Fremdwörter gesucht!

29. Juli 2012

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Zur Erlustigung was über frühneuhochdeutsche Grammatikschreibung

6. Januar 2012

(Hinweis: Die orangen Passagen wurden nachträglich geändert/hinzugefügt.)

Hach, wie schön es sich über Sprache schwärmen lässt … hier aus Der Hóchdeutsche Schlüszel zur Schreibrichtigkeit oder Rechtschreibung (Samuel Butschky, Leipzig 1648), weitgehend wortwörtlich von Herrn Schottelius geklaut:

Sehr wohl vergleicht Herr
Schottel / unsere Hóchdeutsche
Haupt= und Heldenspráche / einem
ansehlichen/fruchtbringendenBau=
me / welcher seine saftreiche Wur=
tzeln/ tief in den Erdbóden / und da=
rinn weit ausgestrekt / also / daß er
die Feuchtigkeit / und das Mark der
Erden / vermittels seiner äderlein/
an sich zeucht ; seineWurtzeln/durch
ein fruchtreiches saftiges Naß /
zeucht ‚zieht‘
durchhärtet/tauerhafft macht / und
sich selbst in die Natur einpfropffet:
Denn die Wurtzeln / und saftige
Stamwörter / unserer Spráche /
haben den Kern/und das Mark/aus
der Vernunft gesogen / und sich auf
die Hauptgründe der Natur ge=
stammet: ihren Stamm aber lassen
sie hóch empor ragen ; ihre Zweige/
tauerhafft ‚dauerhaft‘
und Reiserlein / in unaussäglicher
Menge/ in steter Gewißheit / wun=
dersamer mannigfaltigkeit / und an=
sehlicher Pracht heraus wachsen /
also/daß die Erlustigung an diesem
Wunderstükke / könne stets völlig/
Reiserlein ‚Ästchen‘
und die Genüßung dero süssesten
Früchte / unendlich seyn.
Genüßung ‚Genuss‘

Viel Blabla? Die ganze Baummetapher klingt zwar sehr abgedreht, aber wenn man genau hinliest und nachschaut, wovon im Text drumherum die Rede ist, wird klar, dass Wurzeln, Stamm, Äste und Reiser den Komplexitätsgrad von Wörtern bezeichnen. Den Rest des Beitrags lesen »


Fremde Wörter, fremde Schrift

19. Oktober 2011

Beim Stöbern in alten Drucken stößt man immer mal wieder auf interessante Dinge. Recht bekannt ist ja die funktionale Schriftartenteilung:

Während gebrochene Schriften für den deutschen Text eingesetzt wurden, wurden in vielen Drucken Antiquaschriften (unsere heutiger Normalfall) für Fremdwörter benutzt. Ein willkürlich gewähltes Beispiel:

... im Colloquio zu Leipzig ... (1559)

Schon spannender wird es, wenn man sich anschaut, wo die Grenzen der Fremdwortmarkierung verlaufen: Was der eine Drucker klar erkennt, ist für den anderen nicht weiter bemerkenswert. So stehen hier zwei Fremdwörter nebeneinander, von denen nur das erste (Interims) als solches markiert wurde, während publication (oder auch in der Zeile drüber Adiaphoris) unmarkiert bleibt:

... erst nach des Interims publication vorgenommen worden ... (1559)

In diesem Text hingegen wurde satisfaction ‘Befriedigung’, das dem selben lateinischen Muster folgt, klar hervorgehoben:

... als in welchem Buche du völlige satisfaction finden würdest. (1712)

Interessant auch, dass hier der flämische Name Verheyen ebenfalls als fremd markiert wird. (Sein Buch, von dem im Textausschnitt die Rede ist, ist in der deutschen Übersetzung hier zu finden, der Herr ist dieser.)

Am besten sind aber die haarspalterischen Drucker. Das sind die, die bemerkten, dass an einem Fremdwort ja nicht alles fremd ist: Den Rest des Beitrags lesen »


Vokalharmonisches Türkisch

6. März 2011

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[Anglizismus des Jahres] entfrienden/entfreunden?

