[Ostern] Ostern

12. April 2009

Ostern ist nicht nur etymologisch interessant, sondern auch vom Wortmaterial her: Es gab einmal einen Singular, die Oster, heute ist aber nur noch der Plural Ostern gebräuchlich. Den man gelegentlich auch wieder als Singular verwenden kann: das Ostern.

Ostern 1987 - noch kein Interesse an Etymologien

Ostern 1987 – noch kein Interesse an Etymologien

Woher das Wort kommt, ist nicht so eindeutig. Es ist auf jeden Fall verwandt mit Osten als dem Ursprung der Sonne und bezieht sich wahrscheinlich auf eine vorchristliche Gottheit der Morgenröte, auf jeden Fall aber auf das Längerwerden der Tage und den Frühling. Morgenröte, Auferstehung, der Weg war nicht weit und die Übertragung auf das christliche Fest schnell erledigt. Im Althochdeutschen hieß das Fest ôst(a)râ, im Mittelhochdeutschen ôster. Der Monat April hieß übrigens früher einmal ôstermânôth, angeblich so benannt durch Karl den Großen. (Zu den Monatsnamen auch: Wunderland Deutsch.)

Die europäischen Sprachen sind, was Ostern angeht, nicht so variantenreich:

  • Das Englische hält es mit dem Deutschen (Easter).
  • Die meisten Sprachen haben aus dem Hebräischen/Aramäischen entlehnt (ich zitiere keine Urform, da ich keine zuverlässige Quelle habe), und zwar die Bezeichnung des jüdischen Pessach-Festes, mit dem Ostern nicht von ungefähr zeitlich und kausal in Bezug steht: Dänisch (Påske), Spanisch (Pascua), Finnisch (Pääsiäinen), Französisch (Pâques), Italienisch (Pasqua), Niederländisch (Pasen), Norwegisch (Påske), Rumänisch (Paşti), Russisch (Пасха), Schwedisch (Påsk)
  • Ungarisch (Húsvét): hús heißt auf jeden Fall ‘Fleisch’, die Zusammensetzung wahrscheinlich ‘Fleisch nehmen/kaufen’, aber die Bedeutung stammt nur aus dem Internet, also wer weiß. Wäre aber logisch, die Fastenzeit ist da nämlich vorbei.
  • Mit Bezug auf die Nacht, wie an Weihnachten auch, gibt es ‘große Nacht’ im Polnischen (Wielkanoc) und Tschechischen (Velikonoce). Im Lettischen (Lieldienas) ist hingegen der Tag groß.

Hier gibt es übrigens eine ganze Sammlung von Osterbezeichnungen in verschiedenen Sprachen.


[Ostern] Karfreitag

10. April 2009

Hier haben wir doch noch einen Tag, der den Kummer ausdrückt, mit dem es am Gründonnerstag nichts wurde. Kar- geht auf althochdeutsch kara ‘Kummer, Sorge’ zurück (übrigens verwandt mit dem englischen care). Ein Blick in Grimms Wörterbuch zeigt aber, dass das Wort Kartag ursprünglich nicht allgemein einen traurigen Tag bezeichnete, sondern einen ganz bestimmten traurigen Tag: den “tag an welchem ein verstorbener unter klaggeschrei beerdigt und dann das leichenmahl gehalten wird” (DWB). Im Zimbrischen, einer deutschen Sprachinsel in Italien, hat es diese Bedeutung noch heute.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Der Karfreitag ist also einfach der Tag, an dem Jesus dem christlichen Glauben nach starb und prompt beerdigt wurde. Im Mittelhochdeutschen hieß der Tag karvrîtac oder schlicht kartac.

Auch heute habe ich mich ein bißchen im restlichen Europa umgesehen:

  • ‘heiliger Freitag’: Spanisch (Viernes Santo), Französisch (Vendredi saint), Italienisch (Venerdì Santo)
  • ‘guter Freitag’: Niederländisch (Goede Vrijdag), Englisch (Good Friday) – Zumindest im Englischen kommt es von der ursprünglichen Bedeutung ‘heilig’.
  • ‘großer Freitag’: Russisch (Великая пятница), Tschechisch (Velký pátek), Polnisch (Wielki Piątek), Ungarisch (Nagypéntek), Estnisch (Suur reede), Rumänisch (Vinerea Mare)
  • ‘Leidensfreitag’: Rumänisch (Vinerea Patimilor)
  • ‘langer Freitag’: Schwedisch (Långfredagen), Dänisch (Langfredag), Norwegisch (Langfredag), Finnisch (Pitkäperjantai) – Im Englischen scheint es auch einmal einen Long Friday gegeben zu haben, “due to the long fast imposed upon this day”.  Ob das die richtige Etymologie ist, weiß ich allerdings nicht.

