Willkommen in Raiputsihi!

19. Juli 2009

Kürzlich kam hier jemand her auf der Suche nach einer

deutschlandkarte auf japanisch

Ja, wie kann man so etwas finden? Wahrscheinlich wird ja nicht “Deutschlandkarte” dabeistehen, wenn’s auf Japanisch ist. Ich hatte mehrere semibrillante Ideen, die schiefgegangen sind: In der japanischen Wikipedia hat der Eintrag für Deutschland nur eine deutsche Karte, bei GoogleMaps-Japan sind die Orte in Originalsprache bezeichnet. Dann also doch das Offensichtlichste: Bildersuche bei Google mit dem Suchwort ドイツ (doitsu ‘Deutsch(land)’). Gleich auf der ersten Seite gibt es drei Karten: eine zweisprachige, und zwei rein japanische. Verfeinert man die Suche noch mit den Schriftzeichen für Landkarte, 地図, findet man u.a. noch eine etwas detailliertere zweisprachige Karte.

All diese Karten sind in Katakana beschriftet, also der Schrift für Fremdwörter. Dabei versucht man, den deutschen Klang so gut wie möglich mit den japanischen Lauten und vor allem der japanischen Phonotaktik wiederzugeben.

Phonotaktik bezeichnet die in einer Sprache möglichen Lautkombinationen. Besonders was die Konsonanten anbetrifft, gibt es da zwischen verschiedenen Sprachen große Unterschiede. Im Deutschen können Silben mit mehreren aufeinanderfolgenden Konsonanten beginnen oder enden, wie ʃt-, ʃpr-, ʃl-, kr-, … (stehen, sprechen, schlafen, kriechen) oder –nf, –rm, –ln, –rbst … (Hanf, Arm, streicheln, Herbst). Solche Kombinationen heißen auch “Konsonantencluster”. Im Japanischen gibt es das quasi nicht. Am Anfang einer Silbe können maximal zwei Konsonanten stehen, aber auch nur ganz bestimmte, und am Ende nur einer.

  • Silbenanfang: maximal ein Konsonant+j (geschrieben als <y>) wie in hap-pya-ku ‘800’, gya-ku ‘Gegenteil’
  • Silbenende: nur ein Konsonant wie in jin ‘Mensch’, hap-pya-ku ‘800’ – und wenn der Konsonant nicht n ist, dann geht es auch nur als Teil eines Doppelkonsonanten, d.h. die nächste Silbe muss mit demselben Konsonanten anfangen.

Wenn man mit solchen Silben nun deutsche Wörter erfassen will, wird’s schwierig. Was ist mit einer Stadt wie Stuttgart? Die Lösung ist einfach: Man schiebt ein paar Vokale zwischen die störrischen Kononantencluster: shutut-toga-ruto (シュトゥットガルト). Schwupps, entspricht das Wort den phonotaktischen Regeln des Japanischen. Die Vokale zwischen stimmlosen Konsonanten werden übrigens fast gar nicht ausgesprochen (bzw. sie werden stimmlos, aber dazu ein andermal), so dass der Wortanfang für deutsche Ohren wie scht– klingt. Den Effekt kann man bei diesem Wort, shukudai ‘Hausaufgaben’, hören – es klingt wie shkudai.

Und für alle, die gerne rätseln …

  • ライプツィヒ raiputsihi
  • ガルミッシュ=パルテンキルヒェン garumisshu-parutenkiruhen
  • ボットロプ bottoropu
  • ハノーファー hanoofaa
  • フリードリヒスハーフェン furiidorihisuhaafen
  • ベルリン berurin
  • シュヴェリーン shuveriin

Die Lösungen:

Den Rest des Beitrags lesen »


こんにちは & Guten Tag

10. Juli 2009

Ich habe ja die Suchanfrage katakana guten tag kürzlich zum Anlass genommen, ein bißchen was über japanische Schriftsysteme zu schreiben. Dabei habe ich geschrieben:

Auf Japanisch heißt ‘Guten Tag’ konnichiwa. […] Das wird normalerweise so geschrieben:今日は.

Nun stimmt es auf jeden Fall, dass 今日は (sehr oft auch in Hiragana-Schreibung: こんにちは) benutzt wird, um jemanden zu grüßen. Die Form heißt aber wörtlich nur ‘dieser Tag, heute’ oder ‘was diesen Tag/heute betrifft’. 今 (こん) kon steht für ‘dies’ und 日 (にち) nichi für ‘Tag’. 日 heißt übrigens auch noch ‘Sonne’ und ist ein Teil des Wortes Japan: 日本 nihon (‘Sonnenursprung, -basis’).

