Von Pentekoste zu Pfingsten: Die 2. Lautverschiebung schlägt zu

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22 Responses to Von Pentekoste zu Pfingsten: Die 2. Lautverschiebung schlägt zu

  1. Lietuvis sagt:

    Im Norddeutschen ist anlautendes /pf/ auch zu /f/ geworden, ich kenne niemanden, der einen Unterschied zwischen „Pfund“ und „Fund“ macht (beides /fund/), oder zwischen „Pferd“ und „fährt“ (es gibt da ja diesen fürchterlichen Spruch, „das Pferd heißt Pferd, weil man damit fährt“ – der scheint auch schon etwas älter zu sein.)

    Was ich aber interessant finde, ist, dass dieser norddeutsche Affrikat-Schwund nur bei /pf/ auftritt und damit ein Phonem getilgt wird, bei /ts/ passiert es ja nicht, obwohl es ja im Dt. anlautend keine Opposition /ts/ ~ /s/ gibt, so das da keine Homophone entstehen. (Bei den anderen Affrikaten passiert es wieder, klingt bei den meisten wie , also ohne Affrikate.)

    Sprachwandel geht schon manchmal merkwürdige Wege.

    • Kristin sagt:

      Heyho Lietuvis,

      zu /ts/ vs. /s/ nur ganz kurz:
      Es gibt tatsächlich Fälle im niederdeutschen Sprachgebiet, wo hochdeutsches /ts/ durch /s/ ersetzt wird, Schirmunski schreibt in der “Deutschen Mundartkunde” (1962:282):

      “Der Gebrauch von s– statt eines anlautenden ts– ist auf dem Gebiet des Niederdeutschen beim Eindringen einzelner hochdeutscher Wörter mehrfach festgestellt worden, z.B.: wf. siəgə ‘Ziege’, sukər ‘Zucker’; in der städtischen Halbmundart von Berlin sait ‘Zeit’, sēn ‘zehn’. Diese Erscheinung lässt sich in ganz Norddeutschland beobachten, wenn das Hochdeutsche auf der Basis des lokalen niederdeutschen Dialektes übernommen wird.”

      Auf die f-Geschichte werde ich in einem Extrabeitrag eingehen. Kommt wahrscheinlich noch heute.

      Vielen Dank für die Anregung!
      Kristin.

  2. Lietuvis sagt:

    Ich seh gerade, man kann wohl keine Orthographie-Klammern machen, der vorletzte Satz sollte heißen:

    Bei den anderen Affrikaten passiert es wieder, „chip“ klingt bei den meisten wie „ship“, also ohne Affrikate.)

  3. Vinni sagt:

    Was passiert denn in der 2.Lautverschiebung was so komplex ist ?
    Ich muss in der schule eine GFS (Referat was im Gymnasium genauso gilt wie eine Klassenarbeit) über die deutsche Wortgeschichte halten und habe das mit der Lautverschiebung im einzelnen nicht verstanden.
    Leider hat mir der Text im Wortgeschichte-Schülerduden nicht so sehr geholfen.
    Könnt ihr mir helfen? Danke im Voraus!

    • Kristin sagt:

      Hey Vinni,
      was genau meinst Du mit „Wortgeschichte“? Geht es um Etymologien, also Veränderungen einzelner Wörter über die Jahrhunderte hinweg?
      Dann ist es eigentlich nicht so wichtig, die zweite Lautverschiebung bis ins Detail zu verstehen.
      Vielleicht kannst Du ja mit konkreten Fragen ansetzen – hast Du alles verstanden, was im Artikel erklärt wird oder gibt es unklare Stellen? Wozu hättest Du gerne genauere Erklärungen?

      • Vinni sagt:

        Warum verändern sich die Laute (z.B.: von t zu ts oder ss)?
        was war der Auslöser für die zweite Lautverschiebung?
        Zu der frage: was genau meinst Du mit „Wortgeschichte“? Geht es um Etymologien, also Veränderungen einzelner Wörter über die Jahrhunderte hinweg? (Ja, eigentl. schon siehe unten) Du schriebst:
        Was da im Detail passiert, ist ziemlich komplex. Abhängig von ihrer Position im Wort und ihrer lautlichen Umgebung verwandeln sich die germanischen Laute(…)
        (Was passiert denn da komplexes?)

