Auf dem Holzweg mit dem Holzweg

25. Juli 2011

Das Bildblog hat einen taz-Blogartikel über Terrorexperten verlinkt, der den Titel »Plädoyer zur Abschaffung des Terrorexperten. Selten waren so viele so schnell auf dem Holzweg« trägt und eine bezeichnende Illustration besitzt: Einen Steg aus Holz, der durch ein Moor führt.

Die Bildwahl ist ein schöner Hinweis darauf, wie die Bedeutung der Wendung auf dem Holzweg sein ‘sich irren’ mit der Zeit intransparent wurde – und zwar, weil das zugehörige Konzept für die breite Bevölkerung immer unwichtiger wurde und den meisten Leuten heute unbekannt ist.

Ein Holzweg, wie in der Wendung gebraucht, ist nämlich nicht ein ‘Weg aus Holz’, sondern ein ‘Weg für Holz’. Also wie ein Holzlager, nicht wie ein Holzbein. Und das kam so: Den Rest des Beitrags lesen »


Schschschschschschschschschsch

22. Juli 2011

Beim Herumlesen in frühneuhochdeutschen Texten habe ich eine charmante Betrachtung über das Graphem <sch> gefunden:

In: Der Hochdeutsche Schlüszel Zur Schreibrichtigkeit oder Rechtschreibung (Leipzig, 1648)

Wann das (ch) auf ein (s) folget/so wird ein grobzischender Laut daraus/daß es fast seltzsam ist / wie doch solche drey Búchstaben sich zu der zischenden Stimme gefunden haben ; weil weder einer alleine/noch sie zusammen solchen Tón zugében vermögen : werden demnach ausgesprochen wie das Hebraische ש, als: erfrischen/&c.

Das <sch> ist ein sogenannter “Trigraph”: Man benutzt drei Buchstaben, um einen bedeutungsunterscheidenden Laut (“Phonem”) aufzuschreiben. Das heißt man schreibt z.B. <Sau>, aber <Schau>, dabei werden beide Wörter nur mit jeweils zwei Lauten (einem Frikativ und einem Diphthong) ausgesprochen: /za̯ʊ/ und /ʃa̯ʊ/. Ähnlich geht es mit <ch> (<Bach>, gesprochen /χ/) und <ng> (<hängen>, gesprochen /ŋ/).

Und, wie klug bemerkt, andere Schriftsysteme machen keine derartigen Umstände. Das hebräische Alphabet hat das z.B. <ש> (das allerdings sowohl als [s] als auch als [ʃ] ausgesprochen werden kann), das arabische das <> und das kyrillische das <ш>. Und auch das lateinische Alphabet kann man prima anpassen, wie zum Beispiel das Rumänische mit <ș> zeigt.

Der Autor wunderte sich über die seltsame Schreibpraxis, mit <s>, <c> und <h> einen Laut aufzuschreiben, der sich nicht aus den dreien zusammensetzt. Das ist aber gar kein so großes Hexenwerk – in Wirklichkeit reflektiert sie eine ältere Aussprache. Unser heutiger Laut /ʃ/ kommt durch zwei Lautwandelprozesse zustande: Den Rest des Beitrags lesen »


Blogspektrogramm (3)

15. Juli 2011

Erstmals fängt das Blogspektrogramm diesen Monat an zu wandern und ist bei suz in */ˈdɪːkæf/ coffee & linguistics zu finden. Wie immer gibt es eine ganze Reihe lesenswerter Links zu sprach- und linguistikbezogenen Blogartikeln. Hier im Schplock gibt es hoffentlich auch bald wieder was Neues – es tut sich nur grade viel im Restleben und außerdem hat mein Hund meine Hausauf... Aber Jido scheint die Massen ja bei Laune zu halten.

Zu den bisherigen Blogspektrogrammen:


Jido Fister Filly

5. Juli 2011

Dieser Artikel ist ins neue Sprachlog umgezogen und ab sofort hier zu finden!