Das は ist eine Partikel. (Ja, in der Sprachwissenschaft ist es die Partikel, Mehrzahl die Partikeln.) Japanische Partikeln zeigen die Funktion eines Wortes in einem Satz an. Sie sind also so ähnlich wie Kasusendungen, nur dass sie nicht direkt am Wort kleben, sondern am Ende der betreffenden Wortgruppe (“Nominalphrase”) stehen. Es gibt eine Partikel, die das Subjekt markiert (が ga) und eine, die das Objekt markiert (を o). Es gibt auch eine, die eine Genitivkonstruktion bilden kann (の no) und noch eine Menge mehr mit anderen Funktionen. Hier mal ein Satz:

追いかけていた。
Hund SUBJ Katze OBJ verfolgte

‘Ein Hund verfolgte eine Katze.’

Die Partikel は hat eine interessante Funktion: Sie ist ein Topikmarker.

Weil das Topik im Deutschen meistens auch gleichzeitig das Subjekt des Satzes ist, haben deutsche JapanischlernerInnen oft enorme Probleme damit, den Unterschied zwischen der Subjektpartikel が und der Topikpartikel は zu verstehen. Ganz grob vereinfacht markiert die Topikpartikel den Teil des Satzes, über den eine Aussage getroffen wird. Wenn sich z.B. in einer Runde Leute vorstellen und man sagt 私クリスチーンです (ich TOP Kristin bin) ‘Ich bin Kristin’ dann benutzt man は um zu betonen, dass es jetzt um einen selbst geht. Also als würden sich im Deutschen Hanspeter, Caroline, Fritz und Bettina schon vorgestellt haben und dann sage ich „Ja, und ich bin Kristin“ oder „Ich bin Kristin“. Dabei betont man also den Gegensatz zu allen anderen. Das ist nur eine Funktion des Topiks, ich belasse es jetzt aber mal dabei.

Als Hilfskonstruktion um den Unterschied zum Subjekt deutlich zu machen, benutzt man beim Erklären oft die Wendung was X betrifft … Das allerdings ist nicht besonders elegant und keine gute deutsche Übersetzung des japanischen Satzes.

Bei 今日は ist das は ein Hinweis darauf, dass es sich wahrscheinlich einmal um einen Satzteil gehandelt hat, man mittlerweile aber nur noch den Anfang sagt – das, worüber man eine Aussage treffen will. Ich habe leider kein etymologisches Wörterbuch für’s Japanische (und wenn, könnte ich es wohl nicht lesen), aber ich habe ein bißchen gegooglet und z.B. diese Erklärung gefunden:

btw, こんにちは does actually just mean Today……
It’s adoption as a greeting is customary; it is used as an entry into a conversation:
こんいちは、どうですか?
So, how are you / how are things today?
The abbreviation to its use as a greeting similar to Hello or Good Day is an adopted custom.

Danach kommt es also von Wie geht’s heute? Da im selben Eintrag aber ein Fehler steckt, was Guten Morgen betrifft, bin ich noch etwas skeptisch, ob’s wirklich von genau dieser Konstruktion kommt. Dass da aber mal was gewesen sein muss, halte ich für ziemlich sicher.

Guten Tag im Deutschen hat ja auch einen Teil seines Satzes verloren, nämlich so etwas wie Ich wünsche dir einen guten Tag! Und sogar das guten geht oft unter. Das passiert übrigens in vielen Sprachen und ist ganz natürlich: Oft gebrauchte Grüße müssen kurz sein, man kann ja nicht immer den Riesenaufwand eines ganzen Satzes betreiben.


Japanische Schrift 2: Malen die Japaner gerne?

9. Juli 2009

(Teil 1 | Teil 2)

Heute geht es nach Alphabet-, Silben- und Morenschriften um einen weiteren Typ Schriftsystem: den logografischen.

