[Lesetipp] Fugen-s auf dem Vormarsch

19. Mai 2011

Heute mal ein Lesetipp in eigener Sache: Die Pressestelle der Uni Mainz hat eine, wie ich finde ganz gelungene, Pressemitteilung zu meinem Promotionsprojekt veröffentlicht. Wer sich also dafür interessiert, woran ich so arbeite, kann es hier nachlesen gehen.


Vokalharmonisches Türkisch

6. März 2011

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Schplockflaute trotz Linguistikleben

31. März 2010

Eigentlich sollte man denken, dass ich momentan vor Schplock-Ideen geradezu übersprudle – immerhin bereite ich gerade elf verschiedene und extrem spannende Prüfungsthemen vor1. Aber nix da, jeder Versuch, darüber zu schreiben, artet in zähe, enzyklopädisch-belehrende Abhandlungen aus.

Dann war Chomsky in Mainz, da könnte man ja auch was drüber schreiben – oh, aber er war so uninspirierend und hat all das gesagt, was man so kennt und was einen nach den faulen Tomaten greifen lässt. (“The Minimalistic program is just an effort to show what’s true is true”, “You don’t have to learn the syntax and semantics [of foreign languages] because it’s there already”, “The entire study of language for 2500 years is kind of off track”) Und dann klumpten sich massenweise Leute hinterher auch noch um ihn herum zusammen und ließen sich Autogramme geben. Peinlich.

Was ist noch passiert in meinem Linguistikleben? Ich war bei einer Projektvorstellung in der Mainzer Akademie der Wissenschaften für das geplante Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands, was superspannend war. Das Wörterbuch soll alle Familiennamen Deutschlands erfassen und etymologisieren (inklusive denen fremdsprachiger Herkunft). Und online verfügbar sein. Und für Laien verständlich formuliert. Ooooh! Also ganz fest die Daumen drücken, dass es bewilligt wird.

Diese Woche war ich für drei Tage bei einem tollen Workshop zu Wort- und Silbensprachen in Freiburg. Übrigens interessant, wie die badische Identität in Freiburg immer und überall betont wird – da wird man auf einem Plakat an der Uni Willkumme geheißen, auf der Speisekarte gibt’s Brägele (Brägili) und Schäufele (Schiifili), und Versicherungsunternehmen und Banken bemühen sich um Werbesprüche, die irgendwo badisch beinhalten.

Da der Workshop ein sehr spezielles Thema hatte, lässt er sich kaum für’s Schplock ausschlachten. (Einen Lesetipp zum Thema hatte ich hier ja schon.) Einen großartigen Schweizerdeutschen Satz aus dem Vortrag von Beat Siebenhaar will ich euch aber auf keinen Fall vorenthalten: blitstststsu:g Übersetzungsversuche willkommen!

So, das nächste Mal hoffentlich etwas kohärenter. Bis dahin ein Verweis auf meine letztjährige Osterreihe.

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Es war einmal … das Mittelhochdeutsche

9. Oktober 2009

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도서관 – Koreanische Konsonanten

17. September 2009

Angeregt durch den Bibliotheksartikel will ich noch ein bißchen mehr zu Schriftsystemen sagen – heute über das koreanische Alphabet.

Ich habe ja mal ein Semester Koreanisch an der Uni gelernt. Das ist alles, was ich noch kann:

2009-09-17-KoreanischIch muss allerdings zugeben, dass ich nie besonders viel mehr konnte. Aber natürlich fand ich die Stunden aus linguistischer Sicht superspannend, nicht zuletzt die Schrift.

Das Koreanische hat eine Alphabetschrift, das heißt jedes Zeichen steht für einen bestimmten Laut. Allerdings sind diese Zeichen nicht, wie in der lateinischen Schrift, linear angeordnet. Statt dessen bilden alle Laute, die zu einer Silbe gehören, einen kleinen Block. Diese Blöcke werden dann zu Wörtern und Sätzen aneinandergereiht. Hier das koreanische Wort für ‘Bibliothek’:

2009-09-17-doseogwan

도서관

Es besteht aus drei Silben: 도 do, 서 seo und 관 gwan. (Die Umschrift ähnelt der wirklichen Aussprache aber nur bedingt – wer sich’s anhören will, kann hier nach „library“ suchen.)

