Frauen ruhig beim Vornamen nennen?

26. September 2012

Dieser Artikel ist ins neue Sprachlog umgezogen und ab sofort hier zu finden!

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[Anglizismus des Jahres] Greift -gate um sich?

25. Januar 2012

Unter den Vorschlägen für den Anglizismus des Jahres 2011 gab es auch ein Wortteil von nicht so recht bestimmbarem Charakter, nämlich –gate. Das will ich mir heute genauer anschauen – parallel zu suz, die zeitgleich mit mir ihre Beobachtungen zum Thema postet.

Vorgeschlagen wurde es von Patrick Schulz, der letztes Jahr den Gewinner leaken nominiert hat, und zwar mit der folgenden Begründung:

Ich schlage dieses Jahr das Skandalisierungssufffix -gate zum AdJ vor. Es wird dazu benutzt, die semantische Denotation seines Kopfes (Also die Bedeutung dessen, an das es sich ranhängt) zu einem Skandal von nationaler Tragweite zu erklären oder auch zu verklären. Diese mitunter ironisierende Nebenbedeutung hebt es m.E. von bestehenden Äquivalenten ab.

Ganz aktuelle Beispiele sind u.a. padgate, Guttengate oder Jenagate.

Es geht dabei weniger darum, irgendwelche kurzlebigen Wörter, die auf -gate enden, für den AdJ2011 vorzuschlagen, sondern dieses gebundene und sie verbindende Morphem, welches an beliebige Kopflexeme angehängt werden darf um eine sozial- und/oder medienkritische Botschaft zu vermitteln. Es ist dabei im höchsten Maße produktiv, wie die eben erwähnten Beispiele zeigen. Noch dazu geht es mit einigen interessanten phonologischen Prozessen einher, so heist es etwa Guttengate, nicht aber *Guttenberggate o.ä..

Ich will in diesem Beitrag überprüfen, ob –gate wirklich so häufig neue Wortbildungen eingeht und falls ja, wozu sie dienen. Patrick vermutet ja einen ironischen Unterton, was ich nicht ganz von der Hand weisen will. Ob der aber nur durch den Äußerungskontext entsteht, oder wirklich schon dem Element anhaftet, bleibt zu klären. Den Rest des Beitrags lesen »


Zwei Auswüchse

13. April 2011

Das Etymologiequiz ist vorbei und ich will ein paar der Wortpaare in den nächsten Tagen noch ein wenig näher beleuchten. Los geht’s mit dem Daumen und seinem Partnerwort …

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Einhällig und aufwendig

4. April 2010

Ich habe eben einen (übrigens ausgezeichneten!) Blogbeitrag von Anatol Stefanowitsch zum iPad gelesen und darin folgende Schreibung entdeckt:

Schon damals habe ich mich darüber gewundert, dass die Presse hier so einhällig einen Humor pflegt (oder aufgreift), der auf der krampfhaften Suche nach anstößigen Doppeldeutigkeiten beruht und der mir seit der sechsten Klasse nicht mehr begegnet ist.

Ein großartiger Satz, ganz nebenbei. Mir geht’s aber um das <ä> in einhällig. Das ist zwar ein Rechtschreibfehler, aber er deutet auf etwas spannendes hin: eine gelehrte Volksetymologie, denn hier wurde einhellig wahrscheinlich an hallen angeschlossen und entsprechend mit <ä> geschrieben.

In Wirklichkeit stammt’s vom althochdeutschen Verb hellan ‘tönen’. Das ist heute ausgestorben, an seiner Stelle hat sich hallen durchgesetzt, das seit dem 15. Jahrhundert belegt ist und vom mittelhochdeutschen Substantiv hal ‘Hall’ abgeleitet wurde (welches wiederum doch auf hellan zurückgeht, aber den Schlenker erspare ich euch lieber).