Bei logografischen Schriftsystemen besteht ein Bezug zwischen dem Bezeichneten und dem Schriftzeichen, aber keiner (bzw. kaum einer) zur Lautgestalt des Wortes. Die japanischen Kanji stellen ein solches System dar. Hier seht ihr das Kanji für Geld:

2009-07-07-kanji

Logografische Zeichen können unterschiedlichen Bildungsprinzipien folgen. Was man direkt erwartet sind Piktogramme, also Bildzeichen: Das Bezeichnete wird direkt abgebildet. Das ist zum Beispiel der Fall beim Zeichen für ‘Pferd’, 馬. Sieht nicht aus wie ein Pferd? Die Zeichen sind natürlich zwischenzeitlich vereinfacht worden. Die Entwicklung kann man sich so vorstellen (nach Foljanty 1984:32):

2009-07-07-Kanjipferd

Dann gibt es Ideogramme, also Sinnzeichen. Sie bestehen aus mehreren Piktogrammen und erhalten durch die Kombination eine neue Bedeutung. So ergibt zum Beispiel ‘Mensch’ 人 und ‘Lanze’ 戈 zusammen die neue Bedeutung ‘angreifen’ 伐. Damit lassen sich auch abstraktere Inhalte darstellen.

Auch Symbolzeichen wie 一 ‘1’, 二 ‘2’, 三 ‘3’ zählen dazu.

Und schließlich sind da noch die Phonogramme, also Lautzeichen. Sie sind ebenfalls aus (mindestens) zwei Kanji zusammengesetzt – dabei liefert eines von ihnen ein wenig Information zur Bedeutung und das andere zur Aussprache. Hier ein Beispiel (nach Foljanty 1985:47):

Das Zeichen für ‚Berg‘ ist 山. Das Zeichen für ‚Kap‘ ist 崎. Es besteht

  1. aus dem Berg-Kanji (links), das für den Bedeutungsteil zuständig ist, also zeigt, dass das neue Wort auch etwas mit Bergen zu tun hat (Wikipedia: “Kap bezeichnet eine auffällige oder scharfe Landspitze, die besonders an Gebirgsküsten gut ausgeprägt sein kann”), und
  2. aus dem Kanji 奇 ‘seltsam, Neugierde’, dessen Bedeutung für das neue Wort völlig irrelevant ist. Wichtig ist aber, wie 奇 ausgesprochen wird, und zwar ki. Das Wort 崎 beinhaltet diese Silbe nämlich, es wird misaki gesprochen. Diesen Kanjibestandteil nennt man Phonetikum, weil er einen Hinweis zur Aussprache gibt.

Die Phonogramme erscheinen oft wie Hexerei ;)

Da die Aussprache nicht an das Schriftzeichen gebunden ist, ist im Japanischen etwas sehr Verrücktes möglich: Ein und dasselbe Schriftzeichen kann auf verschiedene Arten ausgesprochen werden. Das nennt man Lesungen. Die meisten Zeichen haben mindestens zwei Lesungen, und je nach Wort wählt man die eine oder die andere. Da gibt’s grobe Regeln, aber die erspare ich Euch heute lieber.

Es gibt also im Japanischen drei Schriftsysteme: Zwei Morenschriften und eine logografische Schrift. Die Aufgaben sind klar getrennt, sodass die Wahl des Schriftsystems schon Informationen über den Inhalt vermittelt: Bei Kanji rechnet man mit Wortstämmen, bei Hiragana mit grammatischen Informationen und bei Katakana mit Fremdwörtern oder Werbung.


Japanische Schrift 1: Warum Hiragana keine Silben darstellen

7. Juli 2009

(Teil 1 | Teil 2)

Ich habe mal wieder die Suchanfragen durchgeblättert, die zum Schplock führten. Eine davon lautete:

katakana guten tag (24.4.2009)

Auf Japanisch heißt ‘Guten Tag’ konnichiwa. (Zum Anhören dort auf den kleinen Pfeif drücken.) Das wird normalerweise so geschrieben: 今日は. Die ersten beiden Zeichen sind sogenannte Kanji, das letzte Zeichen ist ein Hiragana. In Katakana würde man es so schreiben: コンニチハ. Das tut man aber eigentlich nicht, weil Katakana Schriftzeichen sind, mit denen man Fremdwörter notiert, keine alteingesessenen japanischen Wörter (oder vor Ewigkeiten aus dem Chinesischen entlehnten).

Vielleicht wollte die Person aber auch wissen, wie die deutschen Wörter Guten Tag aussehen würden, wenn man sie auf Japanisch aufschreiben wollte? Da wäre mein Vorschlag: グテン ターク (gu-te-n ta-a-ku).

