Wörter auf -nf

Vor einer Weile kam jemand mit der Suchanfrage

wörter mit endung nf

hierher. Offline könnte man so etwas mit einem sogenannten „rückläufigen Wörterbuch“ herausfinden. Aber was’n Stress!

Meine Online-Standardlösung in solchen Fällen ist canoo.net. Ging hier aber erstmal nicht, denn da muss man mindestens drei Buchstaben eingeben. Die Anfrage *nf führt zu “Bitte seien Sie genauer: Wildcards sind erst ab 3 Buchstaben erlaubt”. Wie nervig, es will ja keiner tausend (= 30) Abfragen mit *anf, *bnf, … machen!

Aber elexiko vom Institut für Deutsche Sprache ist kooperativ, es spuckt 15 Treffer aus. Sucht man sich davon nur die einfachen Wörter aus, schnurrt die Zahl derer auf –nf ganz schnell auf vier zusammen: Hanf, Senf, fünf und der Eigenname Genf. Sind das schon alle?

Die Arbeitsverweigerung von canoo.net hat mich herausgefordert und ich hab’s schließlich geschafft, die Suchfunktion reinzulegen – mit **nf. Da gibt’s dann 16 Treffer, und auch die lassen sich auf die genannten vier runterbrechen.

Die Lautkombination scheint im Auslaut deutscher Wörter also extrem selten zu sein. Ich habe mir mal die Entstehungsgeschichten der vier in Kluges etymologischem Wörterbuch angeschaut:

  • Hanf haben wir wohl entlehnt und es ist mit griechisch kánnabis verwandt. (Die Schritte waren so ungefähr idg. *kanab > germ. *xanap (<x> gesprochen wie ch in Bach) > ahd. hanaf > mhd. hanef > Hanf.)  Welche Sprache es uns genau beschert hat, ist unklar, aber es muss noch ganz früh, nämlich in der indogermanischen Sprachperiode, gewesen sein.
  • Senf kommt über das Lateinische (sinâpi) aus dem Griechischen (sínapi). Das Griechische hat es wiederum aus einer unbekannten Sprache. (Im Ahd. lautete es schon senef, später wurde es dann zu Senf.)
  • fünf ist ausnahmsweise nicht entlehnt, es geht auf indogermanisch *penqwe zurück, lautete im Germanischen *femf(e), im Althochdeutschen fimf und im Mittelhochdeutschen vünf. Also viel Hin und Her mit dem m/n.
  • Genf ist ein Ortsname und steht damit nicht im Kluge. Es scheint aber auch keinen deutschen Ursprung zu haben.

fünfblättriges Senfhanfblatt

Damit sieht es so aus, als gebe es auslautendes –nf in ererbten Wörtern überhaupt nicht, mit der Ausnahme fünf, was aber verschlungene lautgeschichtliche Pfade begangen hat.

Eine wertvolle Information für das nächste Galgenmännchenspiel!

14 Antworten zu Wörter auf -nf

  1. Sebastian sagt:

    Wie stellt man denn fest, dass ein Lexem in die Proto-Sprache entlehnt wurde? Man kann ja da nicht damit argumentieren, dass es keine Kognate gibt. Oder habe ich etwas verpasst und das sind schon alles uralte Erkenntnisse der Nostratik (oder Nostrasisitk?)?

    • Kristin sagt:

      Ja, das habe ich mich auch gefragt … so ganz naiv würde man ja denken, dass alles, was vor der 1. LV schon da war, per Definition nativ ist.

      Vielleicht sind’s außersprachliche Gründe? Pflanze nicht in der Urheimat (wo auch immer die liegen mag!) beheimatet, also muss der Name entlehnt sein?
      Oder die lautliche Struktur ist so „komisch“, dass sie nicht zum restlichen idg. Wortschatz passt? (Auf letzteres deutet Wikipedia hin.)

      Hanf stammt wohl aus Zentralasien. Kluge verweist darauf, dass Herodot Skythisch für die Gebersprache hält – was nach heutiger Definition wohl eine idg. Sprache wäre, aber damals konnte das wohl einen ganzen Haufen Barbaren bezeichnen …
      Außerdem verweist er auf die sumerische Form kunibu, aber ohne genauer zu elaborieren, in welchem Zusammenhang sie mit unserer stehen könnte.

