[Surftipp] Jenseits von ASCII

20. April 2009

Mal wieder ein Link, während ich noch auf eine Mail warte, die Informationen für den nächsten inhaltlichen Beitrag liefern soll. Über Strange Maps gefunden: Eine Karte mit einer Übersicht über Sonderzeichen in den Zeichensätzen europäischer Sprachen:

2009-04-20-ascii

Die Größe der Länder orientiert sich an der Zahl der über Ascii hinausgehenden Zeichen einer Sprache, ein beliebtes Prinzip. Ein Wort der Warnung: Dass ein ungewöhnliches Zeichen sich im Zeichensatz befindet, heißt noch lange nicht, dass es in der entsprechenden Sprache ununterbrochen in Verwendung ist.

Man kann sich die Karte als Pdf herunterladen oder sogar als Poster zuschicken lassen.

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Willkürlich herausgepickt will ich ein bißchen was zum Niederländischen sagen: Es hat sämtliche Vokale mit zwei Punkten drüber. Das sind aber nicht, wie im Deutschen für <ä, ö, ü>, Umlautzeichen, d.h. man spricht sie nicht anders aus als <a, o, u>. Die Punkte dienen vielmehr dazu, die Wortstruktur anzuzeigen und heißen Trema.

Die niederländische Wikipedia zum Trema:

Het trema of deelteken is een spellingsteken dat bestaat uit twee puntjes die boven een klinkerteken worden gezet. Het trema geeft aan dat de ermee gemarkeerde klinker het begin is van een nieuwe lettergreep en dus niet moet worden gelezen als zou hij samen met de er aan voorafgaande letter(s) een klank weergeven, zoals in knieën.

[Meine eilige Übersetzung: Das Trema oder der Trennpunkt ist ein Schriftzeichen, das aus zwei Punkten besetzt, die über Vokalzeichen gesetzt werden. Das Trema zeigt an, dass der damit markierte Vokal den Anfang einer neuen Silbe darstellt und somit nicht so gelesen werden darf, als würde er gemeinsam mit dem/den vorangehenden Buchstaben einen Laut wiedergeben, wie in knieën ‘Knie (Plural)’.]

Ein Wort wie niederländisch knie ‘Knie’ (gesprochen fast wie im Deutschen) wird im Plural also in die Silben knie-ën geteilt. (Im Deutschen sagen wir ja einmal “kni” und einmal “kni-je”, schreiben es aber beide Male gleich.) Beispiele für das Trema (aus dem Wikipediaeintrag):

  • <ä> tetraëder ‘Tetraeder’
  • <ë> conciërge ‘HausmeisterIn’
  • <ï> egoïsme ‘Egoismus’
  • <ö> coördinatie ‘Koordination’
  • <ü> reünie ‘Treffen’

Die so markierten Buchstaben werden also genauso gesprochen wie ihre punktlosen Kollegen, die Punkte dienen nur der Silbentrennung.

Fälle, in denen die beiden Punkte wirklich einen Umlaut darstellen und somit einen andersklingenden Laut bezeichnen, gibt es zwar auch, aber nur sehr wenige, nämlich Fremdwörter aus dem Deutschen, wie:

  • <ä> salonfähig, einzelgänger
  • <ö> fremdkörper
  • <ü> glühwein, überhaupt

Im Deutschen hingegen gibt es Tremata (d.h. in ihrer Nicht-Umlaut-Funktion) nur bei Eigennamen (i.d.R. aus anderen Sprachen) wie Citroën aus dem Französischen. Tremata auf <a, o, u> gibt es meines Wissens keine, es besteht also keine Verwechslungsgefahr.


[Surftipp] Müller, Meier, Hassdenteufel

17. April 2009

“Müller, Meier, Hassdenteufel – Was unsere Namen verraten” ist ein Radiobeitrag über Familiennamen, gemacht von Studierenden des journalistischen Seminars der Uni Mainz. Gesendet wurde er zwar schon im Januar, aber die Inhalte sind auch im Internet abrufbar. Interviewt wurden vor allem die Mitarbeiterinnen des DFG-Projekts Deutscher Familiennamenatlas, und wenn man noch nichts über Namenkunde weiß, ist das auf jeden Fall sehr spannend. Alle Beiträge können hier gehört und geschaut werden:

2009-04-17-hassdenteufel


Werbehefter für Motogrossrennen

15. April 2009

Neues aus Schuttertal … nachdem wir alles über am Pascal seine Mutter wissen, geht es heute um Frau Schwab und das, was sie so macht:

Nämlich Werbehefter.

Im Hochdeutschen gibt es zwar das Wort der Hefter (Plural: die Hefter), das eine Mappe zum Einheften bezeichnet (oder gelegentlich einen Tacker). Wahrscheinlich wurde es aus dem Verbstamm von heften und der Endung –er gebildet, so wie Bohrer aus bohren+er, Stecker aus stecken+er, und so weiter.

Dieses Wort ist hier aber nicht gemeint, es geht vielmehr um Prospekte, also Werbehefte. Der Plural auf –er bei diesem Wort ist eine dialektale Eigenheit: KindKinder, LiedLieder, GliedGlieder, … im Hochdeutschen gibt es eine ganze Gruppe von Wörtern mit Plural auf –er.