Ein schöner Anlass, um das mit den Kanji, Hiragana und Katakana mal ein bißchen aufzudröseln:

Drei Schriftsysteme für eine Sprache?

Im Japanischen gibt es drei verschiedene Schriftsysteme. Zwei davon, die Katakana und die Hiragana, sind sich sehr ähnlich, das dritte, die Kanji, ist ganz anders und wird erst übermorgen behandelt ;) Welches Schriftsystem wann verwendet wird, ist klar definiert.

Die Kanji werden verwendet für:

  • Substantive
  • Wortstämme von Adjektiven und Verben

Die Hiragana für:

  • grammatikalische Endungen (Konjugation), Partikeln, Hilfsverben (Okurigana)
  • Wörter, für die kein Kanji mehr existiert
  • als Lesehilfe über/neben schwierigen Kanji (Furigana)

Und die Katakana für:

  • Fremdwörter, die nicht aus dem Chinesischen kommen (auch ausländische Eigennamen)
  • lautmalerische Wörter (Onomatopoetika)
  • zur Hervorhebung (wie Kursivschrift bei uns)
  • in der Werbung häufig für japanische Eigennamen

Die drei Schriftsysteme repräsentieren zwei sehr unterschiedliche Ansätze des Schreibens. Die sich wiederum sehr deutlich von unserer Art unterscheiden:

ABC und Alphabet

Alphabetschriften folgen mehr oder weniger dem Prinzip, dass jeder Laut (bzw. genauer jedes Phonem) durch einen Buchstaben (bzw. genauer ein Graphem) repräsentiert wird. Es besteht also eine Phonem-Graphem-Beziehung. Weder das gesprochene noch das geschriebene Wort haben irgendeinen Bezug zur Wortbedeutung, sie sind dem Bezeichneten gegenüber völlig willkürlich. (Das ist nur bei lautmalerischen Wörtern anders, da ähnelt der Klang dem Bezeichneten.)

2009-07-07-Alphabet

Man sieht hier also, dass zwar die Lautstruktur und die Schreibung von Geld miteinander verknüpft sind, der Bezug der beiden zum realen Objekt aber extra gelernt werden muss.

Die meisten Sprachen der Welt werden in einer Alphabetschrift notiert. Dazu gehört das lateinische Alphabet (a, b, c, …), das sich wie das kyrillische (а, б, в, …) aus dem griechischen Alphabet entwickelt hat (α, β, γ, …).

In Japan benutzt man keine Alphabetschrift, sondern:

Sil-ben-schrif-ten und die ominöse Mo-o-re

Es gibt auch Schriftsysteme, die nicht einen Laut, sondern eine ganze Silbe in ein Zeichen stecken.

2009-07-07-SilbeMoreHier sieht man, dass das japanische Wort für Geld in Hiragana aus zwei Silben besteht, ka und ne, und jede dieser Silben hat ein Zeichen1. Wobei das etwas gelogen ist – es passt zwar zufällig für dieses Wort, aber eigentlich schreibt man bei Hiragana keine Silben, sondern Moren. Moren sind Einheiten, die etwas kleiner sind als Silben. Wenn nämlich eine Silbe einen langen Vokal beinhaltet, dann wird der extra geschrieben.

Mutter heißt auf Japanisch okaasan (お母さん2). Das Wort besteht aus drei Silben:

2009-07-07-okaasan

Es besteht aber gleichzeitig aus fünf Moren. Um Moren zu bestimmen, muss man die Silbe noch einmal in kleinere Teile zerlegen. Wer sich nicht für Silbenstruktur interessiert, kann den nächsten Abschnitt einfach überspringen, aber ich versuche es leicht verständlich zu erklären.

Eine Silbe besteht aus mehreren Bestandteilen. Wichtig für uns ist jetzt mal nur das, was nach dem Konsonanten kommt (falls ein Konsonant am Anfang steht). Wenn es ein kurzer Vokal ist und die Silbe dann zuende ist, haben wir gar kein Problem, Silbe und More sind identisch. Das ist z.B. beim o von okaasan so. Deshalb bekommt das o auch nur ein einziges Hiragana, nämlich お.

Wenn aber ein langer Vokal folgt wie bei kaa, oder sogar ein Konsonant wie bei san, verhält sich die Sache anders. Bei Langvokalen zählt nur der halbe Vokal zur ersten More, die andere Hälfte bildet die zweite More: ka|a. Dadurch bekommen beide Teile ein eigenes Zeichen: か ka und あ a.

