Anglizismus des Jahres 2011: Shitstorm

13. Februar 2012

Ihr habt es auf dem ein oder anderen Weg bestimmt schon mitbekommen: Der Anglizismus des Jahres 2011 ist gewählt! Auf den ersten Platz hat es Shitstorm geschafft, zu dem anderswo schon viel geschrieben wurde (Laudatio, AdJ 2010, AdJ 2011) und das auch der Favorit des Publikums war.

Den zweiten Platz hat Stresstest gemacht (Besprechung im Sprachlog). Das war auch einer meiner Top-3-Kandidaten (unter uns gesagt, der topste davon), und weil bisher quasi alle Medien meine Begründung dafür bis zur Unkenntlichkeit verkürzt haben, kriegt Ihr sie hier in voller Länge. Nicht furchtbar kreativ, aber komplett:

Die Bildung gefällt mir besonders gut, weil das Wort auf den ersten Blick gar nicht so fremd aussieht: Sowohl Stress als auch Test sind schon lange bestens integriert. Dass das Kompositum, neben älteren Bildungen, neu entlehnt wurde, wird an der Verwendung im Sinne von ‚Überprüfung der physischen Belastbarkeit‘ deutlich. Dabei hat das Simplizium Stress diese neue Bedeutung (noch) nicht angenommen, sie bleibt auf das Kompositum beschränkt.
Ein leichtes Minus muss das Wort bezüglich der semantischen Lücke in Kauf nehmen: Den extrem ähnlichen Belastungstest gab es bereits. Die Motivation für die Entlehnung dürfte damit eine andere gewesen sein.

Der dritten Platz ist mit circeln besetzt, ein Kandidat, dem ich, ganz ehrlich, gar nichts abgewinnen kann. Andere schon. Hm, wer weiß, vielleicht überrascht er mich ja eines Tages doch noch positiv.

So, das war’s für 2011. Hat Spaß gemacht, war aber auch eine Art ganz persönlicher Stresstest. Was Euch anbelangt: Gehet hin und entlehnet neue Kandidaten für den AdJ 2012!


[Anglizismus des Jahres] Publikumsabstimmung

6. Februar 2012

Für alle, die’s noch nicht mitbekommen haben: Noch bis einschließlich 11.2. läuft die Publikumsabstimmung für den Anglizismus des Jahres 2011! Noch sind 16 Wörter im Rennen, nämlich

-gate, Barcamp, circeln, Cloud, Contentfarm, Cyberkrieg/-war, Euro-Bonds, Hacktivism, Haircut, Masterand, Occupy, Post-Privacy, Scripted Reality, Shitstorm, Stresstest, Tablet

Ich bin gerade dabei, mir für die Juryabstimmung eine Meinung zu bilden und finde es ziemlich schwierig. Ganz ehrlich: Eigentlich haut mich kein Kandidat so richtig um. Bei einigen sehe ich Potenzial für in ein, zwei Jahren, hmja. Aber mal schauen, zu welchen Erkenntnissen ich heute Nacht gelange, wenn ich alle Blogbeiträge der Jury noch einmal gründlich gelesen habe.


[Veranstaltungstipp] Einladung zur STaPs

2. Februar 2012

Ihr Lieben, heute ein Veranstaltungstipp für alle unter euch, die über irgendwas mit Linguistik promovieren: Ende März (30./31.) findet an der Uni Luxemburg
die erste STaPs
(Sprachwissenschaftliche Tagung für Promotionsstudierende)

statt. Ich freu mich schon total!

Die Grundidee ist, sich in einer lockeren Runde zu treffen, zu erzählen, woran man grade arbeitet und welche Probleme man so damit hat und mit den anderen darüber zu diskutieren. Es geht also nicht um die Präsentation fertiger Ergebnisse oder komplexer Details, sondern darum, sich Anregungen zu holen. Die STaPs ist offen für alle Richtungen der Linguistik, wichtig ist das Interesse am Austausch.

Zusätzlich soll es noch kleine methodische Workshops geben, z.B. zur Arbeit mit Praat oder bestimmten Korpora etc. Das hängt natürlich sehr von den Teilnehmenden ab, also mal schauen, und natürlich kriegen wir auch einen kleinen Einblick in die Forschung an der Uni Luxemburg.

Ein Tagungsbeitrag wird nicht erhoben, man muss also nur für Anreise, Übernachtung (z.B. in der Jugendherberge) und Verpflegung sorgen.

Wer auf der STaPs was erzählen will, sollte bis zum 15.2. ein Abstract an das lokale Orgateam schicken. Anmelden kann man sich noch bis zum 1. März. Ach ja, eine Facebookgruppe haben wir auch.


Zur Erlustigung was über frühneuhochdeutsche Grammatikschreibung

6. Januar 2012

(Hinweis: Die orangen Passagen wurden nachträglich geändert/hinzugefügt.)

Hach, wie schön es sich über Sprache schwärmen lässt … hier aus Der Hóchdeutsche Schlüszel zur Schreibrichtigkeit oder Rechtschreibung (Samuel Butschky, Leipzig 1648), weitgehend wortwörtlich von Herrn Schottelius geklaut:

Sehr wohl vergleicht Herr
Schottel / unsere Hóchdeutsche
Haupt= und Heldenspráche / einem
ansehlichen/fruchtbringendenBau=
me / welcher seine saftreiche Wur=
tzeln/ tief in den Erdbóden / und da=
rinn weit ausgestrekt / also / daß er
die Feuchtigkeit / und das Mark der
Erden / vermittels seiner äderlein/
an sich zeucht ; seineWurtzeln/durch
ein fruchtreiches saftiges Naß /
zeucht ‚zieht‘
durchhärtet/tauerhafft macht / und
sich selbst in die Natur einpfropffet:
Denn die Wurtzeln / und saftige
Stamwörter / unserer Spráche /
haben den Kern/und das Mark/aus
der Vernunft gesogen / und sich auf
die Hauptgründe der Natur ge=
stammet: ihren Stamm aber lassen
sie hóch empor ragen ; ihre Zweige/
tauerhafft ‚dauerhaft‘
und Reiserlein / in unaussäglicher
Menge/ in steter Gewißheit / wun=
dersamer mannigfaltigkeit / und an=
sehlicher Pracht heraus wachsen /
also/daß die Erlustigung an diesem
Wunderstükke / könne stets völlig/
Reiserlein ‚Ästchen‘
und die Genüßung dero süssesten
Früchte / unendlich seyn.
Genüßung ‚Genuss‘

Viel Blabla? Die ganze Baummetapher klingt zwar sehr abgedreht, aber wenn man genau hinliest und nachschaut, wovon im Text drumherum die Rede ist, wird klar, dass Wurzeln, Stamm, Äste und Reiser den Komplexitätsgrad von Wörtern bezeichnen. Den Rest des Beitrags lesen »


Caution! This language is under construction!

27. November 2011

Mein enorm guter Freund Mehmet Aydın (hier im Schplock auch schon als Memo aufgetreten) hat, unter Einfluss der kürzlich stattgefunden habenden StuTS, die ja immer ein Biotop für linguistikbezogene Spielereien ist, eine großartige Serie von Hinweisschildern kreiert, die ich euch nicht vorenthalten will. So, without further ado:


Alle Bilder stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 3.0, man darf sie sich also z.B. ausdrucken und an die Bürotür hängen, und existieren auf Anfrage auch noch in besserer Auflösung. Ebenfalls auf Anfrage (in den Kommentaren) gibt’s nähere Erläuterungen zu den einzelnen Motiven.