Witwe vs. Witwerin

13. September 2011

Im Sprachlog geht es zur Zeit um die Form Witwerin (statt Witwe) und ihre möglichen Ursachen. (Kurzversion: Es handelt sich um eine Analogiebildung zu all den anderen abgeleiteten Formen auf –in, die an Personenbezeichnungen auf –er angehängt werden.)

In den Kommentaren kam die Frage auf, ob Witwe und Witwerin einmal gleichberechtigt nebeneinander existierten:

Waren damals die Witwerin ein glecihberechtigtes Synonym zur Witwe? Oder war Witwe immer das Grundwort und die Witwerin war immer eine zweifelhafte Nebenform. Wann und warum setzte sich die Witwe durch?

Nun haben wir leider keine perfekten historischen Korpora, aber ich glaube, dass das, was es so gibt, auch ein ganz gutes Bild vermittelt.1 Ich habe mal bei GoogleBooks alle deutschsprachigen Bücher nach Jahrhunderten getrennt durchsucht, beginnend mit dem 16. Jahrhundert. (Vorher sah es ja bekanntlich mau aus mit dem Buchdruck.)

Kaum einer mag die Witwerin

Die Ergebnisse zeigen recht deutlich, dass Witwerin immer nur eine (mit gutem Willen) Nebenform war: Den Rest des Beitrags lesen »

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[Werkzeug] Es läppert sich …

24. August 2011

Kürzlich kam jemand mit der Suchanfrage es läppert sich ethymologisch hierher. Zu ethymologisch hab ich schon mal was geschrieben, zum Läppern aber nicht. Wie zur Herkunft vieler anderer Wörter oder Phrasen auch nicht. Daher gibt’s heute ein bißchen Hilfe zur Selbsthilfe.

Will man die Bedeutungs- und Lautgeschichte eines Wortes erkunden, dann hilft ein Blick in ein sogenanntes “Etymologisches Wörterbuch”. Für das Deutsche gibt es da mehrere, zum Beispiel den Kluge, den Pfeifer und das Duden-Herkunftswörterbuch (genaue Angaben s.u.). Ich habe früher meist den Kluge benutzt, finde aber Pfeifer mittlerweile besser, weil er mehr Wortbildungen verzeichnet. Und die gute Nachricht: Die Einträge aus dem Pfeifer gibt es auch online, und zwar auf der DWDS-Seite.

Einfach in das Suchfeld das fragliche Wort (hier: läppern) eingeben. Die Suche erfolgt in allen Komponenten des DWDS (das sind u.a. Korpora und ein “normales” Wörterbuch) und die Ergebnisse werden in kleinen Kästen präsentiert. Der Etymologie-Kasten befindet sich oben rechts, hier orange  hinterlegt:

Da zeigt sich dann, dass es läppert sich (bzw. es läppert sich zusammen) die Bedeutung ‘in kleinen Mengen zusammenkommen’ hat. Sie lässt sich mit der Geschichte des Verbs läppern recht gut nachvollziehen: Den Rest des Beitrags lesen »


[Lesetipp] Fugen-s auf dem Vormarsch

19. Mai 2011

Heute mal ein Lesetipp in eigener Sache: Die Pressestelle der Uni Mainz hat eine, wie ich finde ganz gelungene, Pressemitteilung zu meinem Promotionsprojekt veröffentlicht. Wer sich also dafür interessiert, woran ich so arbeite, kann es hier nachlesen gehen.


Haarige Sache

15. April 2011

So, JJ und radierer haben das Etymologiequiz perfekt gelöst! Ich hatte ja einen Preis mit Etymologiebezug versprochen (den jetzt einfach beide kriegen), was haltet Ihr von Olschanskys “Täuschende Wörter”? Und als Trostpreis für alle anderen Teilnehmer gibt’s einen Link zu SpecGrams EtymGeo™, wo man Städtenamen rauskriegen muss – absolut empfehlenswert.

Gut, Formalitäten geklärt, jetzt weiter mit der Nachbetrachtung ausgewählter Wortpaare:

Zopf und Den Rest des Beitrags lesen »


Ichi, ni, san …

22. März 2011

Eben habe ich in einem Zeit-Artikel gelesen:

Die zwei Atomanlagen in Fukushima-1 (Daiini) und -2 (Daiichi) wurden nach Angaben des Betreibers Tepco am Tag des Erdbebens vor gut einer Woche von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen.

Bei den Benennungen in Klammern, Daiini und Daiichi, liegt ein bißchen was im Argen. Zunächst mal hat das erste ein i zu viel abbekommen (richtig: Daini). Und dann sind die beiden Wörter vertauscht. Das kann man mit geringfügigen Japanischkenntnissen erschließen: Es reicht, bis zwei zählen zu können. In Daini steckt ni ‘zwei’, in Daiichi steckt ichi ‘eins’.

Und das dai? Den Rest des Beitrags lesen »