[Anglizismus des Jahres] Publikumswahl

Wie schon erwähnt, darf ich mit über den Anglizismus des Jahres 2010 entscheiden. Ich finde das ganz schön schwierig … die Regel, dass das Wort erst 2010 so richtig häufig geworden sein darf, verhindert viele spannende Möglichkeiten. So ein Wort muss sich ja erstmal ausbreiten, bevor es seine Bedeutung ausweiten oder seine Schreibung modifizieren kann etc. Und diese Prozesse finde ich eigentlich die interessanten.

In den Sprachlogkommentaren wurde schon bemerkt, dass die meisten Kandidaten aus der Welt des Internets bzw. der Computerwelt stammen. Ich sehe da nur Balconing und Chermany ohne einen solchen Hintergrund. Das liegt sicher zum einen daran, dass die Vorschläge von Leuten gemacht wurden, die das Internet wahrscheinlich ziemlich stark nutzen, aber zum anderen auch daran, dass das eben mit Abstand der nicht-fachsprachliche Bereich ist, in dem wir den größten Neuwortbedarf haben.

Ich werde jetzt ein bißchen in mich gehen und zahlreiche Korpusrecherchen durchführen, um rauszukriegen, welches der Wörter ich am besten finde (und warum). Ihr könnt Euere Meinung aber auch kundtun, und zwar in der Publikumswahl.

Die Kandidaten (mit Links zu den Blogbeiträgen der Jury):

App
ausrollen
Balconing
Blurmany
Cablegate
Chermany
Cloud
clouden
durchfaven
entfrienden (1, 2)
leaken (1, 2)
leiken oder liken
Scripted Reality
Shitstorm
Social Media
Whistleblower
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6 Responses to [Anglizismus des Jahres] Publikumswahl

  1. Mirko sagt:

    Also Cloud, ausrollen und Social Media wurde – zumindest im IT-Bereich – auch schon vor 2010 häufig verwendet.
    Ich finde ja Whistleblower richtig schön, aber auch der Begriff wird schon ganz schön lang in Deutschland verwendet, siehe Whistleblower-Preis (http://vdw-ev.de/whistleblower/whistleblower-Preis.html).

  2. Mirko sagt:

    Argh, es muss natürlich „wurden“ heißen.

  3. klappnase sagt:

    In den Sprachlogkommentaren wurde schon bemerkt, dass die meisten Kandidaten aus der Welt des Internets bzw. der Computerwelt stammen. Ich sehe da nur Balconing und Chermany ohne einen solchen Hintergrund.

    Da sehe ich auch noch „leaken“ und „Whistleblower“, die beide an sich schon länger im Gebrauch sind und ursprünglich eigentlich nichts mit Computern zu tun haben, auch wenn beide wohl erst durch den jüngsten Wikileaks-induzierten Hype eine grössere Verbreitung gefunden haben, sowie die „Scripted Reality“, die als TV-Format überhaupt keinen Computer-Bezug hat.
    Ansonsten aber Full Ack, und Danke für den schönen Blog!

    • Kristin sagt:

      Hmm, bei leaken sehe ich schon einen sehr starken Internetbezug, aber dazu mehr heute um Mitternacht ;) Whistleblower bekam halt durch Wikileaks enormen Aufwind, aber ich habe das Wort noch nicht genauer nachverfolgt.
      Bei Scripted Reality: Gebe ich unumwunden zu ;)

  4. thf sagt:

    Ich finde „leiken“ sehr schick, weil das einen historischen Touch hat, ohne historisch zu sein (engl. ‚like‘ dürfte mit got. ‚leikan‘ und altnord./isl. ‚líka‘ verwandt sein, so dass ‚leiken‘ wie eine Form wirkt, die im Zuge der Monoph- und Diphthongierungsspielchen des Deutschen das lange /i/ über Bord geworfen und einen netten Diphthong eingeführt hat; „gleich(en)“ ist wohl der tatsächliche historische „Nachfolger“, inkl. 2. Lautverschiebung)