ä-tymologische Schreibung

Dass man Wörter an verwandte Wörter mit <a> anschließt und entsprechend <ä> statt <e> schreibt, ist eine beliebte Praxis. Ihr erinnert euch vielleicht dran, wie’s bei der Rechtschreibreform hieß, dass man jetzt <aufwändig> mit <ä> schreibt, weil es von <Aufwand> kommt und <Stängel> wegen <Stange>. Das Prinzip, das man damit verfolgt, heißt “Morphemkonstanz” – zusammengehörige Wörter sollen auch durch die Schreibung als solche markiert werden.

Das ist ganz deutlich bei den Umlautpluralen, wo man niemals <Hand> – <Hende> schreiben würde (aber durchaus mal getan hat), oder bei den Den Rest des Beitrags lesen »


Freigieb- oder -gebig?

18. März 2010

Das, worüber das ich heute schreiben will, habe ich in meiner Schulzeit für eine reine Reclam-Eigenheit gehalten. In den Reclamheften stand nämlich immer freigebig, wo ich freigiebig erwartet hätte. Komischer Verlag.

Seither ist mir freigebig aber auch in anderen Kontexten begegnet, zuletzt im Wartezimmer in Geo (in der Januarausgabe war übrigens auch ein Artikel über Piraha/Dan Everett drin):

Wissenschaftler glauben, dass die Menschen freigebiger werden. ...

Was hat es damit auf sich? Habe ich mein ganzes Leben lang eine Form benutzt, die sonst keiner kennt?
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Frohe linguistische Weihnachten!

24. Dezember 2009

Die Bescherung ist vorbei:

Heute Abend will ich noch schnell eine Frage klären, und zwar warum es Weihnachten heißt. Das ist eine alte Pluralform, aber der Plural müsste ja eigentlich *Weihnächte lauten.

Das Wort Nacht war ursprünglich (im Althochdeutschen) ein sogenanntes “Wurzelnomen” und hatte überhaupt keine Pluralendung. Es hieß also in Ein- und Mehrzahl diu naht. Das war natürlich äußerst unpraktisch, weil man weder am Substantiv selbst, noch an umgebenden Adjektiven o.ä. erkennen konnte, um welchen Numerus es sich handelte.

Im Mittelhochdeutschen guckte das Wort sich daher ein anderes Verfahren bei einer anderen Gruppe von Substantiven ab: Die Kombination von Umlaut und –e, die z.B. bei MachtMächte existierte. Viel praktischer. NachtNächte.

Das war aber nicht das einzige Vorbild: In einigen Gegenden schaute sich Nacht bei Wörtern wie Gaben die Endung –en ab. Die gab es damals aber noch nicht im kompletten Plural, sondern nur im Genitiv und Dativ: Später veränderte sich diese Gruppe weiter, sodass es zur Endung –en im ganzen Plural kam, aber da war die Nacht schon nicht mehr mit von der Partie, sie hatte sich in Nächte verwandelt.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, warum es Weihnachten heißt, wenn das –en doch nur im Genitiv und Dativ auftauchte. Die Antwort? Weihnachten war einmal eine Konstruktion, und zwar ze den wîhen nachten ‘zu/an den geweihten/heiligen Nächten’. Man feierte nicht nur eine Nacht lang! Die Präposition ze forderte, wie zu heute, den Dativ, und der besaß die Endung.

Diese Konstruktion wurde so intensiv gebraucht, dass die Wörter wîhen nachten zusammenwuchsen und Weihnachten bildeten (das nennt man “Univerbierung”). Dabei bewahrten sie den alten Dativ Plural.


Lämmer, Kälber, Hühner: Der Plural auf -er

16. Dezember 2009

Ich verspreche, dass es hier auch mal wieder Themen geben wird, bei denen es nicht um Substantivflexion geht. Wirklich! Aber heute will ich Euch erzählen, woher unsere Pluralendung –er kommt – die hatte nämlich mal eine ganz andere Funktion.

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