        Sind die Inhalte der gfs:
        -Wie entsteht ein Wort?
        -Aus was setzt sich die Sprache zusammen?
        -Erbwörter: Aus Ursprachen wie Indo- und Germanisch
        – Fremdwörter: aus anderen Sprachen, Wissenschaftl. und tech. …
        Bereich
        -Lehnwörter: Lehnbedeutung,Lehnbildung, Lehnübertragung,
        Lehnschöpfung
        -Die Indogermanische Sprache und seine Abzweigung
        -Die Germanische Sprache und seine Abzweigung
        -Erste Lautverschiebung: auch Ursache und Grund
        -Runen und Goten (weiß nicht sicher ob ich es nicht weglasse)
        -2.Lautverschiebung
        -Althochdeutsch & Entwicklung
        -Mittelhochdeutsch & Entwicklung
        -Neuhochdeutsch & Entwicklung

        Ich finde übrigens deine Seite sehr schön und informativ !!!!! :)
        Weiter so !!!
        Gruß

        • Kristin sagt:

          Hm, was Du da als Inhalte hast, unterrichten wir an der Uni ein ganzes Semester lang, und am Ende haben es noch immer viele Leute nicht verstanden. Aus jedem der Themen lassen sich locker mehrere Referate machen. Sollst Du das wirklich ALLES behandeln? Findet dein/e Lehrer/in das realistisch?

          Aber konkret zur 2. LV: Warum sie sich genau verändern, ist meines Wissens nicht befriedigend geklärt. Dass sie sich so verändern, wie sie das tun, ist aber logisch, weil der Ausgangslaut und der Ergebnislaut sich sehr viele gemeinsame Merkmale teilen.
          p und t sind „Plosive“, d.h. zur Bildung verschließt man den Mundraum erst kurz und lässt dann die Luft explosionsartig entweichen. f und s sind „Frikative“, das heißt man verschließt den Mundraum nicht komplett, sondern verengt ihn nur, und presst durch diese Verengung die Luft hinaus.
          Nun teilen sich aber der Plosiv p und der Frikativ f den Ort, an dem die Blockierung/Verengung erfolgt: Die Lippen. (Beim p presst man beide Lippen aufeinander, daher heißt der Laut auch „bilabial“, also quasi „zweilippig“, beim f berührt man die Unterlippe mit den oberen Schneidezähnen, das heißt „labiodental“.) Das heißt, man muss eigentlich gar nicht sooo viel verändern, um von p zu f zu kommen.
          Das pf, das zweite mögliche Resultat aus p, ist eine Affrikate. Affrikaten sind Kombinationen aus einem Plosiv und einem Frikativ, die „homorgan“ sind, das heißt an der gleichen Stelle gebildet werden.
          Affrikaten entstehen z.B. durch eine besonders intensive Aussprache eines Plosivs, der sogenannten „Aspiration“ („Behauchung“). Da folgt nach dem Plosiv noch ein kleiner Luftschwall. (Machen wir auch heute im Deutschen oft, wir sind es nur nicht gewohnt, darauf zu hören.) Von da zur Affrikate ist es nicht mehr weit.
          Und: oft ist so eine Affrikate ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Frikativ, so hieß es z.B. früher einmal thorp (vor der 2.LV), das wurde dann zu dorpf verschoben, und dann wurde die Affrikate vereinfacht: dorf.
          Das gilt so auch für t und s, nur dass sie sich einen anderen Artikulationsort teilen (hinter den Zähnen).

          So, zu den komplexen Details: Ich würde das an Deiner Stelle echt nicht alles erläutern. Aber voilà.

          1. Die Tenuesverschiebung („Tenues“ heißt „stimmlose Plosive“, um die geht es hier):
          p und t werden zu pf bzw. ts, wenn sie a) am Wortanfang oder b) nach einem Konsonanten stehen
          – Falls dieser Konsonant ein r oder l ist, werden sie von da aus zu den Frikativen f bzw. s vereinfacht, es gibt aber auch Ausnahmen
          k müsste der Logik nach (es ist auch ein stimmloser Plosiv) zu kch werden, das passiert aber nur im Oberdeutschen (den Laut gibt es heute noch im Schweizerdeutschen). Sonst bleibt es einfach k.
          – Wenn die Plosive vor der 2.LV Geminaten (Doppelkonsonanten) waren, also pp, tt (und kk fürs Altoberdeutsche), dann werden sie immer zu Affrikaten, egal welcher Laut davor kommt
          p, t und k werden zu ff, ss und chch (Geminaten), wenn sie nach einem Vokal stehen
          – Diese Geminaten werden vereinfacht zu f, s und ch, wenn sie nach einem langen Vokal oder im Wortauslaut stehen.

