Diverses von der 48. StuTS

22. November 2010

Die StuTS in Potsdam ist vorbei, die in Leipzig steht bevor … fun facts am Rande:

  • Adygeisch (eine Kaukasussprache) hat dorsopostalveolare Frikative (bei denen man die Zungenspitze unten hinter die Zähne legen muss), aber nur drei Vokale. (Ludger Paschen)
  • Prof. Wiese untersucht Kiezdeutsch und bekommt dazu „sehr viele Zuschriften aus der … sogenannten Öffentlichkeit“. Wir durften zwei lesen – sehr krass, wie sich manche Leute bedroht fühlen, wenn man an ihrem Weltbild kratzt – und zu welcher Sprache sie dabei greifen. Was macht sie mit den Mails? „Für mich sind das auch erst mal Daten.“ Spontaner Applaus.
  • Im Lasischen (auch einer Kaukasussprache) gibt’s wilde Morphologie, aber am schönsten ist, dass man aus ‚Ich bin glücklich‘ die wörtliche Form ‚Ich bin glücklich um dich herum‘ (d.h. ‚mit dir als Zentrum‘) bilden kann – sie aber mittlerweile ‚Ich küsse dich‘ bedeutet. (Hagen Blix) Den Rest des Beitrags lesen »

uMzantsi Afrika: Sprachen in Südafrika

11. Juni 2010

Ja, ne, Kristin versucht krampfhaft, der WM linguistische Aspekte abzugewinnen. Weniger von der Fußballseite (zu der es natürlich auch – teilweise weniger globale – Untersuchungen gibt) als vom Austragungsort her: Welche Sprachen werden in Südafrika eigentlich gesprochen?

Oh Gott, viel zu viele für einen Schplockbeitrag! (Ethnologue zählt 31.) Ich beschränke mich mal auf die elf offiziellen:

Afrikaans, Ndebele (auf der Karte isiNdebele), Nord-Sotho (Sesotho sa Leboa), Süd-Sotho (Sesotho), Swati (siSwati), Tsonga (Xitsonga), Tswana (Setswana), Venda (Tshivenda), Xhosa (isiXhosa), Zulu (isiZulu) und Englisch.

Alle außer Afrikaans & Englisch gehören zu den sogenannten Bantusprachen (von denen ich Xhosa schon einmal wegen seiner Klicklaute erwähnt habe!).

Offizielle Sprachen Südafrikas in ihren dominanten Regionen - Quelle: Wikipedia (Htonl),

Wahrscheinlich ist den meisten von euch gleich aufgefallen, dass die Bantusprachen zwei sehr ähnliche Bezeichnungen haben – je eine davon besitzt einen Zusatz am Anfang: isiNdebele, Sesotho sa Leboa, Sesotho, siSwati, Xitsonga, Setswana, Tshivenda, isiXhosa, isiZulu.

Das ist kein Zufall, sondern liegt in einer gemeinsamen grammatischen Besonderheit begründet. Den Rest des Beitrags lesen »


Die deutsche Bahn als Bewahrerin

8. März 2010

Dass Anatol Stefanowitsch im Schplock Blogfutter gefunden hat, ehrt mich enorm. Wie schön, dass sein Beitrag wiederum Anlass für einen Schplock-Beitrag gibt.

Der Beitrag im Sprachlog heißt “Die Deutsche Bahn, Bewahrerin der englischen Sprache” – und darin verbirgt sich ein witziges Phänomen, zu dem ich in meinen HiWi-Zeiten mal umfangreiche Korpusrecherchen angestellt habe. (Die hier verwendeten Beispiele entstammen nicht den damaligen Recherchen.)

Es geht um die Bewahrerin.

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We arrive Berlin-Spandau

5. März 2010

Dieser Artikel ist ins neue Sprachlog umgezogen und ab sofort hier zu finden!


Frohe linguistische Weihnachten!

24. Dezember 2009

Die Bescherung ist vorbei:

Heute Abend will ich noch schnell eine Frage klären, und zwar warum es Weihnachten heißt. Das ist eine alte Pluralform, aber der Plural müsste ja eigentlich *Weihnächte lauten.

Das Wort Nacht war ursprünglich (im Althochdeutschen) ein sogenanntes “Wurzelnomen” und hatte überhaupt keine Pluralendung. Es hieß also in Ein- und Mehrzahl diu naht. Das war natürlich äußerst unpraktisch, weil man weder am Substantiv selbst, noch an umgebenden Adjektiven o.ä. erkennen konnte, um welchen Numerus es sich handelte.

Im Mittelhochdeutschen guckte das Wort sich daher ein anderes Verfahren bei einer anderen Gruppe von Substantiven ab: Die Kombination von Umlaut und –e, die z.B. bei MachtMächte existierte. Viel praktischer. NachtNächte.

Das war aber nicht das einzige Vorbild: In einigen Gegenden schaute sich Nacht bei Wörtern wie Gaben die Endung –en ab. Die gab es damals aber noch nicht im kompletten Plural, sondern nur im Genitiv und Dativ: Später veränderte sich diese Gruppe weiter, sodass es zur Endung –en im ganzen Plural kam, aber da war die Nacht schon nicht mehr mit von der Partie, sie hatte sich in Nächte verwandelt.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, warum es Weihnachten heißt, wenn das –en doch nur im Genitiv und Dativ auftauchte. Die Antwort? Weihnachten war einmal eine Konstruktion, und zwar ze den wîhen nachten ‘zu/an den geweihten/heiligen Nächten’. Man feierte nicht nur eine Nacht lang! Die Präposition ze forderte, wie zu heute, den Dativ, und der besaß die Endung.

Diese Konstruktion wurde so intensiv gebraucht, dass die Wörter wîhen nachten zusammenwuchsen und Weihnachten bildeten (das nennt man “Univerbierung”). Dabei bewahrten sie den alten Dativ Plural.