17. Januar 2011

Heute beschäftige ich mich mit einem der Kandidaten, bei denen nicht das komplette Material entlehnt wurde, nämlich dem Doppelkandidaten entfrienden/entfreunden. Hier haben wir es mit einer Ableitung zu tun. Ihre Bedeutung würde ich ungefähr fassen als: ‘eine bei einem sozialen Netzwerk/Computerspiel/… bestehende Verknüpfung (“Freundschaft”) wieder auflösen’.

Vor man entfrienden kann, muss man frienden!

Will man diese Bildung untersuchen, dann muss man sich zunächst einmal anschauen, wie ihre Basis, also frienden/freunden, zustande kam, wie man sie in den folgenden Beispielen findet:

Noch mehr Leute hier, die ihre Eltern bei Facebook nicht gefriendet haben? (Quelle)

Ich hab so viele Leute gefriendet, wenn ich nicht mehrmals täglich die Frienslist lesen würde, käme ich gar nicht mehr hinterher! (Quelle)

Ella Lingens Gymnasium kann man nicht „frienden“ nur „liken“, oder? (Quelle)

Hab ein paar von euch gefreundet ,hoffe das ist ok! (Quelle)

Auffällig ist, dass hier meist das Partizip vorkommt, d.h. über die Handlung öfter in der Vergangenheit gesprochen wird. Mir selbst kommt der Infinitiv schon fast ungrammatisch vor. Den Rest des Beitrags lesen »


When you friend someone …

16. Januar 2011

Bevor ich mich im Rahmen der Wahl zum Anglizismus des Jahres 2010 mit entfreunden/-frienden im Deutschen beschäftige, will ich kurz den Hintergrund im Englischen beleuchten – zumindest das davon, was ich einigermaßen klären konnte.

Anfreunden auf Englisch

“in the Facebook sense”

Das deutsche Verb frienden kommt vom gleichbedeutenden englischen to friend. Als heutige Bedeutung würde ich ansetzen  ‘bei einem sozialen Netzwerk/Computerspiel/… eine Verknüpfung (“Freundschaft”) erstellen’. Ein bißchen anders sieht es die englische Wikipedia (eigener Eintrag seit dem 1. November 2010):

As a neologism, the term is a transitive verb meaning „to send a friend request on Facebook.“

Hier wird als Bedeutung also ‘jemandem auf Facebook eine Freundschaftsanfrage schicken’ angegeben. Das finde ich etwas zu eng, wird doch auch anderswo, z.B. bei LiveJournal oder MySpace, eine ganze Menge gefriendet. Außerdem stellt sich natürlich die Frage, ob frienden etwas ist, das man völlig eigenständig tun kann (also die Anfrage stellen), oder ob es nicht eher reziprok getan werden muss (der zukünftige “Freund” muss ja zustimmen). Wäre vielleicht ganz spannend, Beispiele daraufhin zu untersuchen, ob im alltäglichen Gebrauch schon der Versuch der Freundschaftsknüpfung als to friend gewertet wird.

Facebook selbst, das oft als Ursache für die Entstehung angegeben wird, verwendet das Wort übrigens nicht, sondern bedient sich einer Umschreibung:

Facebook auf Englisch: „Add as Friend“

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Namenlandschaften 2: Kleine Räume

7. Januar 2011

Heute gibt es, wie versprochen, Beispiele für Namen, die sehr kleinräumig verbreitet sind. Im ersten Teil zu Namenlandschaften habe ich geschrieben:

Wenn ich in den Süden fahre, merke ich nicht nur am isch und kannsch und weisch, dass ich zuhause angekommen bin, sondern auch daran, dass die Leute plötzlich Himmelsbach, Göppert und Ohnemus heißen.

Vielleicht hat ja jemand von euch die Namen schon kartiert und festgestellt, dass ich aus dem Ortenaukreis in Baden-Württemberg komme. Einen anderen Schluss lassen sie nämlich wirklich nicht zu:

v.l.n.r.: Ohnemus, Himmelsbach, Göppert

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