Fremde Wörter, fremde Schrift

19. Oktober 2011

Beim Stöbern in alten Drucken stößt man immer mal wieder auf interessante Dinge. Recht bekannt ist ja die funktionale Schriftartenteilung:

Während gebrochene Schriften für den deutschen Text eingesetzt wurden, wurden in vielen Drucken Antiquaschriften (unsere heutiger Normalfall) für Fremdwörter benutzt. Ein willkürlich gewähltes Beispiel:

... im Colloquio zu Leipzig ... (1559)

Schon spannender wird es, wenn man sich anschaut, wo die Grenzen der Fremdwortmarkierung verlaufen: Was der eine Drucker klar erkennt, ist für den anderen nicht weiter bemerkenswert. So stehen hier zwei Fremdwörter nebeneinander, von denen nur das erste (Interims) als solches markiert wurde, während publication (oder auch in der Zeile drüber Adiaphoris) unmarkiert bleibt:

... erst nach des Interims publication vorgenommen worden ... (1559)

In diesem Text hingegen wurde satisfaction ‘Befriedigung’, das dem selben lateinischen Muster folgt, klar hervorgehoben:

... als in welchem Buche du völlige satisfaction finden würdest. (1712)

Interessant auch, dass hier der flämische Name Verheyen ebenfalls als fremd markiert wird. (Sein Buch, von dem im Textausschnitt die Rede ist, ist in der deutschen Übersetzung hier zu finden, der Herr ist dieser.)

Am besten sind aber die haarspalterischen Drucker. Das sind die, die bemerkten, dass an einem Fremdwort ja nicht alles fremd ist: Den Rest des Beitrags lesen »


Ichi, ni, san …

22. März 2011

Eben habe ich in einem Zeit-Artikel gelesen:

Die zwei Atomanlagen in Fukushima-1 (Daiini) und -2 (Daiichi) wurden nach Angaben des Betreibers Tepco am Tag des Erdbebens vor gut einer Woche von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen.

Bei den Benennungen in Klammern, Daiini und Daiichi, liegt ein bißchen was im Argen. Zunächst mal hat das erste ein i zu viel abbekommen (richtig: Daini). Und dann sind die beiden Wörter vertauscht. Das kann man mit geringfügigen Japanischkenntnissen erschließen: Es reicht, bis zwei zählen zu können. In Daini steckt ni ‘zwei’, in Daiichi steckt ichi ‘eins’.

Und das dai? Den Rest des Beitrags lesen »


[Videotipp] The linguistic genius of babies

15. Februar 2011

Ich bin dieser Tage ganz furchtbar beschäftigt und komme leider kaum zum Schplock – wird aber wieder besser. Spätestens übernächste Woche. (Nächste Woche ist DGfS-Jahrestagung, sieht man da jemanden von euch?)

Inzwischen ein schneller Videotipp: Patricia Kuhl spricht über Spracherwerb. Sehr kurz, aber spannend. (Momentan nur auf Englisch, aber vielleicht kommen ja demnächst noch deutsche Untertitel dazu.)


[Lesetipp] Kleine Auslese

17. August 2010

In letzter Zeit habe ich einiges gelesen, was ich euch nicht unverlinkt lassen will …

Lost in Translation von Lera Boroditsky (die auf dem Foto irgendwie an Bones erinnert) …

… handelt davon, ob Sprache die Art und Weise beeinflusst, wie wir denken. Die Autorin ist Psychologin und hat eine ganze Menge spannende Experimente zu solchen Fragestellungen gemacht, deren Ergebnisse in diesen Text einfließen. Wirklich sehr empfehlenswert. Auch wer sich nicht so für die Theorie dahinter interessiert, wird eine Menge faszinierende Details über Sprachen entdecken.

Do the languages we speak shape the way we think? Do they merely express thoughts, or do the structures in languages (without our knowledge or consent) shape the very thoughts we wish to express?

(Gefunden bei Language Log.)

Von Duden-DNA und einer Außerirdischensprache von Stephan Matthiesen …

… ist eine ganz ungewöhnliche Art von Artikel: ein Bericht über einen wissenschaftlichen Workshop („Language as an Evolutionary System„). Matthiesen gibt einen Überblick über die verschiedenen Standpunkte und Forschungsansätze und liefert am Ende sogar Links und Literaturhinweise: Respekt.

Ob und wie sich das Konzept Evolution auf Sprache übertragen lässt, ist noch völlig offen. Ein Workshop brachte kürzlich verschiedene Ansätze zusammen: Was formt unsere Sprachen?

(Via André auf Facebook und Andre per Mail.)

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[Lesetipp] Silbensprachen versus Wortsprachen

18. August 2009

Dieser Artikel ist ins neue Sprachlog umgezogen und ab sofort hier zu finden!