Warhafftige Beschreibung …

27. September 2010

Letzte Woche bin ich auf einen großartigen Buchtitel gestoßen und habe gemerkt, dass Twitter und Facebookstatus zu klein dafür sind … daher also hier:

Warhafftige
Beschreibung
Von denen Drey wilden
Hunden
Welche sich
unweit Leipzig in der gegend Dölitzsch/Brena/
Bitterfeld/Kühne und Schenckenbergk/im Jahr 1710.
vom Monat Augusto biß zum Ende des Novembr. sehen las=
sen/und was sie vor grossen Schaden an
Schaff=Vieh gethan/
Auch wie einer im Dorff Rhödigen/so in die Gerichte
des Herrn Cammer=Herrn von Miltitz und in das Schen=
ckenbergische Kirch=Spiel gehörig/den 29. Nov. mit Ge=
walt getödtet worden.
Nach glaubwürdiger Nachricht von obbemelden Orthen
selbst eingeholt und nebst
gelehrten Anmerckungen
Ob Menschen sich in solche Hunde verwandeln können?
oder es nur in der Phantasie bestehe? ob dieses tolle oder wilde Hun=
de gewesen? woher solche wilde Hunde kommen? und ob sie aus ei=
ner Antipathie gegen die Schaffe solchen Schaden gethan?

Erschienen in Leipzig 1711. Hier kann man sich ein Foto davon anschauen. Oder es gleich für 850 Euro kaufen

Ganz ehrlich? Für diese Verwendung von Antipathie lohnt es sich wahrscheinlich schon.

Und damit der linguistische Touch erhalten bleibt: Laut Kluge haben wir das Wort aus dem Lateinischen (antipathîa), was wiederum von griechisch antipátheia kommt. Das ist eine Abstraktbildung zu antipathes ‚entgegengesetzt fühlend‘, in dem páthos, die ‚Gemütsbewegung‘ drinsteckt. Wir haben’s seit dem 16./17. Jahrhundert.


Angriff ist die beste Verteidigung

10. September 2010

Wer kein Blut lesen kann, sollte heute lieber wegschauen:

Aviso Nr. 33 (30.8.1609)

(Zum Text in lateinischer Schrift | Zur Übertragung ins Neuhochdeutsche)

Den Rest des Beitrags lesen »


l-Vokalisierung reloaded

3. September 2010

Nach meinem Beitrag zur l-Vokalisierung in schweizerdeutschen Dialekten haben sich natürlich ein paar Schweizer zu Wort gemeldet – und mich dazu gebracht, meine Ausführungen noch etwas zu differenzieren. Sie hatten nämlich Probleme mit der Behauptung, l zwischen Vokalen werde vokalisiert. Ich hatte ja geschrieben:

Fasst man die Regeln, die Haas (1983) nennt, zusammen, so gilt die Vokalisierung immer …

  1. … nach Vokal, z.B. Sauz ‘Salz’, Soue ‘Sohle’, Taau ‘Tal’ und
  2. … wenn l der Silbenkern2 ist, z.B. Fogu ‘Vogel’.

Bei Doppel-l wird auch doppelt vokalisiert, z.B. uuer ‘Teller’.

Nun habe ich Herrn Haas wirklich sehr grob zusammengefasst, indem ich als ersten Punkt einfach „nach Vokal“ geschrieben habe. Hier nun die differenziertere Fassung:

  1. … nach Vokal, z.B. Sauz ‘Salz’, Soue ‘Sohle’, Taau ‘Tal’
    (a) Beim ersten Beispiel, Salz > Sauz, handelt es sich um ein l zwischen Vokal und Konsonant,
    (b) beim zweiten, Sohle > Soue, steht es zwischen zwei Vokalen
    (c) und beim dritten, Tal > Taau, nach Vokal ganz am Wortende.
  2. … wenn l der Silbenkern ist, z.B. Fogu ‘Vogel’
  3. Bei Doppel-l wird i.d.R. auch doppelt vokalisiert, z.B. uuer ‘Teller’.

Nummer 1b ist der Fall, mit dem nicht alle einverstanden waren. Begreiflich, denn Haas schreibt dazu, dass es sich dabei um ein regional eng begrenztes Phänomen handle. Gölä bleibt meist Gölä und die von mir kreierte Vokauisierung hört man sicher nur selten (während Vokau für ‚Vokal‘ ganz normal ist, da er ja dem dritten Unterpunkt folgt – danke Pierpaolo!)

Nun habe ich leider kein patentes Mittel gefunden, um dieses Gebiet so richtig festzunageln. Ich habe einen Blick in den Sprachatlas der deutschen Schweiz geworfen, nebenher enorm viel über Schweizer Geografie gelernt und aus den Daten die folgende Karte kreiert:

Den Rest des Beitrags lesen »