In Dialekten gibt es zwar meist dieselben (oder sehr ähnliche) Arten der Pluralbildung, aber es müssen nicht unbedingt dieselben Wörter in diese Gruppen gehören. Im Schuttertal gehört HeftHefter ganz regulär zur Gruppe mit –er-Plural, während es im Hochdeutschen zur Gruppe mit –e-Plural gehört (wie Beete, Stifte, Wege, …). Auch mit dabei: StickSticker ‘Stücke’.1

Gut möglich, dass die Verwendung von Hefter als Plural von Heft noch zusätzlich durch das vorhandene hochdeutsche Wort Hefter gestärkt wird, das ja auch eine sehr ähnliche Bedeutung hat.

[23.4.09: Zu diesem Beitrag gibt es eine Ergänzung.]

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[Ostern] Ostern

12. April 2009

Ostern ist nicht nur etymologisch interessant, sondern auch vom Wortmaterial her: Es gab einmal einen Singular, die Oster, heute ist aber nur noch der Plural Ostern gebräuchlich. Den man gelegentlich auch wieder als Singular verwenden kann: das Ostern.

Ostern 1987 - noch kein Interesse an Etymologien

Ostern 1987 – noch kein Interesse an Etymologien

Woher das Wort kommt, ist nicht so eindeutig. Es ist auf jeden Fall verwandt mit Osten als dem Ursprung der Sonne und bezieht sich wahrscheinlich auf eine vorchristliche Gottheit der Morgenröte, auf jeden Fall aber auf das Längerwerden der Tage und den Frühling. Morgenröte, Auferstehung, der Weg war nicht weit und die Übertragung auf das christliche Fest schnell erledigt. Im Althochdeutschen hieß das Fest ôst(a)râ, im Mittelhochdeutschen ôster. Der Monat April hieß übrigens früher einmal ôstermânôth, angeblich so benannt durch Karl den Großen. (Zu den Monatsnamen auch: Wunderland Deutsch.)

Die europäischen Sprachen sind, was Ostern angeht, nicht so variantenreich:

  • Das Englische hält es mit dem Deutschen (Easter).
  • Die meisten Sprachen haben aus dem Hebräischen/Aramäischen entlehnt (ich zitiere keine Urform, da ich keine zuverlässige Quelle habe), und zwar die Bezeichnung des jüdischen Pessach-Festes, mit dem Ostern nicht von ungefähr zeitlich und kausal in Bezug steht: Dänisch (Påske), Spanisch (Pascua), Finnisch (Pääsiäinen), Französisch (Pâques), Italienisch (Pasqua), Niederländisch (Pasen), Norwegisch (Påske), Rumänisch (Paşti), Russisch (Пасха), Schwedisch (Påsk)
  • Ungarisch (Húsvét): hús heißt auf jeden Fall ‘Fleisch’, die Zusammensetzung wahrscheinlich ‘Fleisch nehmen/kaufen’, aber die Bedeutung stammt nur aus dem Internet, also wer weiß. Wäre aber logisch, die Fastenzeit ist da nämlich vorbei.
  • Mit Bezug auf die Nacht, wie an Weihnachten auch, gibt es ‘große Nacht’ im Polnischen (Wielkanoc) und Tschechischen (Velikonoce). Im Lettischen (Lieldienas) ist hingegen der Tag groß.

Hier gibt es übrigens eine ganze Sammlung von Osterbezeichnungen in verschiedenen Sprachen.


[Ostern] Karfreitag

10. April 2009

Hier haben wir doch noch einen Tag, der den Kummer ausdrückt, mit dem es am Gründonnerstag nichts wurde. Kar– geht auf althochdeutsch kara ‘Kummer, Sorge’ zurück (übrigens verwandt mit dem englischen care). Ein Blick in Grimms Wörterbuch zeigt aber, dass das Wort Kartag ursprünglich nicht allgemein einen traurigen Tag bezeichnete, sondern einen ganz bestimmten traurigen Tag: den “tag an welchem ein verstorbener unter klaggeschrei beerdigt und dann das leichenmahl gehalten wird” (DWB). Im Zimbrischen, einer deutschen Sprachinsel in Italien, hat es diese Bedeutung noch heute.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Der Karfreitag ist also einfach der Tag, an dem Jesus dem christlichen Glauben nach starb und prompt beerdigt wurde. Im Mittelhochdeutschen hieß der Tag karvrîtac oder schlicht kartac.

Auch heute habe ich mich ein bißchen im restlichen Europa umgesehen:

  • ‘heiliger Freitag’: Spanisch (Viernes Santo), Französisch (Vendredi saint), Italienisch (Venerdì Santo)
  • ‘guter Freitag’: Niederländisch (Goede Vrijdag), Englisch (Good Friday) – Zumindest im Englischen kommt es von der ursprünglichen Bedeutung ‘heilig’.
  • ‘großer Freitag’: Russisch (Великая пятница), Tschechisch (Velký pátek), Polnisch (Wielki Piątek), Ungarisch (Nagypéntek), Estnisch (Suur reede), Rumänisch (Vinerea Mare)
  • ‘Leidensfreitag’: Rumänisch (Vinerea Patimilor)
  • ‘langer Freitag’: Schwedisch (Långfredagen), Dänisch (Langfredag), Norwegisch (Langfredag), Finnisch (Pitkäperjantai) – Im Englischen scheint es auch einmal einen Long Friday gegeben zu haben, “due to the long fast imposed upon this day”.  Ob das die richtige Etymologie ist, weiß ich allerdings nicht.