Blogspektrogramm (10)

Diesen Monat gibt es mal wieder ein Blogspektrogramm bei mir: Die Januarausgabe beinhaltet eine Menge verfolgenswerter Links aus der Sprachwissenschaft!

Weil Anatol, Suz, Michael und ich im Januar ganz furchtbar mit dem Anglizismus des Jahres beschäftigt waren und wenig anderes gebloggt haben, haben die drei mir statt (oder zusätzlich zu) ihrem eigenen Link auch noch etwas geschickt, das sie im Januar gelesen haben und empfehlendwert fanden.

Michael vom Lexikographieblog empfiehlt Joachim Grzegas Sammlung von Sprachspielen aus den Pumuckl-Hörspielen und -Filmen. Sind echt ganz schöne dabei, hier zum Beispiel macht der Kobold sich Gedanken zu unikalen Morphemen: “Was ein Buch ist, das weiß ich ja, aber was ist – was ist eigentlich ein Stabe? Du du, ich will Staben lernen; Buchstaben und Zeitungsstaben und alle Staben die es gibt.”

Kilian, der Intendant des Texttheaters analysiert einen philosophischen Artikel von Byung-Chul Han, der durch zahlreiche Verben der Zustandsveränderung eine hohe Dynamik vorspiegelt, sich aber weigert, diese irgendwie zeitlich zu verankern. Kilian überlegt, ob es sich hier um eine spezielle Fachsprache handelt, oder ob vielleicht einfach nur verschleiert werden soll, dass es sich um nicht sonderlich fundierte Aussagen handelt.

Suz von decaf hat sich im Rahmen der Anglizismenwahl Gedanken über das Wort Masterand gemacht, das in Stellenanzeigen zunehmend den Diplomanden ersetzt. Außerdem hat sie noch einen Linktipp, in dem wunderbar beschrieben wird, wofür wir LinguistInnen in der Regel gehalten werden und womit wir uns, im Gegensatz dazu, beschäftigen. Ist auf Englisch, aber kurz und heiter.

Stefan, der Fragen-Sie-Dr.-Bopp, beantwortet eine Frage zur Schreibung von Scheiß- in Zusammensetzungen wie Scheißhaus ‘schlechtes Haus’ (nicht ‘Toilette’) und streift dabei die Entwicklung zu einem Affixoid (wie Riesenspaß, Bombenstimmung, …) oder gar zu einem eigenständigen (aber noch nicht flektierenden) Adjektiv (scheiß Haus).

Anatol vom Sprachlog hat sich im Januar das Verben von Politikern angeschaut, also die Benutzung eines Politikernamens als Verb, wie wulffen, guttenbergen, merkeln etc. Außerdem empfiehlt er einen Kommentar von Luise Pusch (einer sehr bekannten feministischen Linguistin), die sich mit dem Wort Personhood auseinandersetzt – ein besonders von Republikanern verfolgtes Konzept, das einem Kind-in-spe schon direkt nach der Zeugung Persönlichkeitsrechte zuspricht und entsprechend Abtreibungen verbieten soll. Der Kommentar ist Geschmackssache (ich fände weniger Polemik und mehr Information spannender), aber durchaus lesenswert.

Ich selbst habe im Januar Zur Erlustigung was über frühneuhochdeutsche Grammatikschreibung geschrieben, ein Text, in dem ich eine scheinbar wild-schwärmerische Passage aus einer alten Grammatik in Bezug zur heutigen Fachterminologie setze. Außerdem will ich euch noch eine kleine Anekdote empfehlen, die zwar schon älter ist, mir aber kürzlich wieder in den Sinn kam: Frau Freitag fragt ihre Schüler, woher eigentlich das Wort Spast kommt.

Viel Spaß beim Verfolgen der Links wünsche ich!

Alle bisherigen Blogspektrogramme im Überblick:

5 Antworten zu Blogspektrogramm (10)

  1. [...] Kristin im Schplock ist das zehnte Blogspektrogramm zu [...]

  2. [...] die deutsche Sprache und darüber hinaus hingewiesen. Mehr dazu, wie bereits gesagt, in Kristins [ʃplɔk]. Viel Spaß beim [...]

  3. ke sagt:

    Zu Michaels Beitrag gibt es keinen Link und ich kann ihn auch im Lexikographieblog nicht finden. Ein Geisterbeitrag?

    • ke sagt:

      Äh, never mind, jetzt hab ich’s geschnallt: Das war kein eigener Beitrag, sondern eine Linkempfehlung.

  4. [...] aktuellen Blogspektrogramm gibt es wieder viel über Sprache zu [...]

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