Bei Konsonanten am Silbenende zählt der Konsonant ebenfalls als Extramore: sa|n mit den Zeichen さ sa und ん n.

In Hiragana hat das Wort also fünf Zeichen: okaasan. (Yeah, ich wollte schon immer mal ne retro-bonbonbunte Seite!)

Eine Sprache mit echter Silbenschrift ist zum Beispiel das Cherokee.

Übermorgen geht’s dann weiter mit den Kanji …

Den Rest des Beitrags lesen »


Japaner kein Ch-Champion?

30. März 2009

Das BILDblog hat heute einen Beitrag veröffentlicht, in dem es um fehlerhafte Wortersetzungen in der Bild geht. Einer der Artikel handelt von einem Japaner namens Hasebe, der bei Wolfsburg Fußball spielt. Bild schreibt zu seiner deutschen Aussprache:

Mittelfeldmann Makoto Hasebe (25) kann das “ch” nicht aussprechen, z.B. also Champions League. Sein Dolmetscher Yunpei Yamamori: “Diesen Laut gibt es im Japanischen nicht.” Stattdessen kommt bei ihm immer ein “F”.

Seltsam, denkt man sich – das <ch> in Champions League wird doch als tsch (IPA: [tʃ]) ausgesprochen, und mit diesem Laut sollten JapanerInnen eigentlich kein großes Problem haben, besitzen sie doch einen, der ausreichend ähnlich klingt, das [ʨ]. Urteilt selbst – wer keine Sprache mit diesem Laut spricht, wird ihn ziemlich sicher für ein [tʃ] halten: お茶 ocha `Tee‘ (auf das dritte Wort von oben klicken).

Lesen wir mal weiter …

Das Sprachproblem amüsierte die Mannschaft beim Frühstück. Hasebe bestellt “Grape-FruFFt statt “Grape-FruCHt.

Der Verdacht bestätigt sich: Es ist gar nicht der [tʃ]-Laut gemeint, sondern der [χ]-Laut. Also das, was in deutschen Wörtern als <ch> geschrieben wird, nicht das, was in englischen Wörtern als <ch> geschrieben wird. Oder sprechen die Bildredakteure etwa Champion wie Chemie aus?

Den [χ]-Laut, wie er in Grapefrucht (was ich eh nur als Grapefruit oder Pampelmuse kenne) vorkommt, existiert im Japanischen tatsächlich nicht.1

Wie kommt es jetzt aber zum [f]?

Im Japanischen gibt es fünf Vokale, die (fast) immer auf einen Konsonanten folgen. So entstehen z.B. die Silben ha, hi, ho, he, hu. Das u ist aber kein [u] wie im Deutschen, der Laut klingt etwas anders. Man notiert ihn in IPA als [ɯ] und er klingt wie ein [u] wenn man dabei die Lippen nicht rundet. Wenn [h] vor diesem Laut steht, wird es zu einer Art [f] – ganz genau zu einem [ɸ]. Nah genug an [f] dran, um ihn dafür zu verwenden (wie auch schon mit [ʨ] und [tʃ]).

2009-03-30-ipazeichen2[ɸ] kommt also eigentlich nur vor [ɯ] vor. Trotzdem kann Herr Hasebe es auch anderswo im Wort aussprechen, z.B. bei Grapefruɸt, wo er das [χ], das seine Sprache nicht hat, durch das [ɸ] ersetzt, weil es einigermaßen ähnlich klingt.

Wie kam es also zur Champions League? Ich vermute2, dass Bild das Wort nur deshalb gewählt hat, weil es aus dem Bereich Fußball kommt und es vielleicht lustig klingt, dass ein Fußballer ein so wichtiges Wort nicht aussprechen kann. Man ging also einfach nach dem vermeintlichen Prinzip “Was gleich geschrieben wird, wird auch gleich ausgesprochen” und ersetzte den wirklichen Aussprachefehler bei Grapefrucht durch den eingebildeten bei Champions League.

Dass Hasebe weder das [tʃ] noch das [χ] aussprechen können soll, erscheint mir extrem unwahrscheinlich. Oder sagt er nicht nur Grapefruft, sondern auch Fambions League?

Den Rest des Beitrags lesen »