[Ostern] Gründonnerstag

9. April 2009

So, jetzt wird hier mal wieder ein bißchen etymologisiert! Die Karwoche bietet dafür ja wirklich mehr als genug Gelegenheit – los geht’s mit dem Gründonnerstag. In meiner Kindheit wurde immer behauptet, das Erstglied gehe auf mittelhochdeutsch grînen ‘den Mund weinend/knurrend/winselnd/lachend verziehen’ zurück und drücke quasi die Traurigkeit über die Gefangennahme Jesu aus. Weil greinen im Alemannischen heute noch ein das Wort für ‘weinen’ ist, erschien mir diese Erklärung immer sehr einleuchtend.

2009-04-09-grunDoch Kluge hat eine Überraschung parat: Im Mittelhochdeutschen gab es die Fügung der grüene donerstac bereits und somit einen eindeutigen Bezug zur Farbe Grün. Aber was hat das Grün mit diesem Tag zu tun? Kluge und die Grimms sagen: In religiöser Hinsicht kaum etwas.

die deutung von gr. bleibt umstritten, doch ist der name sichtlich eher volksthümlichen als kirchlichen gepräges (DWB)

Beide bieten als mögliche Erklärung an, dass es Brauch war, an diesem Tag (grüne) Kräuter zu essen:

das reich und vielfältig entwickelte brauchthum am gr., der genusz heilbringender kräuter, das gründonnerstagsei (antlaszei), der gr. als termin der säens und pflanzens u. s. w., [...], läszt wie bei ostern an einen nachhall vorchristlicher übung denken; ob ihm, wie HOLTZMANN [...] vermutet, ein Donarsfest im mai zugrunde liegt, bleibt unerweislich (DWB)

Ist die schöne Theorie vom Greinen also wirklich nicht zu retten? Muss der Gründonnerstag den Heiden überlassen werden? In den kryptischen Literaturangaben Kluges findet sich doch noch ein Minihinweis auf eine alternative Etymologie mit einem ganz ähnlich klingenden Wort – momentan habe ich aber keine Zeit (Habe ich erwähnt, dass ich scheinfrei bin?), die entsprechenden Zeitschriften und Bücher herauszusuchen:

“HWDA 3 (1931), 1186 f. Anders (Umdeutung von ahd. grun stm./stf. ‘Jammer, Unglück’): H. Jeske SW 11 (1986), 82-109; LM 4 (1989), 1752 f.”

Letztlich bleibt also rätselhaft, wie der Tag zu seiner Farbe kam. Ich habe mich mal in anderen Sprachen Europas umgesehen um herauszufinden, was noch als Benennungsmotiv dienen kann:

  • ‘heiliger Donnerstag’: Spanisch (Jueves Santo), Italienisch (giovedì santo), Französisch (jeudi saint), Russisch (свято́й четве́рг)
  • ‘großer Donnerstag’: Polnisch (Wielki Czwartek), Ungarisch (Nagycsütörtök), Estnisch (Suur neljapäev), Rumänisch (Joia Mare)
  • ‘weißer Donnerstag’: Niederländisch (Witte Donderdag) – wahrscheinlich wegen der liturgischen Farbe Weiß.
  • ‘Fußwaschungsdonnerstag’: Englisch (Maundy Thursday)
  • ‘Reinigungsdonnerstag’: Schwedisch (Skärtorsdagen), Norwegisch (Skjærtorsdag), Dänisch (Skærtorsdag) – schwed. skära und seine Entsprechungen heißen eigentlich ‘schneiden’, haben hier aber wohl eine andere Bedeutung.

Aber der grüne Donnerstag ist doch nicht ganz einmalig:

  • Tschechisch: Zelený čtvrtek. Die tschechische Wikipedia suggeriert irgendeine Art von deutschem Einfluss (inklusive greinen), aber mehr konnte ich nicht erraten. Wenn hier jemand Tschechisch kann … [breaking news: Meine Freundin Esther hat's übersetzt: Der zitierte Bischof behauptet tatsächlich, es käme vom deutschen Greindonnerstag, der durch Lautvertauschung zum Gründonnerstag geworden sei. Quellen gibt er dazu aber keine an, es ist also Vorsicht geboten. Auch lustig: In Tschechien scheint man am Gründonnerstag traditionell Spinat zu essen.]
  • Rumänisch: Joia Verde. Ist neben Joia Mare (s.o.) in meinen Wörterbuch angegeben. Ich könnte mir einen deutschen Einfluss über die Siebenbürger Sachsen gut vorstellen, will mich aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Bezeichnungen in weiteren Sprachen herzlich willkommen! Jens ja Linda, wie ist es mit Finnisch? Ich bilde mir ein, die Wortgrenze gefunden zu haben (Kiiras|torstai), komme aber mangels Strukturwissen nicht auf die Nennform des Erstglieds.


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