie „Gäfig“ (für Käfig“) und „Dexde“ (sic, für „Texte“).

    Das scheint dann auch hier passiert zu sein.

    • Kristin sagt:

      Ich würde es einfach Lenisierung zu nennen, in Clustern wird meines Wissens auch im Hochdeutschen nicht aspiriert (kann aber auch sein, dass ich es durcheinanderbringe und es nur in st/sp-Clustern so war), der Kontast ist Fortes/Lenes. Allerdings bin ich leider nicht Badischmuttersprachlerin genug um beurteilen zu können, ob’s wirklich immer in /kr/-Clustern passiert. Ich habe mir zuerst eingebildet, dass Kriäg ‚Krieg‘ anders ausgesprochen würde als Gruscht ‚Kram‘, dann hab ich’s mir ein paarmal mit [g] vorgesprochen und es klang gar nicht so schlecht, und jetzt bin ich restlos verwirrt. Es wird Zeit, mal wieder mit meinen Eltern zu telefonieren.

      Lenisierung ist auf jeden Fall weitverbreitet (ich wähle absichtlich nichtnative Wörter): Schbaß ‚Spaß‘, Indernet ‚Internet‘, Audo ‚Auto‘, Agwis ‚Akquise‘, Glo ‚Klo‘.