Ich mach das als so …

30. November 2010

Wer in den letzten Wochen Zeit mit mir verbracht hat, weiß, was jetzt kommt:

Ich mach das als so.

Ich geh da als hin.

Wir schenken uns als nichts zu Weihnachten.

Wie versteht ihr das als? Bisherige Vorschläge aus meinem mittel- und norddeutschen Freundes- und Bekanntenkreis umfassen (Spoiler alert!) Den Rest des Beitrags lesen »


Der Beitrag, wo von “wo” handelt

6. Oktober 2010

André hat neulich angefragt, wo eigentlich die wo-Relativsätze verbreitet seien. Ihr wisst schon, die wo man mit wo bildet. Mir scheint, ziemlich weit. Über Grimms Wörterbuch habe ich einen Aufsatz von Weise (1917) gefunden, der als Hotspot den Südwesten angibt, also das Alemannische (auch in der Schweiz) inklusive Schwäbisch.

Aber auch anderswo findet es sich, zum Beispiel im Bairischen, Fränkischen, Ostfränkischen, Oberhessischen, Moselfränkischen und Lothringischen. Hui! Hier eine sehr ungefähre grafische Darstellung. Das orange Gebiet ist das, wo wo benutzt (wurde):

Allerdings sind die wo-Relativsätze nicht überall gleich stark verbreitet, in vielen Gebieten nehmen mache Sätze wo und andere was anderes. Leider habe ich dazu keine detailierteren, kartierbaren Angaben gefunden. (Ich habe aber auch nicht besonders zeitaufwändig gesucht.) Am konsequentesten bei der wo-Verwendung ist wohl wirklich das Alemannische.

Neben dem “langweiligen” der/die/das (und dem kaum brauchbaren welcher/welche/welches) gibt’s in deutschen Dialekten übrigens auch noch Den Rest des Beitrags lesen »


l-Vokalisierung reloaded

3. September 2010

Nach meinem Beitrag zur l-Vokalisierung in schweizerdeutschen Dialekten haben sich natürlich ein paar Schweizer zu Wort gemeldet – und mich dazu gebracht, meine Ausführungen noch etwas zu differenzieren. Sie hatten nämlich Probleme mit der Behauptung, l zwischen Vokalen werde vokalisiert. Ich hatte ja geschrieben:

Fasst man die Regeln, die Haas (1983) nennt, zusammen, so gilt die Vokalisierung immer …

  1. … nach Vokal, z.B. Sauz ‘Salz’, Soue ‘Sohle’, Taau ‘Tal’ und
  2. … wenn l der Silbenkern2 ist, z.B. Fogu ‘Vogel’.

Bei Doppel-l wird auch doppelt vokalisiert, z.B. uuer ‘Teller’.

Nun habe ich Herrn Haas wirklich sehr grob zusammengefasst, indem ich als ersten Punkt einfach “nach Vokal” geschrieben habe. Hier nun die differenziertere Fassung:

  1. … nach Vokal, z.B. Sauz ‘Salz’, Soue ‘Sohle’, Taau ‘Tal’
    (a) Beim ersten Beispiel, Salz > Sauz, handelt es sich um ein l zwischen Vokal und Konsonant,
    (b) beim zweiten, Sohle > Soue, steht es zwischen zwei Vokalen
    (c) und beim dritten, Tal > Taau, nach Vokal ganz am Wortende.
  2. … wenn l der Silbenkern ist, z.B. Fogu ‘Vogel’
  3. Bei Doppel-l wird i.d.R. auch doppelt vokalisiert, z.B. uuer ‘Teller’.

Nummer 1b ist der Fall, mit dem nicht alle einverstanden waren. Begreiflich, denn Haas schreibt dazu, dass es sich dabei um ein regional eng begrenztes Phänomen handle. Gölä bleibt meist Gölä und die von mir kreierte Vokauisierung hört man sicher nur selten (während Vokau für ‘Vokal’ ganz normal ist, da er ja dem dritten Unterpunkt folgt – danke Pierpaolo!)

Nun habe ich leider kein patentes Mittel gefunden, um dieses Gebiet so richtig festzunageln. Ich habe einen Blick in den Sprachatlas der deutschen Schweiz geworfen, nebenher enorm viel über Schweizer Geografie gelernt und aus den Daten die folgende Karte kreiert:

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Über die Vokauisierung

13. August 2010

Ich war ja kürzlich in der Schweiz und habe mir ganz fasziniert zahlreiche schweizerdeutsche Dialekte angehört. Ganz besonders auffällig in der Phonologie fand ich vier1 Dinge und von diesen vieren kannte ich eines noch nicht: das vokalisierte l. Lest einfach mal …

[…] D’r Himu vou Wouche
U äs rägnet, was es abe mah,
Nume im Schoufänschter vom
Reisebüro
Schiint d’Sunne no.

Hätti Flügu zum Flüge
Flug i mit de Vögu furt
U chiem nie meh hei.
I’nes Land ohni Näbu, ohni Räge,
I’nes Land wo si Sunne hei…
I gieng hüt no …. uf u dervo,
Eifach uf u dervo. […] Den Rest des Beitrags lesen »


Lilliput “Badisch”?

8. August 2010

Dieser Artikel ist ins neue Sprachlog umgezogen und ab sofort hier zu finden!


Ibere Ittume-Inglische ine -Ialektde

26. Juli 2010

[Gegenüber dem Original leicht verändert.]

Letzte Woche habe ich Peter Hafen getroffen. Er ist der erste Vorsitzende des Berner Matteänglisch-Clubs (mit der charmanten Abkürzung Mäc). Die Geheimsprache Matteänglisch hat er in seiner Schulzeit – wie schon sein Vater und sein Großvater – von seinen Klassenkameraden gelernt. Die folgenden Erklärungen basieren teils auf seinen Erzählungen, teils auf dem Mäc-Buch Matteänglisch. Geschichte der Matte. Dialekt und Geheimsprache von Stirnemann.

Matteenglisch entstand im Berner Mattequartier und basiert auf dessen Dialekt, dem Mattedialekt (oder Matte-Berndeutsch) – der vielen auch schon wie eine Geheimsprache vorgekommen sein dürfte, aber nicht mit ihr verwechselt werden sollte.

Der Mattedialekt als Soziolekt

Die Matte ‘Wiese’ ist ein besonderer Stadtteil Berns: Sie liegt in der Flußbiegung der Aare direkt am Wasser – und über 30 Meter unter dem Rest der Stadt. Hier waren früher vor allem Schiffer und Handwerker angesiedelt, später dann auch Industrieunternehmen und ihre Arbeiter.

Lage der Matte in Bern – Quelle: Tschubby (cc-by-sa, bearbeitet)

In der Matte konnte sich durch zwei Bedingungen ein sehr eigenständiger Dialekt entwickelt: Den Rest des Beitrags lesen »


FIL SBASANDAINEN GEBUASTAK

7. April 2010

Ich war zu Ostern bei meinen Eltern und habe sie natürlich immer heimlich belauscht und mir badische Dialektphänomene aufgeschrieben. Was ich aber auch getan habe: mir meine Bildersammlung aus der Kindergartenzeit angeschaut. Weniger wegen der Bilder, als vielmehr wegen der Schrift. Und oh, was ich da für Schätze gefunden habe! Folgendes Schreiben ist auf ein halbes Jahr vor meiner Einschulung datierbar:
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