Katalanische Wochen(tage)

27. September 2011

Anfang September war ich auf einer Konferenz in Barcelona, wo ja Katalanisch regionale Amtssprache ist, eine romanische Kleinsprache. Eine lustige Entdeckung für mich waren die katalanischen Wochentagsbezeichnungen, wie auf diesem Parkhausöffnungszeitenschild zu sehen:

In die richtige Reihenfolge gebracht und im Singular lauten sie: Den Rest des Beitrags lesen »


Keine macht den Drogen

31. März 2011

Vor ein paar Monaten habe ich meinen Kleiderschrank durchgesehen und eine Menge Zeug zum Roten Kreuz gebracht. Dieses Kleidungsstück lag lange auf dem Weggabestapel, aber schließlich habe ich es aus nostalgischen Gründen doch behalten.

KEINE MACHT DEN DROGEN

Ja, genau, da gabs mal so ne Kampagne. Ich war in der ersten Klasse, wir bekamen alle diese T-Shirts, mussten damit für Pressefotos auf dem Schulhof herumlaufen und sahen aus wie kleine Gespenster. Die nächsten zehn Jahre benutzte ich das Ding als Nachthemd, heute passt es halbwegs (siehe links). Und die ganze Zeit über war ich jedes Mal, wenn ich den Slogan sah, leicht irritiert.

Hätte man für das Logo (das heute sehr telekomartig anmutet, aber damals war die Post ja noch gelb) keine Blockbuchstaben genutzt, hätte ich die mir damals unbekannte Konstruktion “Keine Macht dem/den/der …” gelernt und gut wär’s gewesen. So aber war meine persönliche Analyse Keine macht den Drogen, was ich für höchst kurios hielt, müsste es doch Keine macht die Drogen heißen. Nicht, dass das dann irgendeinen Sinn gehabt hätte, denn wer sollte diese Keine eigentlich sein und warum war es so bemerkenswert, dass sie nicht an der Drogenproduktion beteiligt war?

Ich glaube so gegen Ende meiner Schulzeit wurde mir irgendwann klar, wie der Spruch gemeint war.

Die Keine Macht+Dativ-Konstruktion scheint mir durch diese Kampagne ziemlich beliebt geworden zu sein, so findet sich in der Buchsuche bei Google recht gut als direkte Anspielung erkennbar:

Keine Macht den Drögen, Keine Macht den Proben, Keine Macht den Doofen

Und weitere Beispiele, die sich nicht sicher auf die Kampagne zurückführen lassen (erste 300 Suchergebnisse ausgewertet): Den Rest des Beitrags lesen »


Schplockflaute trotz Linguistikleben

31. März 2010

Eigentlich sollte man denken, dass ich momentan vor Schplock-Ideen geradezu übersprudle – immerhin bereite ich gerade elf verschiedene und extrem spannende Prüfungsthemen vor1. Aber nix da, jeder Versuch, darüber zu schreiben, artet in zähe, enzyklopädisch-belehrende Abhandlungen aus.

Dann war Chomsky in Mainz, da könnte man ja auch was drüber schreiben – oh, aber er war so uninspirierend und hat all das gesagt, was man so kennt und was einen nach den faulen Tomaten greifen lässt. (“The Minimalistic program is just an effort to show what’s true is true”, “You don’t have to learn the syntax and semantics [of foreign languages] because it’s there already”, “The entire study of language for 2500 years is kind of off track”) Und dann klumpten sich massenweise Leute hinterher auch noch um ihn herum zusammen und ließen sich Autogramme geben. Peinlich.

Was ist noch passiert in meinem Linguistikleben? Ich war bei einer Projektvorstellung in der Mainzer Akademie der Wissenschaften für das geplante Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands, was superspannend war. Das Wörterbuch soll alle Familiennamen Deutschlands erfassen und etymologisieren (inklusive denen fremdsprachiger Herkunft). Und online verfügbar sein. Und für Laien verständlich formuliert. Ooooh! Also ganz fest die Daumen drücken, dass es bewilligt wird.