          2. Die Medienverschiebung („Medien“ heißt „stimmhafte Plosive“):
          d wird zu t – immer, keine Regeln/Ausnahmen etc.
          b und g (das sind die beiden anderen stimmhaften Plosive) bleiben, nur im Altoberdeutschen wurden sie teilweise zu p und k

          Dann gibt es noch als Drittes die Spirantenschwächung, die wird aber nicht immer dazugezählt.

          Alles klar? ;)

          • Vinni sagt:

            Danke! Das war eine sehr verständliche top Erklärung !!!
            Ich finde das Spitze das du dir so viel Mühe gemacht hast.
            Ich habe den Eindruck dass ich das dann für die 8.Klasse Gymnasium mit der Lautverschiebung und den anderen Sachen sehr einfach erklären muss :) aber ich wollte das für mich selber genauer wissen falls in der Klasse jemand nachfragt.
            Da ich „neugierig“ in positiven und bin und mich die Sprachgeschichte sehr interessiert :
            Was für Bücher verwendet man in der Uni? Auch Schülerduden?
            Was muss man für Prüfungen in der Sprachgeschichte in der Uni ungefähr wissen, solche Themen wie ich sie presentiere?
            Grüße, vinni

  4. Kristin sagt:

    Hi Vinni,
    freut mich, dass es verständlich war! :)
    Das mit den Lehrmaterialien ist, je nach Uni, ganz verschieden. Bei uns in Mainz haben wir einen Reader, den die Dozentinnen selbst erstellt haben. (Der ist aber nicht zum Selbststudium geeignet, weil die Sachen alle sehr knapp dargestellt werden.)
    In den Klausuren muss man dann sehr viel Detailwissen haben, man muss z.B. bei Wortpaaren erkennen, welcher Lautwandel dafür verantwortlich ist, dass sie sich unterscheiden (z.B. engl. pan und deutsch Pfanne, da ist es dann die Affrizierung bei der Tenuesverschiebung der 2. Lautverschiebung, die beim deutschen Wort ein pf erzeugt hat, während das englische Wort, weil Englisch ja keine 2. LV hatte, den ursprünglichen Laut p behalten hat). Oder man muss kurze Textausschnitte analysieren und bestimmen, zu welcher Sprachstufe oder zu welchen Dialektraum sie gehören. Und so weiter.
    Falls Du mehr zur Sprachgeschichte lesen willst, kann ich Dir auch gerne ein paar Literaturtipps geben – es gibt ein paar Bücher, die das recht verständlich darstellen. Mit Unilehrwerken würde ich da nicht einsteigen; nicht, weil ich glaube, dass sie Dich überfordern würden, sondern weil sie sehr auf Details abzielen, die man sich eh nicht alle merken kann.
    Viele Grüße, Kristin.

    • Vinni sagt:

      :):) Klar, ich glaube auch das die Unilehrwerke sehr schwer sind…
      Wollte voher nur wissen was man in der Uni liest weil ich mir es immer als sehr schwer vorstelle zu studieren.
      Was für Buchtipps hättest du für mich ( auch zum Thema Sprachgeschichte) fast 15 Jahre alt? Ich lese übrigens alle möglichen Buchtypen freizeitmäßig?
      Was liest du als Student in deiner Freizeit?
      Gruß Vinni

      • Kristin sagt:

        Zur deutschen Sprachgeschichte kann ich Dir zwei Sachen empfehlen, nämlich von Wolfgang Krischke Was heißt hier Deutsch? Kleine Geschichte der deutschen Sprache und von Karl-Heinz Göttert Deutsch. Biografie einer Sprache.
        Wenn Du Dich generell dafür interessiert, warum Sprachen sich verändern, gibt es von Guy Deutscher das wirklich fantastische Buch Du Jane, ich Goethe: Eine Geschichte der Sprache. (Und auch sein neues Buch Im Spiegel der Sprache: Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht ist nicht schlecht.)
        Und ein sehr schönes Buch zu ganz verschiedenen Sprachthemen (auch Jugendsprache, Gebärdensprache, …) ist Vernäht und zugeflixt! Von Versprechern, Flüchen, Dialekten & Co von Ilse Achilles und Gerda Pighin – ist momentan vergriffen, wird aber höchstwahrscheinlich wieder neu aufgelegt.
        Die Bücher richten sich alle an erwachsenes Laienpublikum, aber ich denke, dass man auch mit 14 schon etwas damit anfangen kann.