      • Victor sagt:

        Woher stammt denn die Information, dass dieses Wort schon in der idg. Zeit vorhanden war? Vielleicht ist auch das nur sporadische Vorhandenseineines Wortes, welches auf *kanab- zurückgeht, in den idg. Sprachen ein Zeichen dafür, dass es aus einer unbekannten Sprache in einige nach-indoeuropäische Sprachen entlehnt wurde!?‽

        • Kristin sagt:

          Wie gesagt, die Indogermanistik ist nicht mein Fachgebiet. Es könnte sein, dass man systematische Lautkorrespondenzen in verschiedenen idg. Sprachen beobachten kann, die nur dann möglich sind, wenn man eine gemeinsame Grundform zugrundelegt.

          • Jan sagt:

            „Hanf“ ist natürlich ein spannendes Wort, in vielerlei Hinsicht. Das zitierte sumerische Wort kunibu habe ich mal nachgeschlagen, es steht in den Wörterbüchern als nicht näher bekannte (Heil-)Pflanze. Das Wort stimmt also im Konsonantismus mit gr. kannabis gut überein, und auch semantisch liegt ein Zusammenhang nahe. Es handelt sich demnach um ein altes Kulturwort, das vermutlich, zusammen mit der Pflanze, aus dem Orient stammt.

            Die Annahme, dass das Wort schon urindogermanisch vorhanden war, scheint mir entbehrlich. Diese Annahme ist wohl darauf begründet, dass das Wort im Griechischen belegt ist und zudem schon aufs Urgermanische datiert. Kristin, wie kommst du auf die urgermanische Form *xanap? Soweit ich weiß, hat das Wort in allen germanischen Sprachen anlautendes h- (Hanf, engl. hemp, ndl. hennep), also wohl auch schon urgerm. (vgl. lat. canis neben dt. Hund).

            • Kristin sagt:

              Hey Jan,
              gute Frage – das ist so im zweiten Semester erworbenes und nie hinterfragtes Wissen … Uns wurde beigebracht, dass das Verschiebungsprodukt aus idg. k germ. χ ist, was dann zu h abgeschwächt wurde.
              Habe eben mal ein bißchen gesucht, so steht es z.B. in Schweikles Germanisch-deutscher Sprachgeschichte im Überblick, in Bergmann/Pauly/Moulins Alt- und Mittelhochdeutsch, in Braunes Gotischer Grammatik und in Mettkes Mittelhochdeutscher Grammatik.
              Woher man letztlich weiß, dass es zuerst ein χ war, wüsste ich auch gerne, ich halte mal die Augen offen!

  2. Achim sagt:

    Evelyn Künneke reimte nicht von ungefähr: „Denn Theben ist für Memphis / das, was Lausanne für Genf ist“. Es heißt nämlich auch Semf und fümf, womit nur der Hanf noch übrigbleibt. Je offener der Vokal, desto leichter fällt die Aussprache von /nf/. Jedenfalls meine Einschätzung.

    • Kristin sagt:

      *hehe* Ja, und eigentlich heißt’s auch oft Sempf und fümpf

      • Also meine Oma hat immer „Semft“ gesagt… Aber hier in Mitteldeutschland dürfen wir das ;)

        • Kristin sagt:

          Auch super! Diese t-Antritte gibt’s ja in einigen deutschen Wörtern (Saft aus saf, Sekt aus sec), und dialektal müssen das ja nicht dieselben sein wie hochsprachlich.
          Ich bilde mir ein, dass ich Semft auch schon gehört habe, weiß aber nicht, wo.

  3. Lene sagt:

    Super, wie du die Suchfunktion ausgetrickst hast :-)

  4. Eva Lacroix sagt:

    Hallo Kristin,
    mit dem Corpussuchsystem Cosmas II (IDS Mannheim) kann man rasch eine Liste für WÖrter erstellen, die auf „nf“ enden. Man schreibt als Suchanfrage „*nf“. Die Ergebnisse bringen allerdings nichts Neues im Vergleich zu Deiner Liste, und es sind Abkürzungen dabei, die Du nicht recherchieren wolltest.
    Link: https://cosmas2.ids-mannheim.de/cosmas2-web/