Diese Woche war ich für drei Tage bei einem tollen Workshop zu Wort- und Silbensprachen in Freiburg. Übrigens interessant, wie die badische Identität in Freiburg immer und überall betont wird – da wird man auf einem Plakat an der Uni Willkumme geheißen, auf der Speisekarte gibt’s Brägele (Brägili) und Schäufele (Schiifili), und Versicherungsunternehmen und Banken bemühen sich um Werbesprüche, die irgendwo badisch beinhalten.

Da der Workshop ein sehr spezielles Thema hatte, lässt er sich kaum für’s Schplock ausschlachten. (Einen Lesetipp zum Thema hatte ich hier ja schon.) Einen großartigen Schweizerdeutschen Satz aus dem Vortrag von Beat Siebenhaar will ich euch aber auf keinen Fall vorenthalten: blitstststsu:g Übersetzungsversuche willkommen!

So, das nächste Mal hoffentlich etwas kohärenter. Bis dahin ein Verweis auf meine letztjährige Osterreihe.

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Die Ich-hänge-Substantive-an-Wortgruppen-Technik: Phrasenkomposita

4. Oktober 2009

Dieser Artikel ist ins neue Sprachlog umgezogen und ab sofort hier zu finden!


[Buchtipp] The Unfolding of Language (Du Jane, ich Goethe)

1. September 2009

Language is mankind’s greatest invention – except, of course, that it was never invented. (Guy Deutscher)

Schon wieder ein Buchtipp! Ui! Heute will ich Euch “The Unfolding of Language” von Guy Deutscher ans Herz legen. Ich hab’s auf Englisch gelesen, es gibt aber auch eine deutsche Übersetzung: “Du Jane, ich Goethe”. Keine Angst, der Inhalt wurde bedeutend besser übersetzt als der Titel befürchten lässt, ich hab mal in der Buchhandlung reingelesen.

The Unfolding of Language

The Unfolding of Language

Worum geht es? Darum, wie Sprache entsteht und sich verändert. Deutscher hat als großes Ziel vor Augen zu erklären, wie komplizierte Satzstrukturen und Grammatik entstanden sein könnten. Da die Entstehung der Sprache viel zu lange her ist, um darüber irgendwelche Aussagen zu treffen, wählt Deutscher “neuere” Beispiele aus ganz verschiedenen Sprachen, nur wenige Jahrhunderte oder Jahrtausende alt. Die allgemeinen Prinzipien, die darin wirken, vermutet er auch schon zu früheren Zeiten. Der unter Laien verbreiteten Ansicht, dass unsere Sprache einmal perfekt war und jetzt nur noch verfällt, widerspricht er entschieden.

Das Buch kommt komplett ohne Fachtermini aus – und ist dennoch wissenschaftlich fundiert. (Grammatikalisierung, Analogiebildung und Ökonomie spielen z.B. eine große Rolle.) Ich hatte eine Menge Spaß beim Lesen, und das, obwohl ich die meisten präsentierten Fakten und Gedanken schon kannte – es ist einfach richtig gut geschrieben und clever aufgebaut. Mein persönliches Highlight war die Theorie zur Entstehung der Wurzelkonsonanten im Arabischen, ein Thema, über das ich mir noch nie Gedanken gemacht hatte.

Deutschen würde ich übrigens eher zur deutschen Ausgabe raten, die keine bloße Übersetzung ist. Viele Grundlagen werden nämlich im Original an kleinen Beispielen aus dem Englischen erklärt. Für die deutsche Übersetzung wurde, wo es möglich war, nach deutschen Beispielen gesucht, die das gleiche zeigen. So geht es zum Beispiel einmal darum, dass im Englischen die Entwicklung von th zu f eigentlich ganz naheliegend ist und auch in einigen Dialekten vorkommt. Den Laut th gibt es im Deutschen aber nicht, so dass schließlich p zu b gewählt wurde, etwas, das man z.B. im Hessischen beobachten kann.

Wer sich für Sprache und Sprachen interessiert, dem kann ich das Buch wirklich nur empfehlen!


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