[Lesetipp] Das Gehirn lernt mehrere Sprachen gleichzeitig

11. März 2011

Kluge Artikel über Sprache scheinen Konjunktur zu haben! Hier schnell ein Hinweis auf ein schönes Interview aus dem Spiegel mit Petra Schulz über Zweisprachigkeit im Fall von Deutsch und Türkisch – ein Sprachpaar, das in der öffentlichen Wahrnehmung bekanntermaßen ziemlich unfair behandelt wird. Sie bringt es auf den Punkt:

Wir leben mit einer Doppelmoral. Wir freuen uns, wenn jemand mit Deutsch und Chinesisch aufwächst oder mit Deutsch und Englisch. Dafür gibt es Schulterklopfen. Warum nicht Deutsch und Türkisch?


[Videotipp] The linguistic genius of babies

15. Februar 2011

Ich bin dieser Tage ganz furchtbar beschäftigt und komme leider kaum zum Schplock – wird aber wieder besser. Spätestens übernächste Woche. (Nächste Woche ist DGfS-Jahrestagung, sieht man da jemanden von euch?)

Inzwischen ein schneller Videotipp: Patricia Kuhl spricht über Spracherwerb. Sehr kurz, aber spannend. (Momentan nur auf Englisch, aber vielleicht kommen ja demnächst noch deutsche Untertitel dazu.)


[Veranstaltungstipp] Chomsky in Mainz

3. März 2010

Am 24. März kommt Noam Chomsky nach Mainz – im Rahmen einer Vorlesungsreihe, die dann das ganze Sommersemester über mit Angela Friederici stattfindet: “Sprache und Gehirn. Zur Sprachfähigkeit des Menschen”. Die Mainzer unter Euch werden’s sicher schon mitbekommen haben, aber vielleicht interessiert es ja auch Leute aus der Nähe.


[Videotipp] Affen, Kleinkinder und Kommunikation

22. Februar 2010

Sooo, ich bin schon mit einem Bein aus der Tür, denn morgen geht’s in aller Frühe zur DGfS-Jahrestagung nach Berlin. Juhu!!!
Damit euch in der Zwischenzeit nicht langweilig wird, gibt’s einen kleinen Videotipp (mit Dank an Memo).

Michael Tomasello, dem es sich immer zuzuhören lohnt, sprach 2006 in Paris in einer vierteiligen Vorlesungsreihe über Kommunikation und warum sie bei Menschen so anders ist als bei Menschenaffen. Technisch versierte Leute haben es aufgezeichnet und online gestellt. Naja, vielleicht nicht ganz so versiert, denn das erste Video hat leider eine ganz schlechte Klangqualität, das vierte ist auch nicht ganz so doll.

Es gibt viele lustige Videos von Affen und Kleinkindern und viele lehrreiche Erkenntnisse über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden.

Hier geht’s zur Übersicht der Videos, hier finden sich auch noch kurze Inhaltsangaben.

Wer sich für das Thema zwar interessiert, aber dazu keine englischen Videos angucken mag, kann ja mal einen Blick in dieses (für Laien anspruchsvolle!) Buch werfen:

Michael Tomasello (1999): Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Aus dem Englischen übersetzt von Jürgen Schröder. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.


									

Europawahl ist Sprachenwahl?

7. Juni 2009

So, alle Wahllokale geschlossen? Dann kann ich ja.

Ich saß letzte Woche ratlos vor dem Europawahlzettel, fasziniert von all den kreativen Parteien. Nicht gewählt, aber mit Interesse zur Kenntnis genommen habe ich die Partei auf dem Listenplatz 24:

Europawahl 2009

Europawahl 2009

(Die auf 25 war aber auch lustig.)

Ich habe die deutsche Homepage von EDE gefunden – komischerweise scheint es sie nicht auf Esperanto zu geben (dafür aber ihre europäische Seite). Die Politik scheint eigentlich nur darin zu bestehen, für Demokratie zu sein (nicht sehr profilbildend) und Esperanto als Sprache der europäischen Verständigung vorantreiben zu wollen. Die Begründung für letzteres ist die, dass eine Nationalsprache als Hauptverständigungssprache deren Muttersprachler über Gebühr bevorzugt. Mit Esperanto macht man es also laut EDE für alle schwerer und somit fairer, weil alle eine Fremdsprache sprechen. Die Frage ist allerdings, ob es wirklich für alle gleich schwer würde, oder ob nicht doch wieder bestimmte Muttersprachler bevorzugt würden …

“Das Lernen [von Esperanto] wird zudem dadurch noch weiter vereinfacht, dass die Wortstämme vor allem aus romanischen und germanischen Sprachen entlehnt sind. Somit versteht der durchschnittlich gebildete deutsche Lerner einen erheblichen Teil des Wortschatzes – ganz ohne Lernaufwand.” (Quelle, Hervorhebungen von mir)

So, das ist also fair? Ja, viele Sprachen, die in Europa gesprochen werden, sind germanische oder romanische Sprachen. Aber bei weitem nicht alle. Es gibt in der EU nämlich auch folgende Amtssprachen (Regional- und Minderheitensprachen berücksichtige ich gar nicht erst):

  • Slawischen Sprachen (Polnisch, Tschechisch, Bulgarisch, Slowakisch, Slowenisch, Kroatisch – letzteres nur als regionale Amtssprache in Österreich)
  • Irisch-Gälisch, eine keltische Sprache, gesprochen in Irland und diverse keltische Sprachen in Großbritannien
  • Baltische Sprachen (Lettisch und Litauisch)
  • Griechisch, das einen eigenen Sprachzweig bildet, gesprochen in Griechenland und auf Zypern
  • Baskisch, gesprochen in Spanien, eine isolierte Sprache (d.h. dass keine mit dem Baskischen verwandten Sprachen existieren) – ist allerdings nur eine regionale Amtssprache
  • Malti, gesprochen auf Malta, eine semitische Sprache
  • Estnisch, Finnisch, Ungarisch, die finno-ugrischen Sprachen
  • Türkisch, gesprochen auf Zypern, eine Turksprache

Hier noch einmal visualisiert – die “Randgruppen” sind klar zu erkennen:

2009-06-07-NichtgermromEuropa3

(modifiziert nach Wikipedia)

Ich will niemandem das Esperanto schlechtreden, dazu verstehe ich auch viel zu wenig davon – aber dass es eine “neutrale” Sprache geben kann, die für Sprecher aller Sprachen in der EU mit einem ähnlichen Lernaufwand verbunden ist, bezweifle ich dann doch. Und dass es jetzt noch eine Chance hat, zur EU-Sprache aufzusteigen, erst recht. Nichtsdestotrotz eine interessante Sprache, in die es sich durchaus lohnt, mal reinzuschnuppern: