Die Schwilis in Georgien

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6 Antworten zu Die Schwilis in Georgien

  1. suz sagt:

    Sehr interessant!

    Erinnert mich natürlich an den SC Freiburgswili, der Anfang der 2000er mehrere georgische -schwilis in seinen Reihen hatte (neben dem von dir zitierten „Kobi“ noch „Iaschi“, „Tziko“ und „Khizo“), und – natürlich – einen Deutschen, Tobias Willi.

    (War unter uns Fans ne zeitlang n irrer Gag. Zu Hochzeiten wurden im Stadion von den Fans bei Mannschaftsaufstellungen vor dem Spiel an alle Spieler ein „(sch)wili“ angehängt; Golzwili, Rietherschwili usw usf.)

    • Kristin sagt:

      Das erklärt, warum mir die Schwilis so vertraut sind. Der SC war ja einfach omnipräsent, selbst wenn man sich die größte Mühe gab, Fußball zu ignorieren.
      Die Schwilis – damals hielt ich sie noch für Wilis – waren für mich immer eindeutig Fußballer, dieser Rodler hat mich total aus dem Konzept gebracht.

      Iaschwili klingt auch total vertraut. Die anderen habe ich mal gesucht, habe Zkitischwili gefunden, aber keinen, der Tziko im Namen hat. Könntest Du das durcheinandergebracht haben, weil Zkitischwili auch Tskitishvili geschrieben werden kann? (Ich liebe Ordnung.)

      Hier gibt’s in Beitrag 10 sogar einen längeren Text über Freiburg und die Georgier, der wohl ursprünglich vom ZDF stammt.
      Und der ebenfalls die Wortgrenze falsch zieht :)

  2. suz sagt:

    Ups, natürlich, „Tzkito“ war’s, typo. Die Schreibweisen sind natürlich der Transkription geschuldet – und ich bezweifle, ob je ein Fan die Namen auch mal schreiben musste. Bei uns war er auch wegen des recht unaussprechlichen Namens halt immer Tzkito, oder Zkito oder wie auch immer man das phonetisch umschreiben mag. Fans brüllen ja meist mehr als dass sie schreiben :)

    Ich muss gestehen, dass auch mir die „schwili“-Endung unbekannt war bzw. nicht aufgefallen ist bis zu deinem Beitrag. Und dass, obwohl sie ja sehr auffällig sind.

    Bekannt sind mir die Endungen allerdings auch aus dem politischen Bereich, besonders präsent sind sie natürlich im Russland-Georgien-Konflikt.

  3. Bettina sagt:

    Liebe Kristin, ich lese oft Deine Beiträge, und hatte mir bei diesem Thema gedacht, wer kann das besser erklären als ein gebürtiger Georgier und da ein solcher als Autor in dem von Patricia Koelle und mir herausgegebenen Erzählband „Mauerstücke-Erinnerungsgeschichten“ dabei ist, habe ich ihn kurzerhand angemailt und angefragt, was er zu dem Thema erzählen kann. Hier der themenbezogene Inhalt seiner Antwort:

    Deine Frage kann ich natürlich sehr ausführlich (natürlich nur im Rahmen meiner Kenntnisse) beantworten, aber in einer Mail wäre so was undenkbar. Um es kurz zu fassen, kann ich nur die zwei in Georgien wirklich sehr verbreiteten Endungen (es gibt aber sehr, viele Andere und darüber müsste ich wirklich sehr viel schreiben) – schwili und – dse (wie übrigens in meinem Nachnamen) erläutern.. Schwili – das bedeutet tatsächlich „Kind“, aber sso zu sagen, nicht so präzise, denn das Wort Kind im allgemeinen Sinne ist auf Georgisch ;Bawschwi“, aber Schwili bedeutet das Kind in dem Fall, wenn es sich um ein Kind handelt, das jemandem, also den Eltern gehört. Ich, z.B. kann sagen, dass ich als Vater zwei Kinder (also Schwili – in Mehrzahl: Schwilebi – habe), aber wenn ich ein Kind irgendwo auf der Straße oder egal woanders noch sehe, kann ich nur sagen, dass es „Bawschwi“ aber keinesfalls ein „Schwili“ ist. Dann müsste ich auch sagen, wessen Kind es ist). Aber man kann in der Frage „haben Sie Kinder? – auch das Wort „Bawschwi“ gebrauchen. Die Herkunft der Namen ist also natürlich klar – es handelt sich um jemandes Kind, aber bei weitem nicht immer, nur zum Teil. Bald ist es der Ort, bald Beruf, Gegenstand, Waffe, Eigenschaft des Menschen, bald ein Tier (meistens Wolf, Bär, Löwe, Fuchs usw.) Z.B. Der Name „Gelaschwili“ ist der Statistik nach der am meisten verbreitet Name in Georgien und stammt vom Wort Mgeli -Wolf. Aus dem Wort stammen andere damit verwandte georgische Namen: Mgeladse, Geladse, Geliaschwili, Gelauri, Geleischwili, Gelenidse usw. Alle kenne nicht mal ich. Was die Endung –dse angeht, so bedeutet das eindeutig nur „Sohn“, aber meistens folgt es nicht einem Vornamen, sondern wird nach den oben genannten Prinzipien (d.h. genauso) abgeleitet, wie –schwili.

    Ich hoffe, mit meiner kurzen und leider gar nicht professionellen Erläuterung Dir trotzdem ein wenig weiter geholfen zu haben und verabschiede mich

    liebe Grüße
    Bettina

    • Kristin sagt:

      Liebe Bettina,

      super, vielen Dank für die vielen Informationen!

      Bald ist es der Ort, bald Beruf, Gegenstand, Waffe, Eigenschaft des Menschen, bald ein Tier (meistens Wolf, Bär, Löwe, Fuchs usw.)

      Ich vermute, ausgehend vom Deutschen, dass all diese Bezeichnungen ursprünglich auf den Vater bezogen waren und somit klassischen Benennungsmotiven folgten – bei den Tieren schrieb man dem nach ihm Benannten die typischen Eigenschaften oder da Aussehen des Tieres zu, Gegenstände können stellvertretend für den Beruf des Vaters stehen, … (Im Deutschen nannte man z.B. Rothaarige oft Fuchs.)
      Da viele dieser Namen Adelsnamen zu sein scheinen, kann es natürlich auch gut sein, dass es sich z.B. um Wappentiere o.ä. handelt – wobei die natürlich auch wieder in irgendeinem Zusammenhang mit einem Vorfahren ausgewählt worden sein dürften.
      Alles etwas spekulativ natürlich, vielleicht gab es in Georgien auch ganz andere Benennungsprinzipien.

      Liebe Grüße,
      Kristin.

  4. howie sagt:

    > Schwili bedeutet das Kind in dem Fall, wenn es sich um ein Kind
    > handelt, das jemandem, also den Eltern gehört. […]
    > wenn ich ein Kind irgendwo auf der Straße oder egal woanders
    > noch sehe, kann ich nur sagen, dass es „Bawschwi“ aber
    > keinesfalls ein „Schwili“ ist.

    Sehr interessantes Thema. Ich denke, dass das deutsche Pendant zu Schwili am ehesten „Sprössling“ ist, das zwar etwas veraltet sein magt, aber meinem Eindruck nach genau so verwendet wird wie Schwili.