Diese Silben bestehen wiederum aus mehreren Buchstaben:

  • 도 aus ㄷ und ㅗ,
  • 서 aus ㅅ undㅓ,
  • 관 aus ㄱ, ㅘ und ㄴ

Die Zeichen sehen verschieden aus, je nachdem wie viel Platz sie in der entsprechenden Silbe haben bzw. an welcher Stelle sie stehen. Manchmal sind sie langgezogen, machmal eher gestaucht.

Eine geschriebene Silbe ist übrigens nicht immer auch eine gesprochene Silbe. Der letzte Konsonant einer Schreibsilbe wird nämlich gesprochen zum ersten Konsonanten der Folgesilbe, wenn die sonst mit einem Vokal anfangen würde.

Das richtig Interessante an der Schrift ist aber, dass sie nach linguistischen Kriterien konzipiert wurde. Die europäischen Alphabetschriften sind ja aus Zeichen entstanden, die ursprünglich mal Gegenstände abbildeten. Erst nach und nach begannen sie für Laute zu stehen.

Die Hangeul – so heißen die koreanischen Buchstaben – sind aber nicht einfach so „entstanden“, sie wurden bewusst entwickelt. Das geschah unter König Sejong Mitte des 15. Jahrhunderts. Bis dahin schrieb man Koreanisch ausschließlich mit chinesischen Schriftzeichen, die sich a) nicht besonders dazu eigneten und die b) sehr schwer zu erlernen waren. Es dauerte allerdings noch bis ins 20. Jahrhundert, bis sich die Hangeul wirklich durchsetzen.

Das koreanische Alphabet hat 40 Buchstaben: 21 Vokale und 19 Konsonanten.

Die Konsonanten gehen auf 5 Grundzeichen zurück:

2009-09-17-Grundzeichen

(nach Hoppmann 2007)

Die Zeichen stellen dar, wie die Sprechorgane beim Sprechen geformt sind. Die ersten drei Zeichen stellen die Lage der Zunge in einem seitlichen Querschnitt durch den Mundraum dar, das vierte die Position der Lippen in der Draufsicht, das fünfte die Glottis.

2009-09-17-1 Der Zungenrücken berührt den hinteren Gaumen (Velum). Das ist der Fall bei velaren Lauten:
ㄱ [k], ㅋ [kʰ]
2009-09-17-2 Der Zungenkranz (Korona) berührt den vorderen Gaumen. Das ist der Fall bei koronalen Lauten (wobei die Sibilanten ein Extrazeichen haben):
ㄴ [n], ㄷ [t], ㅌ [tʰ], ㄹ [ɾ, l] (Aussprache von [ɾ] hören: hier)
2009-09-17-3 Die Zunge schafft eine Verengung vor bzw. an den oberen Schneidezähnen. Das ist der Fall bei Sibilanten (Zischlauten):
ㅅ [s], ㅈ [tɕ], ㅊ [tɕʰ] (Aussprache von [ɕ] hören: hier)
2009-09-17-4 Die Lippen berühren sich. Das ist der Fall bei bilabialen Lauten:
ㅁ [m], ㅂ [p], ㅍ [pʰ]
2009-09-17-5 Der Laut wird an der Stimmritze (Glottis) gebildet. Das ist der Fall bei glottalen Lauten:
ㅇ [ʔ, ŋ], ㅎ [h] (Aussprache von [ʔ]: hier, von [ŋ]: hier)

Neben der Grundform beinhalten viele Zeichen auch noch weitere Striche, die ebenfalls Funktionen haben. Ein zusätzlicher Querstrich zeigt z.B. Aspiration an, das heißt der Laut wird behaucht: ㅋ [kʰ], ㅌ [tʰ], ㅊ [tɕʰ], ㅍ [pʰ], ㅎ [h].

Zu den Vokalen schreibe ich ein andermal was, da wird’s nämlich ein bißchen esoterisch ;)