1/2 7 vs. 7 1/2 Uhr

27. Mai 2011

Achim hat kürzlich in einem Kommentar nach einer speziellen Uhrzeitangabe gefragt:

Mir ist bei den Uhrzeiten eingefallen, dass früher (man findet es z.B. auf alten Theaterzetteln in Programmheften) Uhrzeitangeben wie „7 1/2 Uhr abends“ üblich waren. Ich tippe ja, dass das „19.30“ und nicht „18.30“ bedeutet, aber hat da jemand Handfesteres als meine Vermutung? Ist ja interessant, dass das neben „halb acht“ existiert hat.

Die Schreibweise mit nachgestelltem ½ findet sich tatsächlich häufig in älteren Texten, so zum Beispiel hier:

... Von München treffen diese Packwägen am Mittwoch um 10 1/2, und am Sonntag um 7 1/2 Uhr Abends dahier ein, und gehen am Mittwoch um 10 3/4 und am Sonntag um 7 3/4 Uhr Abends nach Regensburg ab.

Dass es sich nicht um eine Variante von ½ 7 (halb sieben) handelt, wird schnell klar, wenn man sich Den Rest des Beitrags lesen »


[Lesetipp] Fugen-s auf dem Vormarsch

19. Mai 2011

Heute mal ein Lesetipp in eigener Sache: Die Pressestelle der Uni Mainz hat eine, wie ich finde ganz gelungene, Pressemitteilung zu meinem Promotionsprojekt veröffentlicht. Wer sich also dafür interessiert, woran ich so arbeite, kann es hier nachlesen gehen.


Blogspektrogramm (1)

16. Mai 2011

Mir war die Verwendung des Begriffs Karneval für eine blogbezogene Veranstaltung ohne Verkleidungspflicht bis vor einigen Tagen völlig unvertraut. Aber so etwas gibt es tatsächlich, als Übersetzung des englischen blog carnival.

Ein paar Überlegungen zur Entstehung der Begriffsbedeutung kommen gleich, aber erst das Wichtigste: Es ist eine kommentierte Linksammlung zu einem gemeinsamen Thema, mit dem Ziel, Blogs und ihre Leser besser miteinander zu vernetzen. Und Anatol Stefanowitsch vom Sprachlog hat so etwas unter dem Namen Blogspektrogramm ins Leben gerufen. Diesen und nächsten Monat im Sprachlog, danach wandert es zwischen den beteiligten Linguistikblogs hin und her. Bisher dabei sind */ˈdɪːkæf/, das lexikografieblog, Dr. Bopp, das Texttheater, das Sprachlog selbst und das Schplock. Schaut mal rein, ich finde alle verlinkten Texte sehr lesenwert.

Okay, coole Sache, aber Karneval??

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Kurzer Diskussionshinweis

12. Mai 2011

Kein richtiger Artikel, nur ein schneller Hinweis: In den Kommentaren zu Wir gedenken an den Tod von Jesus hat sich eine Diskussion darüber entsponnen, ob man sprachliche Phänomene, und besonders Sprachwandel, langfristig als gut oder schlecht beurteilen kann und sollte. Ich finde es spannend zu lesen, auch wenn ich das Gefühl habe, dass wir uns nicht so recht aneinander annähern.

Übrigens habe ich dieses gedenken an jetzt hier so oft gelesen, dass ich jedes Mal beim Aufrufen des Beitrags stutze und überlege, was daran noch mal so seltsam war. (A propos stutzen: Die 49. StuTS nähert sich und wird zweifelsohne großartig!)


Der andere Mai

4. Mai 2011

Ihr kennt doch sicher “das andere Links” – aber wusstet ihr, dass es auch mal einen “anderen Mai” gab? Also known as Juni.

Diese Benennung wird logischer, wenn man weiß, dass anderer nicht immer nur seine heutige Bedeutung besaß, die ja so ungefähr ‘nicht dieser’ ist. Schaut mal diese Bibelstellen aus dem ersten Buch Genesis von ca. 1466 (Straßburg) und 1494 (Lübeck) an:

(1) ... vnd es war gemacht abent und der morgen DER ANDER TAGE. (2) ... und van deme auende vnd van deme morghen waert DE ANDER DACH

Bei Luther heißt die entsprechende Stelle:

7 Da machet Gott die Feste / vnd scheidet das wasser vnter der Festen / von dem wasser vber der Festen / Vnd es geschach also.
8 Vnd Gott nennet die Festen / Himel. Da ward aus abend vnd morgen der ander Tag.

Für die nicht ganz so Bibelfesten noch deutlicher wird es dann, wenn man sich das Inhaltsverzeichnis der Lutherbibel anschaut, oder auch sowas hier: Den Rest des Beitrags lesen »