        Zum Studium ganz generell: Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man neugierig bleibt und den Mut hat, nachzuhaken, wenn man etwas nicht versteht oder seltsam findet. (Klingt eigentlich ganz selbstverständlich, ist im Unialltag aber leider eher ungewöhnlich.) Wenn man sich für sein Fach begeistert, ist das alles gar kein Hexenwerk. Die Leute, mit denen man da im ersten Semester sitzt, sind ja auch keine anderen als die, mit denen man kurz vorher Abi gemacht hat …

        Was ich in meiner Freizeit lese? Ziemlich bunt gemischt, oft Sachbücher, viel Englisches. Und mehr Blogs als Bücher ;)

  5. Vinni sagt:

    Vielen Dank für die Infos!
    Da würde mich noch eins interessieren :
    Wie kommst du darauf einen Blog zu erstellen und wie ?
    Lg Vinni:)

    • Kristin sagt:

      Was meinst Du mit „und wie“? Wie das technisch funktioniert?
      Zur Motivation für das Blog findest Du ein bißchen was unter „Über Schplock & Kristin“ oben.

      • vinni sagt:

        Ahh, o.k. Danke!
        Und wegen dem technischen möchte ich dich nicht weiter
        Stören, da werde ich mich selber informieren.
        Aber echt viel Mühe hier.
        Kostet bestimmt viel Zeit oder?

        • Kristin sagt:

          Der technische Aspekt ist echt zu vernachlässigen, wenn Du z.B. WordPress nimmst – das erklärt sich eigentlich alles von selbst, guckstu hier.
          Viel Zeit kostet nur das Schreiben, und da kann man ja selbst bestimmen, wie oft und viel ;)

          • vinni sagt:

            Habe die Seite WordPress gefunden.. und sieht tatsächlich gar nicht so schwierig aus… aber da muss man halt Zeit absondern
            wenn es gut werden soll…da hast du Recht
            ;)

  6. Vinni sagt:

    bei der Ersten Lautverschiebung wird
    p zu f/b
    d zu t
    g zu k
    Stimmt das so?

    Sonnige Grüße Vinni

    • Kristin sagt:

      Stimmt zwar, ist aber nicht komplett ;) Bei der ersten Lautverschiebung (d.h. vom Indogermanischen zum Germanischen) gab es auch drei Teilverschiebungen, nämlich

      1. Tenuesverschiebung:
      p zu f oder b (später zu b)
      t zu þ (wie in engl. thorn) oder d (später zu d)
      k zu χ (wie in Bach) oder g (später zu g)

      2. aspirierte Medienverschiebung:
      bʰ zu b (später, d.h. im Westgermanischen, zu b)
      dʰ zu d (später zu d)
      gʰ zu g (später zu g)

      3. Medienverschiebung:
      p zu b
      t zu d
      k zu g

      Die durchgestrichenen Buchstaben sind stimmhafte Frikative. (Der kleine Strich geht eigentlich bei b und d durch den oberen, bei g durch den unteren Längsstrich.)

  7. vinni sagt:

    Hi Kristin!
    Wenn man auf den Link der Uni trier für die Abblidung der Rheinischen Fächer geht kommt folgendes:
    Site Error
    An error was encountered while publishing this resource.
    Resource not found
    Sorry, the requested resource does not exist.

    Check the URL and try again.

    Resource: http://kompetenzzentrum.uni-trier.de/Projekte/KoZe2CLL

    Troubleshooting Suggestions

    The URL may be incorrect.
    The parameters passed to this resource may be incorrect.
    A resource that this resource relies on may be encountering an error.

    For more detailed information about the error, please refer to the error log.

    If the error persists please contact the site maintainer. Thank you for your patience.

    Habe die angegebene URL angegeben aber funktioniert nicht !!
    Gruß Vinni